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Rentenmärkte: Keine Impulse für Bundrenditen
21.02.20 09:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der deutschen und der US-Staatsanleihen sind unverändert unter Abwärtsdruck, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Dieser habe sich zuletzt vor dem Hintergrund der möglicherweise rechtsterroristischen Tötungsdelikte in Hanau noch erhöht. Darüber hinaus spiele Covid-19 weiterhin an den Rentenmärkten die entscheidende Rolle. Die Bund-Renditen lägen derzeit bei -42 BP, marginal unter dem Wert von vor einer Woche. Die korrespondierenden US-Treasuries würden bei 1,55, im Vorwochenvergleich 7 BP niedriger rentieren. Die Aktienmärkte würden hingegen unbeeindruckt bleiben, wobei die Investmentbank Goldman Sachs nunmehr davor gewarnt habe, dass viele Analysten die negativen Auswirkungen von Covid-19 auf die Gewinnentwicklung im Unternehmenssektor möglicherweise unterschätzt hätten.
Von China werde berichtet, dass die Wiederaufnahme der Produktion in China nur sehr zäh anlaufe. Zwei Drittel der Wanderarbeiter seien gemäß Zeitungsmeldungen noch nicht an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, was sich auch mit den Erfahrungsberichten einigen Unternehmen decke. Der Verkehr sei auch noch weitestgehend tot, berichtet werde von einem Verkehrsaufkommen, das nur einem Fünftel des normalen Aufkommens entspreche. Bis wirklich wieder bei voller Kapazität produziert werden könne, werde es vermutlich noch ein paar Monate dauern, vor allem weil Hubei in viele Wertschöpfungsketten innerhalb Chinas eingebunden sei und in dieser Provinz mit 60 Millionen Einwohnern eine Normalisierung noch Monate dauern sollte.
Zu den positiven Nachrichten zähle, dass die Zahl der Neuinfektionen außerhalb von der Provinz Hubei bereits seit 16 Tagen in Folge zurückgehe und die Zahl der Verdachtsfälle in ganz China seit elf Tagen sinke. Vielleicht könne man allmählich tatsächlich von einem Trend sprechen, auch wenn die ganze Angelegenheit noch schwer abzuschätzen sei, weil das Leben noch weit davon entfernt sei, sich zu normalisieren. Das heiße es gebe einfach weniger Ansteckungsmöglichkeiten als unter normalen Umständen. Weiter müsse man auch das Ausland im Auge behalten. In Südkorea sei die Zahl der Neuinfektionen von einem Tag auf den anderen von 31 auf 46 gestiegen.
Einige Marktteilnehmer beschäftige ein ganz anderes Thema, nämlich Argentiniens wahrscheinliche Zahlungsunfähigkeit. So habe der Internationale Währungsfonds (IWF) der neuen Regierung empfohlen die privaten Schulden zu restrukturieren. Argentinien sei ein Wiederholungstäter, denn das Land habe 2001 seinen Schuldendienst gegenüber den Auslandsgläubigern beendet, was mit einer schwerwiegenden Regierungskrise und tiefgreifenden Rezession einhergegangen sei, um bereits 2005 wieder seine Gläubiger zu enttäuschen. Möglicherweise werde sich die EZB-Präsidentin Christine Lagarde rechtfertigen müssen, warum der IWF vor einigen Jahren eines der größten Kreditpakete im Volumen von 56 Mrd. US-Dollar unter ihrer Verantwortung als IWF-Chefin an Argentinien vergeben habe.
Die gestrigen FOMC-Minutes hätten eine gewisse Zuversicht über den weiteren Verlauf der Konjunktur in den USA ausgedrückt. Allerdings müsse man berücksichtigen, dass zum Zeitpunkt der letzten Sitzung Ende Januar das Thema Coronavirus noch relativ vage diskutiert worden sei. Die EZB-Sitzung habe schon am 23. Januar stattgefunden, sodass das gestern veröffentlichte Protokoll ebenfalls nur eine begrenzte Aussagekraft habe. Der Optimismus, der in dem Protokoll durchscheine, dürfte nicht zuletzt wegen der dann folgenden schlechten Konjunkturzahlen, aber eben auch wegen Covid-19 größerem Pessimismus gewichen sein.
