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Rentenmärkte: Gespaltene FED
14.04.23 09:45
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Ereignisse im Bankensektor und das Abwägen der weiteren geldpolitischen Entwicklung sorgten in den letzten Wochen für turbulente Szenen an den Rentenmärkten: Sorgen um die Stabilität des Bankensektors, die Preisniveauentwicklung und die Konjunkturdaten wechselten sich munter als Volatilitätstreiber ab, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
So würden die Renditen der Staatsanleihen nach einer volatilen Woche für zehnjährige US-T-Notes aktuell bei 3,4% und für zehnjährige Bunds bei 2,35% rangieren. Die kurze Pause aufgrund der Osterferien sei für die Börsen wie gerufen gekommen, um die Gemüter etwas abzukühlen. Bevor jedoch Entspannung möglich geworden sei, habe die US-amerikanische Behörde für Arbeitsmarktstatistik Arbeitsmarktdaten geliefert: Diese seien für den März weiterhin robust ausgefallen.
So seien mit 236.000 Stellen etwas mehr Arbeitsplätze geschaffen worden, als erwartet worden sei. Im Vergleich zum Zuwachs um 326.000 Stellen im Vormonat habe sich der Beschäftigungsaufbau wiederum abgeschwächt. Die Arbeitslosenquote sei von 3,6 auf 3,5% gesunken und damit wieder in die Nähe der 3,4% aus dem Januar 2023 gefallen, dem tiefsten Stand seit Mai 1969. Als Reaktion auf diese erfreulichen Zahlen hätten die in den USA geöffneten Börsen bei den langfristigen T-Notes 5 BP nachgegeben.
Anleger würden sich aktuell wieder große Sorgen über den Austausch von militärischen Drohgebärden in Asien machen: Ein Treffen in den USA zwischen der taiwanesischen Präsidentin Tsai Ing-wen und dem Sprecher des US-Repräsentantenhauses Kevin McCarthy sei von China mit einer Militärübung um Taiwan beantwortet worden, bei der die chinesische Luftwaffe und Marine einen möglichen Beschuss und die Blockade der Insel simuliert hätten. Die chinesische Regierung habe mit dieser Aktion erneut ihre Gebietsansprüche auf Taiwan unterstreichen wollen.
Die USA und die Philippinen hätten unweit von Taiwan die größte gemeinsame Militärübung seit mehr als 30 Jahren gestartet, einen Tag nachdem China sein eigenes Manöver rund um Taiwan beendet habe. Unter anderem als Reaktion auf die möglichen gesamtwirtschaftlichen Folgen dieser geopolitische Unsicherheit seien die langfristigen Renditen der Staatsanleihen in den USA um etwa 15 BP auf 3,5% und in Deutschland um etwa 10 BP auf 2,34% nach oben geschossen.
Uneinigkeit herrsche in Bezug auf die Einschätzung der weiteren Entwicklung der globalen Konjunktur: US-Finanzministerin Janet Yellen habe die jüngsten Probleme im US-Bankensektor gelassen aufgenommen. Sie habe erklärt, dass die US-Wirtschaft besser dastehe als vor sechs Monaten, da sie nicht glaube, dass die Turbulenzen im amerikanischen Bankensektor die Verfügbarkeit von Krediten einschränken würden. Im Gegensatz dazu habe der Internationale Währungsfonds vor seiner Frühjahrstagung die eigene Prognose für das weltweite Wachstum um 0,1%-Punkte nach unten korrigiert. Der IWF bezeichne dabei die Weltwirtschaft momentan als "fragil" sowie "gestresst" und prognostiziere ein globales BIP-Wachstum im Jahr 2023 von 2,8% und 2024 von 3%.
Richtig zum Kochen hätten die Märkte die gestern veröffentlichten Inflationszahlen für die USA gebracht: Entgegen der Markterwartung (Konsensschätzung 5,2%) sei der Verbraucherpreisanstieg mit 5% etwas geringer ausgefallen. Im Februar habe die Preisniveauveränderungsrate noch bei 6% gelegen. Sorgen dürfte den Währungshütern allerdings die Entwicklung der Kerninflationsrate machen, die mit 5,6% im Vergleich zum Vormonat sogar um 0,1%-Punkte angestiegen sei. Die zehnjährigen Renditen der US-T-Notes seien nach der Veröffentlichung um 10 BP auf 3,35% gefallen und die Renditen der Bunds um knapp 5 BP auf 2,68%.
Trotz robuster Arbeitsmarktzahlen und - zumindest hinsichtlich der Gesamtrate - fallender Verbraucherpreise scheine die FED in Bezug auf den anstehenden Zinsentscheid im Mai gespalten zu sein: Einerseits gebe es Stimmen, wie die des Präsidenten der New Yorker FED John Williams, die einen weiteren Zinserhöhungsschritt befürworten würden. Andererseits würden andere US-Notenbanker, wie Austan Goolsbee, der aktuell ebenfalls stimmberechtigtes Mitglied sei, zur Geduld angesichts der jüngsten Probleme im US-Regionalbankensektor mahnen.
