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Rentenmärkte: Hoffnung auf langsameres Zinserhöhungstempo
27.10.22 14:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen Tagen sind die Renditen der langfristigen deutschen und der US-Staatsanleihen kräftig gefallen, berichtet Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Zehnjährige Bunds würden momentan bei 2,12% rentieren, nachdem sie am vergangenen Freitag (21.10.) in der Spitze 2,50% erreicht hätten. Die Pendants aus den USA seien von 4,30% am Freitag auf zuletzt 4,02% gefallen.
Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden davon ausgehen, dass eine Mischung aus technischen Faktoren - der vorausgegangene Renditeanstieg sei sehr rasch gewesen, was in der Regel zu Gegenreaktionen führe - und der Spekulation, die FED werde möglicherweise etwas weniger aggressiv als bislang erwartet agieren, für den Renditerückgang gesorgt habe.
Unterstützt werde diese Sicht durch den PMI für das Verarbeitende Gewerbe in den USA, der knapp unter die 50er Marke gefallen sei, und den NAHB-Indikator für das Wohnungsbaugewerbe, der von dem ohnehin schon niedrigen Niveau weiter auf 38 Punkte gefallen sei (bei 50 Punkten sei die Expansionsgrenze). Außerdem seien die Preise für Wohnimmobilien gefallen. Letzteres wecke die Hoffnung, dass die Inflation allmählich zurückkomme. Denn ein wichtiger Treiber der Teuerungsrate, die Mieten bzw. das in den Index einfließende Mietäquivalent (Home owners equivalent rent), könnte vor dem Hintergrund der fallenden Wohnimmobilienpreise irgendwann nachgeben. Zuletzt seien noch enttäuschende Ergebnisse von den Technologiegiganten Alphabet (Mutterunternehmen von Google), Microsoft und Meta dazu gekommen, die die Renditen noch weiter nach unten gedrückt hätten.
In Bezug auf die Hoffnung, die FED werde ihr Zinsanhebungstempo drosseln, sei festzustellen, dass sich die Wohnimmobilienpreise immer noch auf einem sehr hohen Niveau bewegen würden und der jüngste Preisrückgang nicht überbewertet werden sollte. Dies gelte umso mehr, da die US-Wirtschaft insgesamt immer noch sehr robust aussehe. Tatsächlich bilde sich die Inflation nur sehr träge zurück, die Kernrate sei zuletzt sogar gestiegen. Vor diesem Hintergrund dürfte die FED in der kommenden Woche am Mittwoch (02.11.) den Leitzins um mindestens 75 Basispunkte auf 4,0% (oberes Ende der Bandbreite der FED Fund Rate) anheben. Der interessante Punkt werde sein, die Signale für das weitere Vorgehen zu interpretieren. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden davon ausgehen, dass innerhalb der FED noch keine Einigkeit darüber herrsche, ab wann das Tempo der Zinserhöhungen verlangsamt werden solle. Bislang würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank erwarten, dass die FED bis zum Jahresende den Leitzins auf 4,5% anheben werde und dann im kommenden Jahr keine weiteren Zinsschritte unternehme.
Heute (27.10.) tage die EZB. Hier sei eine Zinsanhebung um 75 Basispunkte auf 2,0% eingepreist. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden bisher davon ausgehen, dass bis März ein Leitzinsniveau von 3,0% erreicht werde. Es werde bei der Sitzung aber auch darum gehen, wann man das sogenannte Quantitative Tightening (QT) beginne, also mit dem Abbau der Bilanzsumme starte. Angesichts der fragilen konjunkturellen Lage werde man damit vermutlich sehr vorsichtig anfangen, indem man weniger Anleihen reinvestiere, als fällig werden. Dies werde sich voraussichtlich nur auf das APP-Programm beziehen, nicht auf das PEPP-Programm, dessen Fälligkeiten gemäß EZB bis mindestens Ende 2024 reinvestiert werden sollten, auch um gegebenenfalls die Spreads von Peripherieanleihen zu stabilisieren.
