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Rentenmärkte: Höhere Renditen deuten auf Verfestigung der Inflationserwartungen hin
25.08.22 16:27
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der Bundesanleihen und der US T-Notes sind in den letzten Tagen kräftig gestiegen, die zehnjährigen Bunds rentieren jetzt bei 1,35% und die entsprechenden T-Notes bei 3,09%, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Der Renditeanstieg passe eigentlich nicht zu der verschlechterten Stimmung an den Aktienmärkten, die in den vergangenen Tagen doch ziemlich abrupt ihre Sommerrally beendet hätten. Möglicherweise setze sich die Erkenntnis durch, dass die Inflation dauerhaft relativ hoch bleiben werde und dass hieße dauerhaft negative Realrenditen. Das mache Anleihen unattraktiver und sorge für niedrigere Kurse und höhere Nominalrenditen.
Dazu passe der jüngste Anstieg des Ölpreises. Er sei dadurch zustande gekommen, dass Saudi-Arabien in Aussicht gestellt habe, die Förderquoten zu senken. Nun sei es so, dass die OPEC Plus Länder die Förderquoten ohnehin nicht einhalten würden, sie würden die Quoten um signifikante 2,8 Mio. Barrel/Tag verfehlen. Insofern werde sich an der tatsächlichen Förderung vermutlich gar nicht so viel ändern. Dazu gebe es noch Spekulationen, dass eine Einigung um das iranische Atomprogramm unmittelbar bevorstehe, wodurch das Ölangebot von dieser Seite steigen könnte. Gleichzeitig sei aber auch festzustellen, dass Erdgas verstärkt durch Erdöl substituiert werde, etwa in der Stromerzeugung. Das stabilisiere den Ölpreis eher.
Der schwache Euro fördere ebenfalls die Inflation. Der spiegelbildlich starke US-Dollar sei allerdings auch ein Problem für viele Emerging Markets. Dazu würden beispielsweise die relativ bevölkerungsreichen Länder Türkei, Ägypten, Pakistan und Nigeria gehören, die zur Stützung ihrer Währungen in den vergangenen Monaten ihre Devisenreserven stark abgebaut hätten und daher relativ schutzlos einer weiteren Abwertung ihrer Währungen gegenüberstünden.
Beachtenswert sei auch die Entwicklung in Italien. Medienberichten zufolge hätten Hedgefonds Positionen gegen Italien aufgebaut bzw. würden auf eine weitere Ausweitung der Spreads Italiens wetten. Tatsächlich hätten sich die Risikoprämien der zehnjährigen italienischen Anleihen in den vergangenen zehn Tagen um rund 30 Basispunkte ausgeweitet. Der Spread liege jetzt bei 2,35%. Dass die Spreads Italiens jetzt gerade steigen würden und nicht die von Spanien, hänge mit den vorgezogenen Neuwahlen am 25. September zusammen und der Aussicht, dass aller Voraussicht nach ein rechtspopulistisches Bündnis an die Macht kommen werde, wenngleich ein Exit aus dem Euro nicht Teil des Wahlprogramms der beteiligten Parteien sei. Dazu komme, dass Italien ähnlich stark von russischen Energieimporten abhängig sei wie Deutschland.
Sollten wir bei den italienischen Spreads in Richtung 3% marschieren, wird die EZB überlegen müssen, ob sie allmählich den Transmissionsmechanismus der Geldpolitik in Gefahr sieht, sodass sie ihr neu geschaffenes TPI-Instrument aktiviert, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Mit diesem Instrument (Transmission Protection Mechanism) könnte die EZB gezielt italienische Anleihen kaufen und die Bondmärkte wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen, mit dem Ziel, dass die geldpolitischen Impulse auch überall ankommen würden.
Besser als erwartet seien die BIP-Zahlen aus Deutschland für Q2 gewesen. So sei das BIP in diesem Zeitraum um 0,1% gegenüber dem Vorquartal gestiegen. In der ersten Schätzung sei von 0% ausgegangen worden. Der private Konsum sei mit 0,8% QoQ erneut recht robust gewesen. Das Allzeittief beim Konsumentenvertrauensindex GfK (am 26.08. würden dazu neue Daten kommen) spreche allerdings dafür, dass diese Stärke nicht mehr lange anhalten werde.
Gleichzeitig sei die Investitionstätigkeit deutlich zurückgegangen (-1,3% QoQ), getrieben durch den Einbruch bei den Bauinvestitionen (-3,3% QoQ). Die Exporte seien nur noch leicht gestiegen, hier würden sich die Lieferkettenprobleme bemerkbar machen. Aber hier könne man vielleicht auch wieder etwas Hoffnung anknüpfen. Denn die Auftragsbücher seien voll und eine Entspannung bei den Lieferketten würde auch die Exporte wieder stärker steigen lassen.
Heute beginne das Zentralbankertreffen in Jackson Hole, USA. EZB-Präsidentin Christine Lagarde werde nicht dort sein, sie lasse sich vertreten durch Ratsmitglied Isabel Schnabel. Morgen werde FED-Chef Jerome Powell sprechen und dabei sollte man vor allem versuchen herauszuhören, ob bei der nächsten FED-Sitzung eher mit 50 oder eher mit 75 BP Zinserhöhung zu rechnen sei. Auf einer etwas strategischeren Ebene würden sich die Diskussionen aber auch darum drehen, ob man in eine neue Ära komme, in der man eine dauerhaft höhere Inflation erleben werde. Dem liege unter anderem die Überlegung zugrunde, dass die inflationssenkenden Effekte der letzten Jahrzehnte, unter anderem begründet in der demografischen Entwicklung, nicht nur zu ihrem Ende kommen, sondern sich sogar umkehren würden.
