Rentenmärkte Eurozone: Inflationssorgen lösen Renditeanstieg aus


16.03.21 08:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Hinter dem Euro-Rentenmarkt liegen turbulente Wochen, so die Experten von Union Investment.

Die für Januar präsentierten Inflationszahlen hätten die Marktteilnehmer fortwährend beschäftigt und noch nachgewirkt. Ein veränderter Warenkorb, die Einführung einer CO2-Steuer, höhere Rohstoffpreise und Steuereffekte hätten den Wert nach oben verzerrt.

Zusammen mit einer Reihe von Konjunkturdaten, die besser als erwartet ausgefallen seien sowie positiven Impfstoffnachrichten hätten in den folgenden Wochen auch die Inflationserwartungen immer weiter zugenommen. Euro-Staatsanleihen hätten hierauf mit steigenden Renditen reagiert. Damit hätten sich die Kursverluste aus dem Vormonat fortgesetzt. Insbesondere zum Monatsende hätten diese noch einmal deutlich an Dynamik gewonnen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei in der Spitze bis auf minus 0,2 Prozent geklettert. Im Monatsvergleich habe sich letztlich ein Anstieg um 26 Basispunkte auf minus 0,26 Prozent ergeben.

Angesichts der steigenden Renditen würden sich, wenn auch nur sehr langsam, die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen verschlechtern, was die Notenbanker auf den Plan gerufen habe. EZB-Chefin Lagarde und weitere Gremiums-Mitglieder hätten noch einmal die Handlungsbereitschaft der Währungshüter betont. Die Worte hätten jedoch weitgehend ungehört verhallt und die Kursverluste von Staatsanleihen nicht verhindern können.

In Italien sei der Regierungswechsel lange ein Thema gewesen. Ministerpräsident Conte sei das Vertrauen entzogen worden. Es sei jedoch nicht zu Neuwahlen gekommen, weil eine Wahlrechtsreform für rund ein Drittel der Senatoren den Verlust ihres Mandats bedeutet hätte. Stattdessen sei mit dem ehemaligen EZB-Chef Mario Draghi ein neuer Kandidat gefunden worden, der von den Marktteilnehmern viele Vorschusslorbeeren erhalten habe.

Draghi sei wirtschaftlich wie politisch in Europa bestens vernetzt, ein Verfechter der Währungsgemeinschaft und könnte zudem dringend notwendige Reformen anstoßen. Peripherieanleihen hätten sich dem allgemeinen Renditeanstieg zwar nicht entziehen können, aber weniger stark an Wert verloren. Gemessen am iBoxx Euro Sovereigns-Index hätten Euro-Staatsanleihen im Februar einen Verlust von 1,9 Prozent hinnehmen müssen. Der Renditeanstieg sollte sich nicht im bisherigen Tempo fortsetzen. (Ausgabe vom 12.03.2021) (16.03.2021/alc/a/a)