Erweiterte Funktionen

Rentenmärkte: IWF dürfte Wachstumsprognosen kräftig nach unten revidieren


07.10.22 08:57
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Nach dem Chaos der vergangenen Woche an den Bondmärkten hat sich die Lage wieder etwas beruhigt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Die Renditen hätten tendenziell wieder zugelegt. Die zehnjährigen Bunds lägen bei 2,03%, die T-Notes bei 3,77%. Die Zinsstruktur in den USA sei stark invers, das heiße die zweijährigen Renditen lägen etwa 40 BP über den zehnjährigen Renditen und das signalisiere weiterhin, dass eine Rezession nah sei. Die Analysten würden eine weiche Landung der USA weiterhin dennoch für möglich halten, wenngleich klar sei, dass vor allem der Bausektor und der Immobilienmarkt unter den gestiegenen Zinsen leiden würden.

Sorgen bereite vielen Marktteilnehmern die gestrige (05.10.) Entscheidung der OPEC Plus, die Förderquoten um 2 Millionen Barrel/Tag zu kürzen und an dieser Kürzung bis Ende 2023 festzuhalten. Im Ergebnis werde die tatsächliche Produktion vermutlich nicht so stark fallen, insbesondere weil Russland sein Förderziel um rund 1,2 Millionen Barrel/Tag verfehle. Dennoch würden die Ölpreise tendenziell gestützt, was dann auch über die höheren Spritpreise an den Tankstellen und den höheren Heizölpreisen auf die Inflation durchschlagen würde.

Gleichzeitig hätten die PMI Einkaufsmanagerindices für den Dienstleistungssektor in der Eurozone gezeigt, dass die Währungsunion auch hier mittlerweile sehr schwach auf der Brust sei. In Deutschland, Italien und Spanien liege der Indikator teilweise deutlich im schrumpfenden Bereich, also unter 50. Nur in Frankreich nehme die Aktivität in diesem Sektor gemäß dieser Umfrage noch zu. Das dürfte damit zusammenhängen, dass in Frankreich die Kaufkraftverluste der privaten Haushalten wegen gedeckelter Energiepreise relativ gering ausfallen würden.

Die Welthandelsorganisation WTO habe derweil gerade ihre neuen Prognosen vorgestellt. Insbesondere habe sie einen wenig optimistischen Ausblick für den Welthandel. So werde dieser im kommenden Jahr laut WTO nur um 1% zulegen, die Bandbreite für diese Prognose bewege sich dabei zwischen - 2,8% und +4,6%, es bestehe also eine erhebliche Unsicherheit und eine globale Rezession werde keinesfalls ausgeschlossen.

Unsicherheit könnte auch von Italien ausgehen. In diesem Zusammenhang habe die Ratingagentur Moody's festgestellt, sie würde Italien auf Non-Investmentgrade herunterstufen, wenn die neue Regierung die Reformen, die im Rahmen des New Generation Funds der EU vereinbart worden seien, nicht umsetze. Derzeit sei Italien von Moody's auf Baa3 mit negativen Ausblick eingestuft.

Derweil gehe das Warten auf die Bekanntgabe der genauen Ausgestaltung der Energiepreisbremsen in Deutschland erst mal weiter. Beim gestrigen Bund-Länder-Treffen habe es noch keine Einigung darüber gegeben, wie die Kosten aufgeteilt würden. Zum einen möchte man noch auf das Ergebnis der eingesetzten Kommission warten, die über den Gaspreisdeckel berate, was wohl für dieses Wochenende zu erwarten sei. Zum anderen möchte Finanzminister Christian Lindner noch die Steuerschätzung für das nächste Jahr abwarten, die aber erst Ende Oktober erscheinen werde. Man werde daher Ende Oktober / Anfang November mit den Ländern zu einer Einigung kommen, so Lindner.

Ob die Regierung diesen Zeitplan tatsächlich durchhalte oder ob der Druck aus der Öffentlichkeit bis dahin nicht zu groß werde, werde man sehen. Immerhin habe man beschlossen, dass die Netzentgelte mit Hilfe einer Subvention von 13 Mrd. Euro konstant gehalten würden. Die Netzentgelte würden üblicherweise rund 10% der Stromrechnung für private Haushalte ausmachen, bei Industriekunden seien es bis zu einem Drittel.

Auch auf der internationalen Ebene mache man sich Gedanken um Energiepreisbremsen. So dürfte heute beim Gründungstreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Prag, die aus 44 europäischen Staaten bestehe, unter anderem das von den G7-Staaten vorgeschlagene Konzept einer Preisbremse für russisches Erdöl debattiert werden. Dies könnte auch Thema bei der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington sein (14.10. bis 16.10.). Zu diesem Anlass werde der World Economic Outlook mit neuen Prognosen veröffentlicht, die vermutlich fast allesamt herunterrevidiert sein würden, mit Ausnahme des Nahen Ostens und auch Russland, die von den höheren Energiepreisen profitieren würden.

Am 16. Oktober fange der Kommunistische Parteitag in China an, dort werde - davon könne man wohl sicher ausgehen - Präsident Xi in seinem Amt bestätigt. Datenseitig würden morgen (07.10.) die Arbeitsmarktindikatoren aus den USA für September veröffentlicht. Der ADP-Bericht, der die privaten Beschäftigungszahlen im Vorfeld bereits abschätze, gehe von einem Beschäftigungszuwachs von 208.000 Personen aus, was ungefähr den Erwartungen entsprochen habe. Für die morgigen Payrolls werde ein Zuwachs von 250.000 Personen erwartet.

Wichtig seien nächste Woche außerdem die Inflationszahlen aus den USA (13.10.). Sollte die Inflation kräftig zurückgehen (wie manche Beobachter erwarten würden), würde dies die Finanzmärkte sicher beleben, da - so die Überlegung - die FED weniger aggressiv vorgehen müsste. Es würden außerdem noch die US-Einzelhandelsumsätze und Lagerbestände publiziert (14.10., September). (07.10.2022/alc/a/a)