Nächste Woche werde Russland erneut seine Gaslieferungen über die North Stream 1 einstellen, angekündigt worden sei dies für den 31.08. bis 02.09., was für erneute Verunsicherung sorge. Datenseitig sei auf die Inflationsdaten für August zu achten (Spanien und Deutschland am 30.08., Frankreich und Eurozone am 31.08.). Außerdem würden nach den ersten Schnellschätzungen weitere PMI- bzw. ISM-Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe veröffentlicht (unter anderem USA, Japan, China, Italien, Spanien, alle am 01.09.). Wichtig sei schließlich am 02.09. der US-Arbeitsmarktbericht. (25.08.2022/alc/a/a)
Der Renditeanstieg passe eigentlich nicht zu der verschlechterten Stimmung an den Aktienmärkten, die in den vergangenen Tagen doch ziemlich abrupt ihre Sommerrally beendet hätten. Möglicherweise setze sich die Erkenntnis durch, dass die Inflation dauerhaft relativ hoch bleiben werde und dass hieße dauerhaft negative Realrenditen. Das mache Anleihen unattraktiver und sorge für niedrigere Kurse und höhere Nominalrenditen.
Dazu passe der jüngste Anstieg des Ölpreises. Er sei dadurch zustande gekommen, dass Saudi-Arabien in Aussicht gestellt habe, die Förderquoten zu senken. Nun sei es so, dass die OPEC Plus Länder die Förderquoten ohnehin nicht einhalten würden, sie würden die Quoten um signifikante 2,8 Mio. Barrel/Tag verfehlen. Insofern werde sich an der tatsächlichen Förderung vermutlich gar nicht so viel ändern. Dazu gebe es noch Spekulationen, dass eine Einigung um das iranische Atomprogramm unmittelbar bevorstehe, wodurch das Ölangebot von dieser Seite steigen könnte. Gleichzeitig sei aber auch festzustellen, dass Erdgas verstärkt durch Erdöl substituiert werde, etwa in der Stromerzeugung. Das stabilisiere den Ölpreis eher.
Der schwache Euro fördere ebenfalls die Inflation. Der spiegelbildlich starke US-Dollar sei allerdings auch ein Problem für viele Emerging Markets. Dazu würden beispielsweise die relativ bevölkerungsreichen Länder Türkei, Ägypten, Pakistan und Nigeria gehören, die zur Stützung ihrer Währungen in den vergangenen Monaten ihre Devisenreserven stark abgebaut hätten und daher relativ schutzlos einer weiteren Abwertung ihrer Währungen gegenüberstünden.
Sollten wir bei den italienischen Spreads in Richtung 3% marschieren, wird die EZB überlegen müssen, ob sie allmählich den Transmissionsmechanismus der Geldpolitik in Gefahr sieht, sodass sie ihr neu geschaffenes TPI-Instrument aktiviert, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Mit diesem Instrument (Transmission Protection Mechanism) könnte die EZB gezielt italienische Anleihen kaufen und die Bondmärkte wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen, mit dem Ziel, dass die geldpolitischen Impulse auch überall ankommen würden.
Besser als erwartet seien die BIP-Zahlen aus Deutschland für Q2 gewesen. So sei das BIP in diesem Zeitraum um 0,1% gegenüber dem Vorquartal gestiegen. In der ersten Schätzung sei von 0% ausgegangen worden. Der private Konsum sei mit 0,8% QoQ erneut recht robust gewesen. Das Allzeittief beim Konsumentenvertrauensindex GfK (am 26.08. würden dazu neue Daten kommen) spreche allerdings dafür, dass diese Stärke nicht mehr lange anhalten werde.
Gleichzeitig sei die Investitionstätigkeit deutlich zurückgegangen (-1,3% QoQ), getrieben durch den Einbruch bei den Bauinvestitionen (-3,3% QoQ). Die Exporte seien nur noch leicht gestiegen, hier würden sich die Lieferkettenprobleme bemerkbar machen. Aber hier könne man vielleicht auch wieder etwas Hoffnung anknüpfen. Denn die Auftragsbücher seien voll und eine Entspannung bei den Lieferketten würde auch die Exporte wieder stärker steigen lassen.
Heute beginne das Zentralbankertreffen in Jackson Hole, USA. EZB-Präsidentin Christine Lagarde werde nicht dort sein, sie lasse sich vertreten durch Ratsmitglied Isabel Schnabel. Morgen werde FED-Chef Jerome Powell sprechen und dabei sollte man vor allem versuchen herauszuhören, ob bei der nächsten FED-Sitzung eher mit 50 oder eher mit 75 BP Zinserhöhung zu rechnen sei. Auf einer etwas strategischeren Ebene würden sich die Diskussionen aber auch darum drehen, ob man in eine neue Ära komme, in der man eine dauerhaft höhere Inflation erleben werde. Dem liege unter anderem die Überlegung zugrunde, dass die inflationssenkenden Effekte der letzten Jahrzehnte, unter anderem begründet in der demografischen Entwicklung, nicht nur zu ihrem Ende kommen, sondern sich sogar umkehren würden.
Nächste Woche werde Russland erneut seine Gaslieferungen über die North Stream 1 einstellen, angekündigt worden sei dies für den 31.08. bis 02.09., was für erneute Verunsicherung sorge. Datenseitig sei auf die Inflationsdaten für August zu achten (Spanien und Deutschland am 30.08., Frankreich und Eurozone am 31.08.). Außerdem würden nach den ersten Schnellschätzungen weitere PMI- bzw. ISM-Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe veröffentlicht (unter anderem USA, Japan, China, Italien, Spanien, alle am 01.09.). Wichtig sei schließlich am 02.09. der US-Arbeitsmarktbericht. (25.08.2022/alc/a/a)
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| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
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