Erweiterte Funktionen
Rentenmärkte: EZB-Sitzung - Balance-Akt
28.10.21 12:30
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Kurzzeitig sah es danach aus, also ob die Renditen allmählich zum Laufen kämen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Die zehnjährigen Bund-Renditen seien letzte Woche zeitweise in den einstelligen Bereich auf -9 BP gestiegen, die T-Notes aus den USA hätten im gleichen Laufzeitsegment die Marke von 1,70% erreicht. Dann habe die Anleger aber wieder der Mut verlassen, sie wollten sich offensichtlich nicht im größeren Stil von den Staatsanleihen trennen. Die Bundrenditen seien jetzt wieder bei -17 BP und die US-Titel bei 1,55%. Dabei lasse sich diese Entwicklung auf kein spezifisches Ereignis zurückführen. Es sei vielmehr der allgemeine Eindruck, dass die Konjunkturentwicklung fragiler sei, als man sich das bislang vorgestellt habe.
Der ifo-Index in Deutschland sei im Oktober das vierte Mal in Folge zurückgegangen, in China habe ein weiterer Immobilienentwickler seine Zinszahlungen nicht am Fälligkeitstag bedient, was die Zweifel an der Stabilität des chinesischen Bausektors nähre, und in den USA schrumpfe das geplante Sozial- und Klimaschutzpaket der Demokraten auf mittlerweile 1,7 Billionen US-Dollar von vormals 3,5 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig stünden die Inflationssorgen weiterhin ganz oben auf der Agenda. Insbesondere seien die Inflationserwartungen in der Eurozone auf 2,1% gestiegen, gemessen an den 5y/5y Inflationsswaps (sie würden die in fünf Jahren erwartete durchschnittliche Inflation der dann folgenden fünf Jahre messen).
Vor diesem Hintergrund werde heute (28.10.) die EZB ihr Treffen abhalten. Es würden keine neuen Beschlüsse erwartet, denn bei der letzten Pressekonferenz habe die EZB-Präsidentin Christine Lagarde gesagt, dass man mit den größeren Entscheidungen bis zur Dezember-Sitzung warten werde. Erst dann werde die EZB neue Prognosen vorlegen, die - so viel scheine klar zu sein - für die Inflation nach oben revidiert würden. Dennoch könne es heute spannend werden, weil Lagarde vor einer delikaten Kommunikationsherausforderung stehe. Denn die Inflation in der Eurozone liege mit 3,4% deutlich über dem Zielwert von 2,0% und es sei keineswegs klar, dass die Teuerungsrate im kommenden Jahr wie bislang von der EZB prognostiziert wieder unter diese Marke falle.
Die Analysten würden beispielsweise davon ausgehen, dass die Inflation zwar sinke, aber die Preise auch zum Ende des Jahres 2022 mit einer Rate von über 2% steigen würden. Die Gefahr sei nicht nur, dass die Lieferkettenprobleme länger anhalten würden, was der Inflation neue Nahrung geben würde. Das Risiko sei auch, dass die Inflation sich verselbständige und Konsumenten und Unternehmen aus Angst vor zukünftig höheren Preisen Käufe von Konsum- und Investitionsgütern vorziehen und damit den Nachfrage- und Preisdruck noch weiter erhöhen würden.
Gleichzeitig sei für kommende Lohnverhandlungen zu erwarten, dass Gewerkschaften auf den Kaufkraftverlust hinweisen würden, um höhere Lohnforderungen durchzusetzen. Dies berge die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale. Die EZB werde daher nicht so tun, als ob die höhere Inflation kein Problem sei. Vielmehr werde sie - und dies sei ein Balanceakt - deutlich machen müssen, dass sie durchaus reagieren würde, sollten die Inflationserwartungen außer Kontrolle geraten, die Betonung liege hier auf Erwartungen. Dass sie sich aber von kurzzeitigen Inflationsanstiegen nicht aus der Ruhe bringen lassen werde. Lagarde habe Anfang Oktober in einem Interview gesagt, man solle jetzt nicht überreagieren.
Wenn die EZB glaubwürdig vermittele, dass sie die Inflationserwartungen fest im Blick habe - vermutlich würde sie reagieren, wenn diese in Richtung 3% marschieren würden - könne eine Lohn-Preis-Spirale am ehesten verhindert werden.