Aufgrund des Umstandes, dass es gegenwärtig noch einige Mitglieder der FED gebe, die glauben würden, dass bereits der Höhepunkt im aktuellen Zinserhöhungszyklus erreicht sei, bleibe es spannend, neue Konjunkturdaten aus den USA im Blick zu behalten: Die US-Einzelhandelsumsätze (14.04.) für den Monat März könnten im zweiten Monat in Folge nachgelassen haben. Auch die April-Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen der Universität von Michigan (14.04.) dürften sich angesichts der grassierenden Rezessions- und Inflationssorgen der Haushalte nicht verbessert haben. (Ausgabe vom 13.04.2023) (14.04.2023/alc/a/a)
So würden die Renditen der Staatsanleihen nach einer volatilen Woche für zehnjährige US-T-Notes aktuell bei 3,4% und für zehnjährige Bunds bei 2,35% rangieren. Die kurze Pause aufgrund der Osterferien sei für die Börsen wie gerufen gekommen, um die Gemüter etwas abzukühlen. Bevor jedoch Entspannung möglich geworden sei, habe die US-amerikanische Behörde für Arbeitsmarktstatistik Arbeitsmarktdaten geliefert: Diese seien für den März weiterhin robust ausgefallen.
So seien mit 236.000 Stellen etwas mehr Arbeitsplätze geschaffen worden, als erwartet worden sei. Im Vergleich zum Zuwachs um 326.000 Stellen im Vormonat habe sich der Beschäftigungsaufbau wiederum abgeschwächt. Die Arbeitslosenquote sei von 3,6 auf 3,5% gesunken und damit wieder in die Nähe der 3,4% aus dem Januar 2023 gefallen, dem tiefsten Stand seit Mai 1969. Als Reaktion auf diese erfreulichen Zahlen hätten die in den USA geöffneten Börsen bei den langfristigen T-Notes 5 BP nachgegeben.
Anleger würden sich aktuell wieder große Sorgen über den Austausch von militärischen Drohgebärden in Asien machen: Ein Treffen in den USA zwischen der taiwanesischen Präsidentin Tsai Ing-wen und dem Sprecher des US-Repräsentantenhauses Kevin McCarthy sei von China mit einer Militärübung um Taiwan beantwortet worden, bei der die chinesische Luftwaffe und Marine einen möglichen Beschuss und die Blockade der Insel simuliert hätten. Die chinesische Regierung habe mit dieser Aktion erneut ihre Gebietsansprüche auf Taiwan unterstreichen wollen.
Uneinigkeit herrsche in Bezug auf die Einschätzung der weiteren Entwicklung der globalen Konjunktur: US-Finanzministerin Janet Yellen habe die jüngsten Probleme im US-Bankensektor gelassen aufgenommen. Sie habe erklärt, dass die US-Wirtschaft besser dastehe als vor sechs Monaten, da sie nicht glaube, dass die Turbulenzen im amerikanischen Bankensektor die Verfügbarkeit von Krediten einschränken würden. Im Gegensatz dazu habe der Internationale Währungsfonds vor seiner Frühjahrstagung die eigene Prognose für das weltweite Wachstum um 0,1%-Punkte nach unten korrigiert. Der IWF bezeichne dabei die Weltwirtschaft momentan als "fragil" sowie "gestresst" und prognostiziere ein globales BIP-Wachstum im Jahr 2023 von 2,8% und 2024 von 3%.
Richtig zum Kochen hätten die Märkte die gestern veröffentlichten Inflationszahlen für die USA gebracht: Entgegen der Markterwartung (Konsensschätzung 5,2%) sei der Verbraucherpreisanstieg mit 5% etwas geringer ausgefallen. Im Februar habe die Preisniveauveränderungsrate noch bei 6% gelegen. Sorgen dürfte den Währungshütern allerdings die Entwicklung der Kerninflationsrate machen, die mit 5,6% im Vergleich zum Vormonat sogar um 0,1%-Punkte angestiegen sei. Die zehnjährigen Renditen der US-T-Notes seien nach der Veröffentlichung um 10 BP auf 3,35% gefallen und die Renditen der Bunds um knapp 5 BP auf 2,68%.
Trotz robuster Arbeitsmarktzahlen und - zumindest hinsichtlich der Gesamtrate - fallender Verbraucherpreise scheine die FED in Bezug auf den anstehenden Zinsentscheid im Mai gespalten zu sein: Einerseits gebe es Stimmen, wie die des Präsidenten der New Yorker FED John Williams, die einen weiteren Zinserhöhungsschritt befürworten würden. Andererseits würden andere US-Notenbanker, wie Austan Goolsbee, der aktuell ebenfalls stimmberechtigtes Mitglied sei, zur Geduld angesichts der jüngsten Probleme im US-Regionalbankensektor mahnen.
Aufgrund des Umstandes, dass es gegenwärtig noch einige Mitglieder der FED gebe, die glauben würden, dass bereits der Höhepunkt im aktuellen Zinserhöhungszyklus erreicht sei, bleibe es spannend, neue Konjunkturdaten aus den USA im Blick zu behalten: Die US-Einzelhandelsumsätze (14.04.) für den Monat März könnten im zweiten Monat in Folge nachgelassen haben. Auch die April-Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen der Universität von Michigan (14.04.) dürften sich angesichts der grassierenden Rezessions- und Inflationssorgen der Haushalte nicht verbessert haben. (Ausgabe vom 13.04.2023) (14.04.2023/alc/a/a)