In den nächsten Tagen stünden die PMI-Einkaufsmanagerindices für die Eurozone (21.02.) und der ifo-Index (24.02) auf der Agenda. Letzterer falle mit dem Rosenmontag zusammen. Darüber hinaus stehen wir vor einem potenziell ereignisreichen Wochenende, an dem sich die G20-Finanzminister und Notenbankgoverneure in Riad treffen und die dritten Vorwahlen, dieses Mal in Nevada, stattfinden werden, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Schon am 3. März stehe der Super-Tuesday an, der erste Höhepunkt der Vorwahlen. Am Sonntag (23.02.) fänden noch die Bürgerschaftswahlen in Hamburg statt. An der Datenfront sei ansonsten noch unter anderem auf den ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe und die Inflationsdaten der Eurozone zu achten. (Ausgabe vom 20.02.2020) (21.02.2020/alc/a/a)
Dieser habe sich zuletzt vor dem Hintergrund der möglicherweise rechtsterroristischen Tötungsdelikte in Hanau noch erhöht. Darüber hinaus spiele Covid-19 weiterhin an den Rentenmärkten die entscheidende Rolle. Die Bund-Renditen lägen derzeit bei -42 BP, marginal unter dem Wert von vor einer Woche. Die korrespondierenden US-Treasuries würden bei 1,55, im Vorwochenvergleich 7 BP niedriger rentieren. Die Aktienmärkte würden hingegen unbeeindruckt bleiben, wobei die Investmentbank Goldman Sachs nunmehr davor gewarnt habe, dass viele Analysten die negativen Auswirkungen von Covid-19 auf die Gewinnentwicklung im Unternehmenssektor möglicherweise unterschätzt hätten.
Von China werde berichtet, dass die Wiederaufnahme der Produktion in China nur sehr zäh anlaufe. Zwei Drittel der Wanderarbeiter seien gemäß Zeitungsmeldungen noch nicht an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, was sich auch mit den Erfahrungsberichten einigen Unternehmen decke. Der Verkehr sei auch noch weitestgehend tot, berichtet werde von einem Verkehrsaufkommen, das nur einem Fünftel des normalen Aufkommens entspreche. Bis wirklich wieder bei voller Kapazität produziert werden könne, werde es vermutlich noch ein paar Monate dauern, vor allem weil Hubei in viele Wertschöpfungsketten innerhalb Chinas eingebunden sei und in dieser Provinz mit 60 Millionen Einwohnern eine Normalisierung noch Monate dauern sollte.
Einige Marktteilnehmer beschäftige ein ganz anderes Thema, nämlich Argentiniens wahrscheinliche Zahlungsunfähigkeit. So habe der Internationale Währungsfonds (IWF) der neuen Regierung empfohlen die privaten Schulden zu restrukturieren. Argentinien sei ein Wiederholungstäter, denn das Land habe 2001 seinen Schuldendienst gegenüber den Auslandsgläubigern beendet, was mit einer schwerwiegenden Regierungskrise und tiefgreifenden Rezession einhergegangen sei, um bereits 2005 wieder seine Gläubiger zu enttäuschen. Möglicherweise werde sich die EZB-Präsidentin Christine Lagarde rechtfertigen müssen, warum der IWF vor einigen Jahren eines der größten Kreditpakete im Volumen von 56 Mrd. US-Dollar unter ihrer Verantwortung als IWF-Chefin an Argentinien vergeben habe.
Die gestrigen FOMC-Minutes hätten eine gewisse Zuversicht über den weiteren Verlauf der Konjunktur in den USA ausgedrückt. Allerdings müsse man berücksichtigen, dass zum Zeitpunkt der letzten Sitzung Ende Januar das Thema Coronavirus noch relativ vage diskutiert worden sei. Die EZB-Sitzung habe schon am 23. Januar stattgefunden, sodass das gestern veröffentlichte Protokoll ebenfalls nur eine begrenzte Aussagekraft habe. Der Optimismus, der in dem Protokoll durchscheine, dürfte nicht zuletzt wegen der dann folgenden schlechten Konjunkturzahlen, aber eben auch wegen Covid-19 größerem Pessimismus gewichen sein.
In den nächsten Tagen stünden die PMI-Einkaufsmanagerindices für die Eurozone (21.02.) und der ifo-Index (24.02) auf der Agenda. Letzterer falle mit dem Rosenmontag zusammen. Darüber hinaus stehen wir vor einem potenziell ereignisreichen Wochenende, an dem sich die G20-Finanzminister und Notenbankgoverneure in Riad treffen und die dritten Vorwahlen, dieses Mal in Nevada, stattfinden werden, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Schon am 3. März stehe der Super-Tuesday an, der erste Höhepunkt der Vorwahlen. Am Sonntag (23.02.) fänden noch die Bürgerschaftswahlen in Hamburg statt. An der Datenfront sei ansonsten noch unter anderem auf den ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe und die Inflationsdaten der Eurozone zu achten. (Ausgabe vom 20.02.2020) (21.02.2020/alc/a/a)