Dieser Balanceakt dürfte bei der heutige Sitzung im Fokus stehen. Gleichzeitig könnte es Andeutungen geben, dass man die TLTRO-Geschäfte mit dem letzten Geschäft im Dezember 2021 auslaufen lasse, nachdem die Nachfrage bei der September-Tranche bei nur 18 Mrd. Euro gelegen habe. Und vielleicht gebe es Hinweise in Richtung einer Erhöhung des APP-Anleiheankaufprogramms, um einen Klippeneffekt in Bezug auf das im März 2022 auslaufende PEPP-Krisenankaufprogramm zu vermeiden.
Die FED habe es in der kommenden Woche vielleicht etwas leichter (Pressekonferenz am 03.11.). Sie habe bereits deutlich gemacht, dass sie bei der November-Sitzung einen Plan zur Reduktion der Anleiheankäufe vorlegen werde. Die Nettoanleiheankäufe würden bis Juni 2022 voraussichtlich auf Null gesunken sein. Darüber hinaus würden die Märkte und die Analysten auch mittlerweile von mindestens einer Zinserhöhung im Jahr 2022 ausgehen.
Abgesehen davon könne die FED gegebenenfalls etwas leichter zurückrudern als die EZB, weil sie ein duales Ziel habe: Sie solle nicht nur für Preisstabilität, sondern auch für eine maximale Beschäftigung sorgen. Wenn also die Inflation steige, die Beschäftigung aber sinke, dann könne die FED ohne Verletzung ihres Mandats und somit auch mit einem geringeren Glaubwürdigkeitsverlust auf Zinserhöhungen verzichten.
Ansonsten sei an diesem Wochenende (30./31.10.) auf den G20-Gipfel und die Weltklimakonferenz zu achten. Datenseitig würden die USA (28.10.), die Eurozone (29.10.) sowie Deutschland und Italien (auch 29.10.) ihre ersten Schätzungen für das BIP im dritten Quartal veröffentlichen. Mehr Aufmerksamkeit würden vermutlich die Inflationsdaten aus der Eurozone (29.10.) sowie heute schon aus Deutschland auf sich ziehen.
Ansonsten stehe mit Monatsbeginn der Arbeitsmarktbericht aus den USA im Fokus (05.11.) sowie die ISM-Indikatoren aus den USA (Verarbeitendes Gewerbe am 01.11., Dienstleistungen am 03.11.). Dazu komme noch der ganze Reigen an PMI-Einkaufsmanagerindices, die für die Länder interessant seien, für die es noch keine Schnellschätzungen gegeben habe, also beispielsweise Italien und Spanien (02.11./04.11.). China werde in dieser Hinsicht auch wichtig sein (PMIs von NBS am 31.10. und PMIs von IHS am 01.11./03.11.). (28.10.2021/alc/a/a)
Die zehnjährigen Bund-Renditen seien letzte Woche zeitweise in den einstelligen Bereich auf -9 BP gestiegen, die T-Notes aus den USA hätten im gleichen Laufzeitsegment die Marke von 1,70% erreicht. Dann habe die Anleger aber wieder der Mut verlassen, sie wollten sich offensichtlich nicht im größeren Stil von den Staatsanleihen trennen. Die Bundrenditen seien jetzt wieder bei -17 BP und die US-Titel bei 1,55%. Dabei lasse sich diese Entwicklung auf kein spezifisches Ereignis zurückführen. Es sei vielmehr der allgemeine Eindruck, dass die Konjunkturentwicklung fragiler sei, als man sich das bislang vorgestellt habe.
Der ifo-Index in Deutschland sei im Oktober das vierte Mal in Folge zurückgegangen, in China habe ein weiterer Immobilienentwickler seine Zinszahlungen nicht am Fälligkeitstag bedient, was die Zweifel an der Stabilität des chinesischen Bausektors nähre, und in den USA schrumpfe das geplante Sozial- und Klimaschutzpaket der Demokraten auf mittlerweile 1,7 Billionen US-Dollar von vormals 3,5 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig stünden die Inflationssorgen weiterhin ganz oben auf der Agenda. Insbesondere seien die Inflationserwartungen in der Eurozone auf 2,1% gestiegen, gemessen an den 5y/5y Inflationsswaps (sie würden die in fünf Jahren erwartete durchschnittliche Inflation der dann folgenden fünf Jahre messen).