Beim APP-Programm würden im nächsten Jahr etwa 350 Mrd. Euro an Anleihen fällig. Wenn beispielsweise die Hälfte davon nicht reinvestiert werde, würde der Abbau der Bilanz 175 Mrd. Euro betragen. Das sei zwar relativ gesehen kein Riesenbetrag - die Summe der erworbenen Anleihen auf der Bilanz der EZB liege bei knapp 5.000 Mrd. Euro - dennoch müsste der Schritt als eine gewisse Belastung für den Bondmarkt angesehen werden. Dies gelte umso mehr als man davon ausgehen müsse, dass im nächsten Jahr der Bondmarkt auch durch neue Schulden stärker belastet werde, etwa durch die größere Schuldenaufnahme Deutschlands. Das spricht also auch dafür, dass wir bei den langfristigen Renditen noch nicht den Zenit gesehen haben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Ein weiterer Programmpunkt bei der EZB-Sitzung werde das TLTRO-Programm sein. Derzeit sei es so, dass Banken TLTRO-Mittel aufnehmen und dann mit einem höheren Zinssatz bei der EZB anlegen könnten. Hier werde die EZB möglicherweise im Nachhinein die TLTRO-Bedingungen ändern, um dieses Arbitragegeschäft zu beenden. Damit würden die Rückzahlungen der TLTRO-Kredite beschleunigt werden, sodass die Bilanz der EZB auch auf diese Weise sinken würde.
Allerdings gebe es in diesem Zusammenhang auch Warnungen von der ICMA (International Capital Markets Association), dass durch diesen Schritt eine von ihnen beklagte Knappheit an Sicherheiten für Repo-Geschäfte am Geldmarkt noch zunehmen könnte. Aufseiten der EZB werde im Gegensatz dazu argumentiert, dass durch die Rückzahlung von TLTRO Sicherheiten frei würden, die dann am Repomarkt wieder eingesetzt werden könnten.
In den kommenden Tagen sei auf den G20-Gipfel in Bali zu achten, bei dem auch Russland vertreten sein werde. Bundeskanzler Olaf Scholz werde dann Ende nächster Woche mit einer Wirtschaftsdelegation nach China reisen, was im derzeitigen Umfeld sicher keine einfache Mission sein werde. Weiter sei die Berichtssaison sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks im vollen Gange, was die Aktienmärkte erneut bewegen könnte. Schließlich dürfte auch das Thema Zwischenwahlen in den USA (10.11.) verstärkt die Gemüter bewegen.
Datenseitig sei morgen (28.10.) auf die Inflationsdaten aus Deutschland, Frankreich und Spanien für Oktober zu achten, denen dann die Inflationsrate der Eurozone am Montag folge (31.10.). Nächste Woche stünden außerdem noch die ISM-Indices für die USA (Verarbeitendes Gewerbe am 01.11. und Dienstleistungen am 03.11., beides für Oktober) sowie die US-Arbeitsmarktzahlen an (04.11., Oktober). Veröffentlicht würden außerdem weitere PMI-Indices für den Monat Oktober (Verarbeitendes Gewerbe am 02.11. und Dienstleistungen am 04.11., unter anderem für eine Reihe von Euroländern). Am Montag (31.10.) sei in Deutschland in den meisten (unter anderem nicht in Hessen) Bundesländern Feiertag (Reformationstag). An der Börsen in Frankfurt finde Handel statt. (27.10.2022/alc/a/a)
Zehnjährige Bunds würden momentan bei 2,12% rentieren, nachdem sie am vergangenen Freitag (21.10.) in der Spitze 2,50% erreicht hätten. Die Pendants aus den USA seien von 4,30% am Freitag auf zuletzt 4,02% gefallen.
Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden davon ausgehen, dass eine Mischung aus technischen Faktoren - der vorausgegangene Renditeanstieg sei sehr rasch gewesen, was in der Regel zu Gegenreaktionen führe - und der Spekulation, die FED werde möglicherweise etwas weniger aggressiv als bislang erwartet agieren, für den Renditerückgang gesorgt habe.
Unterstützt werde diese Sicht durch den PMI für das Verarbeitende Gewerbe in den USA, der knapp unter die 50er Marke gefallen sei, und den NAHB-Indikator für das Wohnungsbaugewerbe, der von dem ohnehin schon niedrigen Niveau weiter auf 38 Punkte gefallen sei (bei 50 Punkten sei die Expansionsgrenze). Außerdem seien die Preise für Wohnimmobilien gefallen. Letzteres wecke die Hoffnung, dass die Inflation allmählich zurückkomme. Denn ein wichtiger Treiber der Teuerungsrate, die Mieten bzw. das in den Index einfließende Mietäquivalent (Home owners equivalent rent), könnte vor dem Hintergrund der fallenden Wohnimmobilienpreise irgendwann nachgeben. Zuletzt seien noch enttäuschende Ergebnisse von den Technologiegiganten Alphabet (Mutterunternehmen von Google), Microsoft und Meta dazu gekommen, die die Renditen noch weiter nach unten gedrückt hätten.
