Erweiterte Funktionen

Rentenmärkte: Gedämpfter Renditeausblick


20.12.19 08:45
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Das Jahr 2019 haben die zehnjährigen Bunds bei einer Rendite von +17 BP begonnen, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Derzeit stünden die Renditen bei -22 BP. Bis Mitte August sei es mehr oder weniger stetig bergab gegangen und die Renditen hätten am 28.08. ihren Tiefpunkt bei -0,71 BP (Tagesschluss) erreicht. Der Abwärtstrend sei auf schwache Konjunkturdaten und neuerliche Lockerungsmaßnahmen vonseiten der EZB zurückzuführen gewesen. Insbesondere der Industriesektor, der sich schon seit Mitte 2018 in der Rezession befinde, habe eine ausgeprägte Schwäche gezeigt, allen voran der Automobilbereich. Seit September würden sich die Renditen wieder nach oben bewegen. Gestützt werde diese Entwicklung durch vorsichtige Anzeichen einer Konjunkturerholung, die insbesondere der ifo-Index signalisiere.

Allerdings sei hier festzustellen, dass der Gesamt-ifo-Index deutlich besser abschneide als der Index für die Industrie, der im November nur marginal zugenommen habe und weiterhin deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt liege. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden davon ausgehen, dass erst in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine vorsichtige Aufwärtsbewegung im Verarbeitenden Gewerbe zu beobachten sein werde. Daher bleibe der Renditeausblick auch gedämpft, zumal die EZB ihre im November begonnenen Anleiheankäufe von 20 Mrd. Euro/Monat bis auf weiteres fortsetzen werde. Den Minusbereich werden wir in diesem Jahr voraussichtlich nicht verlassen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Die Bewegung bei den zehnjährigen Renditen der T-Notes sei während der letzten zwölf Monate sehr ähnlich zu der der Bund-Renditen verlaufen. Gestartet bei 2,69% liege man jetzt bei 1,93%, nachdem im August ein Tiefpunkt von 1,47% erreicht worden sei. Auch in den Vereinigten Staaten sei eine Verlangsamung des Wachstums festzustellen gewesen, allerdings auf einem höheren Niveau. Dennoch habe diese Entwicklung ausgereicht, um die FED dazu zu veranlassen, zunächst den Zinserhöhungskurs des Jahres 2018 auszusetzen und von Juli bis Oktober sogar den Rückwärtsgang einzulegen. Drei Mal habe die FED den Leitzins auf jetzt 1,50% bis 1,75% gesenkt. Für das kommende Jahr würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank zwei Zinssenkungen erwarten, da sie eine weitere Verlangsamung des Wachstums erwarten würden. Die FED-Mitglieder würden es dagegen überwiegend für angemessen halten, die von FED-Chef Jerome Powell signalisierte Zinspause einzuhalten und den Zins dort zu belassen, wo er sei. Angesichts des von den Analysten erwarteten schwachen Wachstums dürfte die Rendite per Jahresende 2020 niedriger liegen als heute.

Kurzfristig sei über die Weihnachtsfeiertage mit nur wenigen Marktimpulsen zu rechnen. Viel diskutiertes Thema sei das Impeachmentverfahren in den USA, das nunmehr offiziell eröffnet sei. Spätestens im kommenden Jahr sei der Senat an der Reihe, über die Amtsenthebung Donald Trumps zu entscheiden. Da hier eine Zwei-Drittel-Mehrheit gefordert sei und keiner der republikanischen Senatoren signalisiert habe, gegen den Präsidenten zu stimmen, würde es an ein Wunder grenzen, käme es doch noch zu einer Amtsenthebung. Ansonsten stehe noch eine Reihe von Konjunkturdaten auf der Agenda. Dazu würden die US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter gehören, die zuletzt massiv gesunken seien, was unter anderem mit dem Boeing-Effekt zu tun habe. Auf europäischer Seite sei unter anderem auf Geschäftsklimaindices in Italien und der Eurozone insgesamt zu schauen. (Ausgabe vom 19.12.2019) (20.12.2019/alc/a/a)