Vor diesem Hintergrund werde heute (28.10.) die EZB ihr Treffen abhalten. Es würden keine neuen Beschlüsse erwartet, denn bei der letzten Pressekonferenz habe die EZB-Präsidentin Christine Lagarde gesagt, dass man mit den größeren Entscheidungen bis zur Dezember-Sitzung warten werde. Erst dann werde die EZB neue Prognosen vorlegen, die - so viel scheine klar zu sein - für die Inflation nach oben revidiert würden. Dennoch könne es heute spannend werden, weil Lagarde vor einer delikaten Kommunikationsherausforderung stehe. Denn die Inflation in der Eurozone liege mit 3,4% deutlich über dem Zielwert von 2,0% und es sei keineswegs klar, dass die Teuerungsrate im kommenden Jahr wie bislang von der EZB prognostiziert wieder unter diese Marke falle.
Die Analysten würden beispielsweise davon ausgehen, dass die Inflation zwar sinke, aber die Preise auch zum Ende des Jahres 2022 mit einer Rate von über 2% steigen würden. Die Gefahr sei nicht nur, dass die Lieferkettenprobleme länger anhalten würden, was der Inflation neue Nahrung geben würde. Das Risiko sei auch, dass die Inflation sich verselbständige und Konsumenten und Unternehmen aus Angst vor zukünftig höheren Preisen Käufe von Konsum- und Investitionsgütern vorziehen und damit den Nachfrage- und Preisdruck noch weiter erhöhen würden.
Wenn die EZB glaubwürdig vermittele, dass sie die Inflationserwartungen fest im Blick habe - vermutlich würde sie reagieren, wenn diese in Richtung 3% marschieren würden - könne eine Lohn-Preis-Spirale am ehesten verhindert werden.
Dieser Balanceakt dürfte bei der heutige Sitzung im Fokus stehen. Gleichzeitig könnte es Andeutungen geben, dass man die TLTRO-Geschäfte mit dem letzten Geschäft im Dezember 2021 auslaufen lasse, nachdem die Nachfrage bei der September-Tranche bei nur 18 Mrd. Euro gelegen habe. Und vielleicht gebe es Hinweise in Richtung einer Erhöhung des APP-Anleiheankaufprogramms, um einen Klippeneffekt in Bezug auf das im März 2022 auslaufende PEPP-Krisenankaufprogramm zu vermeiden.
Die FED habe es in der kommenden Woche vielleicht etwas leichter (Pressekonferenz am 03.11.). Sie habe bereits deutlich gemacht, dass sie bei der November-Sitzung einen Plan zur Reduktion der Anleiheankäufe vorlegen werde. Die Nettoanleiheankäufe würden bis Juni 2022 voraussichtlich auf Null gesunken sein. Darüber hinaus würden die Märkte und die Analysten auch mittlerweile von mindestens einer Zinserhöhung im Jahr 2022 ausgehen.
Abgesehen davon könne die FED gegebenenfalls etwas leichter zurückrudern als die EZB, weil sie ein duales Ziel habe: Sie solle nicht nur für Preisstabilität, sondern auch für eine maximale Beschäftigung sorgen. Wenn also die Inflation steige, die Beschäftigung aber sinke, dann könne die FED ohne Verletzung ihres Mandats und somit auch mit einem geringeren Glaubwürdigkeitsverlust auf Zinserhöhungen verzichten.
Ansonsten sei an diesem Wochenende (30./31.10.) auf den G20-Gipfel und die Weltklimakonferenz zu achten. Datenseitig würden die USA (28.10.), die Eurozone (29.10.) sowie Deutschland und Italien (auch 29.10.) ihre ersten Schätzungen für das BIP im dritten Quartal veröffentlichen. Mehr Aufmerksamkeit würden vermutlich die Inflationsdaten aus der Eurozone (29.10.) sowie heute schon aus Deutschland auf sich ziehen.
Ansonsten stehe mit Monatsbeginn der Arbeitsmarktbericht aus den USA im Fokus (05.11.) sowie die ISM-Indikatoren aus den USA (Verarbeitendes Gewerbe am 01.11., Dienstleistungen am 03.11.). Dazu komme noch der ganze Reigen an PMI-Einkaufsmanagerindices, die für die Länder interessant seien, für die es noch keine Schnellschätzungen gegeben habe, also beispielsweise Italien und Spanien (02.11./04.11.). China werde in dieser Hinsicht auch wichtig sein (PMIs von NBS am 31.10. und PMIs von IHS am 01.11./03.11.). (28.10.2021/alc/a/a)


