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Rentenmärkte: Große Erwartungen


27.08.20 16:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Risk-on. Weiterhin dominiert der Optimismus, insbesondere an den amerikanischen Aktienmärkten, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Offensichtlich basiere dies auf der Hoffnung, dass bald ein wirksamer Impfstoff gefunden werde. Der S&P 500 habe ein neues Allzeithoch erreicht und einige Anleger hätten offensichtlich von T-Notes in Aktien umgeschichtet, sodass die Renditen der US-Staatsanleihen gestiegen seien. Im zehnjährigen Bereich habe die US-Rendite zeitweise bei 0,71 % gelegen, immerhin 4 BP höher als vor einer Woche. Die deutschen Bunds hätten im gleichen Laufzeitsegment temporär 7 BP höher bei -40 BP rentiert. Mittlerweile seien die Renditen wieder gesunken.

Abgesehen von der Impfstoffphantasie dürfte auch der Anstieg des ifo-Geschäftsklimaindex zu der Zuversicht beigetragen haben. Schaue man sich die ifo-Uhr an, könne man sich nur die Augen reiben. Demnach befinde sich die deutsche Volkswirtschaft knapp, aber dann doch, im Boom-Bereich. Inwieweit der Parteitag der Republikaner in den USA, bei dem erwartungsgemäß Präsident Donald Trump erneut zum Kandidaten gekürt worden sei, zu der guten Stimmung beigetragen habe, sei schwer zu sagen. Die vagen Ankündigungen, dass das Phase-I-Handelsabkommen zwischen den USA und China weiter Bestand haben sollte, nachdem die beiden Handelsdelegationen miteinander telefoniert haben, scheinen in jedem Fall positiv aufgenommen worden zu sein, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Interessant werde am heutigen Donnerstag (27.8.) die Rede von FED-Chef Jerome Powell sein, die er anlässlich der zweitägigen Jackson Hole-Konferenz halten werde. Dieses Notenbankertreffen, das in der Tradition stehe, für wegweisende Ankündigungen genutzt zu werden, finde dieses Mal online statt, sei aber dennoch mit einigen Erwartungen beladen. Insbesondere erhoffe man sich erste Resultate hinsichtlich der Strategiediskussion innerhalb der FED, die Ende 2018 eingeleitet worden sei und dessen Ergebnisse eigentlich in der ersten Jahreshälfte 2020 präsentiert werden sollten. Konkret sei bereits angedeutet worden, dass man in Zukunft ein durchschnittliches Inflationsziel anstrebe. Das heiße, dass nach Phasen einer gemessen am langfristigen Ziel von 2% zu niedrigen Inflation eine Teuerungsrate von über 2% angestrebt werde.

Anders als bisher dürfte - so das bisherige Verständnis der Analysten - in diesem Regime die Inflation durchaus einige Jahre deutlich über 2% liegen. Für die Aktienmärkte wäre das eine gute Nachricht, weil sie nicht fürchten müssten, dass die Notenbank bei einem Anstieg der Inflation gegensteuere. Da auf diese Weise auch die Nominalrenditen zumindest am kurzen Ende niedrig bleiben würden, würden auch die Realrenditen (Nominalrendite abzüglich der Inflationsrate) niedrig oder wie derzeit negativ bleiben. Grundsätzlich sei es möglich, dass sich die Zinsstruktur am langen Ende deutlich versteilere, da die Investoren sich mit negativen Renditen nicht mehr zufrieden geben und die langfristigen T-Notes abstoßen würden. Hier könnte die Notenbank aber weiterhin durch entsprechende Käufe von langfristigen Anleihen eingreifen, wenn sie die wirtschaftliche Lage als so schwach ansehe, dass sie dies als notwendig erachte.

In den nächsten Tagen stünden zahlreiche wichtige Konjunkturdaten an. In Deutschland werde das GfK-Konsumentenvertrauen veröffentlicht, das sich zwar von dem Coronatiefpunkt von -23,1 Punkten erholt habe, aber mit -0,3 Punkten immer noch rund 10 Punkte unter den Werten von Anfang des Jahres liege. Zahlreiche national erhobene Vertrauensindizes sowie die PMI-Geschäftsklimaindices stünden in der Eurozone ebenfalls auf der Agenda.

Darüber hinaus seien in den USA mit den ISM-Indices und den Arbeitsmarktzahlen Datenschwergewichte zu erwarten. Da die klassischen Frühindikatoren allmählich wieder zu ihrer alten Funktion zurückkehren würden, einigermaßen zeitnah das Wirtschaftsgeschehen abzubilden, ohne von Corona-Zahlen vollkommen überlagert zu werden, könnten die Indikatoren für Marktbewegung sorgen. Es sei allerdings gut möglich, dass die Anleger eher enttäuscht als positiv überrascht würden, da die hohen Covid-19 Infektionsraten das Wirtschaftsgeschehen weiterhin hemmen würden. Das würde die Renditen erneut unter Druck bringen. (27.08.2020/alc/a/a)