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Rentenmärkte: Gute Konjunkturzahlen, sie spielen aber nicht die erste Geige


03.07.20 11:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - An den Rentenmärkten ist zuletzt eine Aufwärtsbewegung festzustellen gewesen, aber im gesamten Wochenverlauf ist keine klare Richtung zu erkennen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Letztlich seien die Anleger gefangen zwischen zwei Sichten: Auf der einen Seite führe die fortgesetzte Zufuhr an Liquidität durch die Notenbanken dazu, dass der Anlagenotstand zunehme und Aktien immer wieder einen Preisauftrieb erfahren würden. Auf der anderen Seite rate die fundamentale Sicht - trotz der aktuell guten Konjunkturdaten - zu Vorsicht. Denn an der Coronafront sehe es derzeit nicht gut aus.

In den USA warne gerade der Chefvirologe Anthony Fauci davor, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen von derzeit 41.000 (Siebentagesdurchschnitt) auf 100.000 steigen könne. Weltweit könne ein Abbebben der Neuinfektionen beim besten Willen nicht beobachtet werden. Und das dürfte konjunkturelle Wirkungen haben, die sich in den letzten Konjunkturdaten nicht widerspiegeln würden. So muss selbst der ISM-Frühindikator, der für die USA im Verarbeitenden Gewerbe kräftig gestiegen ist und Wachstum signalisiert, als ein Blick in den Rückspiegel gewertet werden, der kaum Aussagekraft für das hat, was noch vor uns liegt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Derzeit werde an den Aktienmärkten noch das Argument der Liquidität höher gewichtet und die daraus resultierenden Portfolioentscheidungen würden dazu führen, dass die Renditen für die deutschen und amerikanischen Staatsanleihen leicht steigen würden. Dass sie nicht stärker steigen würden, dafür würden - neben den Sorgen um die Ausbreitung des Coronavirus - die Notenbanken mir ihren Anleiheankaufprogrammen sorgen.

Mit dem Beginn des zweiten Halbjahres sei in Deutschland die Senkung der Mehrwertsteuer in Kraft getreten. Auch wenn umstritten sei, wie wirksam diese für ein halbes Jahr geltende Steuersenkung die Konsumnachfrage anrege, gebe es doch einen breiten Konsens, dass mit einem positiven Impuls von dieser Seite zu rechnen sei. Zum 1. Juli habe außerdem Deutschland die Ratspräsidentschaft in der EU bis zum Ende des Jahres übernommen. Ihre wichtigste Aufgabe dürfte es sein, einen Kompromiss auszuloten in Hinblick auf den geplanten Wiederaufbaufonds. Möglicherweise werde man dazu bereits am 17. Juli einen Erfolg vermelden können, wenn sich die EU Staats- und Regierungschefs in Brüssel(!) treffen würden.

Auch wenn Konjunkturindikatoren derzeit nicht die erste Geige spielen würden, könnten sie dennoch zumindest kurzzeitig an den Märkten für Bewegung sorgen. Das gelte etwa für die Arbeitsmarktdaten aus den USA. Gemäß den vom privaten Anbieter ADP erfassten Daten sei im Juni im Privatsektor ein erneuter Beschäftigungszuwachs von 2.37 Mio. Personen zu verzeichnen gewesen. Damit habe sich der Zuwachs im Vergleich zum Vormonat um 700.000 Personen abgeschwächt.

Die Gefahr sei offensichtlich, dass der Arbeitsmarkt auf halbem Wege stecken bleibe bzw. die Arbeitslosenrate für eine längere Zeit im zweistelligen Bereich oder hohen einstelligen Bereich bleibe. Die PMI für den Dienstleistungssektor aus der Eurozone - vor allem aus Italien und Spanien - seien durchaus relevant, weil für die Eurozone die berechtigte Hoffnung bestehe, dass die Coronakrise einigermaßen unter Kontrolle sei. Die Indices sollten einen deutlichen Anstieg aufweisen.

In den nächsten Tagen würden die Neuinfektionszahlen aus den USA eine größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sollten sie weiter steigen, dann könnte dies zu Rückschlägen an den Aktienmärkten führen. Das hätte vermutlich niedrigere Renditen bei T-Notes und Bunds zur Folge. Umgekehrt würden bessere Zahlen die Rally an den Aktienmärkten möglicherweise neu entfachen und ein vorsichtiger Renditeanstieg wäre dann wahrscheinlich. (Ausgabe vom 02.07.2020) (03.07.2020/alc/a/a)