In Bezug auf die Hoffnung, die FED werde ihr Zinsanhebungstempo drosseln, sei festzustellen, dass sich die Wohnimmobilienpreise immer noch auf einem sehr hohen Niveau bewegen würden und der jüngste Preisrückgang nicht überbewertet werden sollte. Dies gelte umso mehr, da die US-Wirtschaft insgesamt immer noch sehr robust aussehe. Tatsächlich bilde sich die Inflation nur sehr träge zurück, die Kernrate sei zuletzt sogar gestiegen. Vor diesem Hintergrund dürfte die FED in der kommenden Woche am Mittwoch (02.11.) den Leitzins um mindestens 75 Basispunkte auf 4,0% (oberes Ende der Bandbreite der FED Fund Rate) anheben. Der interessante Punkt werde sein, die Signale für das weitere Vorgehen zu interpretieren. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden davon ausgehen, dass innerhalb der FED noch keine Einigkeit darüber herrsche, ab wann das Tempo der Zinserhöhungen verlangsamt werden solle. Bislang würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank erwarten, dass die FED bis zum Jahresende den Leitzins auf 4,5% anheben werde und dann im kommenden Jahr keine weiteren Zinsschritte unternehme.
Beim APP-Programm würden im nächsten Jahr etwa 350 Mrd. Euro an Anleihen fällig. Wenn beispielsweise die Hälfte davon nicht reinvestiert werde, würde der Abbau der Bilanz 175 Mrd. Euro betragen. Das sei zwar relativ gesehen kein Riesenbetrag - die Summe der erworbenen Anleihen auf der Bilanz der EZB liege bei knapp 5.000 Mrd. Euro - dennoch müsste der Schritt als eine gewisse Belastung für den Bondmarkt angesehen werden. Dies gelte umso mehr als man davon ausgehen müsse, dass im nächsten Jahr der Bondmarkt auch durch neue Schulden stärker belastet werde, etwa durch die größere Schuldenaufnahme Deutschlands. Das spricht also auch dafür, dass wir bei den langfristigen Renditen noch nicht den Zenit gesehen haben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Ein weiterer Programmpunkt bei der EZB-Sitzung werde das TLTRO-Programm sein. Derzeit sei es so, dass Banken TLTRO-Mittel aufnehmen und dann mit einem höheren Zinssatz bei der EZB anlegen könnten. Hier werde die EZB möglicherweise im Nachhinein die TLTRO-Bedingungen ändern, um dieses Arbitragegeschäft zu beenden. Damit würden die Rückzahlungen der TLTRO-Kredite beschleunigt werden, sodass die Bilanz der EZB auch auf diese Weise sinken würde.
Allerdings gebe es in diesem Zusammenhang auch Warnungen von der ICMA (International Capital Markets Association), dass durch diesen Schritt eine von ihnen beklagte Knappheit an Sicherheiten für Repo-Geschäfte am Geldmarkt noch zunehmen könnte. Aufseiten der EZB werde im Gegensatz dazu argumentiert, dass durch die Rückzahlung von TLTRO Sicherheiten frei würden, die dann am Repomarkt wieder eingesetzt werden könnten.
In den kommenden Tagen sei auf den G20-Gipfel in Bali zu achten, bei dem auch Russland vertreten sein werde. Bundeskanzler Olaf Scholz werde dann Ende nächster Woche mit einer Wirtschaftsdelegation nach China reisen, was im derzeitigen Umfeld sicher keine einfache Mission sein werde. Weiter sei die Berichtssaison sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks im vollen Gange, was die Aktienmärkte erneut bewegen könnte. Schließlich dürfte auch das Thema Zwischenwahlen in den USA (10.11.) verstärkt die Gemüter bewegen.
Datenseitig sei morgen (28.10.) auf die Inflationsdaten aus Deutschland, Frankreich und Spanien für Oktober zu achten, denen dann die Inflationsrate der Eurozone am Montag folge (31.10.). Nächste Woche stünden außerdem noch die ISM-Indices für die USA (Verarbeitendes Gewerbe am 01.11. und Dienstleistungen am 03.11., beides für Oktober) sowie die US-Arbeitsmarktzahlen an (04.11., Oktober). Veröffentlicht würden außerdem weitere PMI-Indices für den Monat Oktober (Verarbeitendes Gewerbe am 02.11. und Dienstleistungen am 04.11., unter anderem für eine Reihe von Euroländern). Am Montag (31.10.) sei in Deutschland in den meisten (unter anderem nicht in Hessen) Bundesländern Feiertag (Reformationstag). An der Börsen in Frankfurt finde Handel statt. (27.10.2022/alc/a/a)


