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Rentenmärkte: EU-Kommission versucht zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen
29.05.20 10:15
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Dass das Marktgeschehen zu großen Teilen von der Psychologie bestimmt wird, dürfte keine Neuigkeit sein, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Dem aktuellen Optimismus an den Börsen könne im Moment so schnell nichts anhaben, wie es scheine. Tatsächlich würden sich bei DAX, Dow Jones, Nikkei und anderen Ansätze zur ersehnten V-Form erkennen lassen. Nicht einmal die Konfrontation, die China mit dem Eingriff in die Autonomie Hongkongs durch das neu verabschiedete Nationale Sicherheitsgesetz heraufbeschwöre, vermöge die Stimmung zu verhageln - jedenfalls momentan noch nicht.
Diesem optimistischen Schema könnten die Bondmärkte nicht folgen. Besonders die Renditen der US-Treasuries würden in ihrer engen Spanne nur leicht über den Tiefständen von Mitte März verharren. Das Protokoll des letzten FOMC-Meetings offenbare, dass nur wenige Mitglieder trotz einiger Hoffnungsschimmer eine schnelle Erholung erwarten würden. Damit wirke das Versprechen der FED, notfalls auch mit noch mehr Asset-Käufen zu unterstützen, wie eine Art Versicherung.
Obwohl 68% der Fond-Manager an der Wall Street lediglich an eine temporäre Erholung glauben würden, habe beispielweise der S&P 500 Index seinen 200-Tage-Durchschnitt bei 3000 Punkten übertroffen. Gleichzeitig verstärke das US-Finanzministerium seine Emissionstätigkeit. Zuletzt seien 5-Jährige mit einem Rekordvolumen von USD 45 Mrd. mit einer Rendite von 0,334% bei eher zurückhaltender Nachfrage offeriert worden. Alles in allem scheine ein Ausbruch aus der Range, etwa bei den 1-Jährigen zwischen 0,60% und 0,75%, weiterhin wenig wahrscheinlich.
Nun sei die Situation für die EZB nicht großartig anders. Überwiegend erwarte der Markt von der EZB auf ihrer kommenden Sitzung am 4. Juni eine Ausweitung der Bond-Käufe. Fragezeichen, ob denn im Rahmen des PEPP-Programms wirklich mehr Freiheitsgrade in der Auswahl der zur Verfügung stehenden Papiere offenstehe, seien bei Seite geschoben worden. Die Einwände des Bundesverfassungsgerichts stünden im Lichte der Grundsatzentscheidung des EuGHs nicht im Wege. Selbst wenn man die Bundesbank sozusagen an die Kette gelegt habe, seien Vorkehrungen zur Handlungsfähigkeit getroffen.
Frau Lagarde habe ja immerzu das Eingreifen von Fiskalpolitik angemahnt, um dem wirtschaftlichen Einbruch Herr zu werden. Genau aus dieser Richtung komme nun auch der größte Einfluss auf die Bundrenditen. Die EU-Kommission habe jetzt ihren eigenen Vorschlag unterbreitet. Dabei habe man den deutsch-französischen Ansatz mit Zuwendungen in Höhe von EUR 500 Mrd. aufgegriffen und einfach noch ein Kreditvolumen i. H. v. EUR 250 Mrd. draufgesattelt, um die sogenannten "sparsamen Vier" (Österreich, Niederlande, Dänemark, Schweden) mit ins Boot zu holen.
Das habe für Aufsehen gesorgt und die 10-jährige Bundrendite kurz über das 61,8% Retracement-Level von -40,4 Basispunkten hinaus getrieben. Doch so einfach funktioniere der Versuch von Frau von der Leyen natürlich nicht. Der Teufel stecke eben unverändert im Detail. Mit zusätzlichem Gegenwind aus der vertrackten Situation um Hongkong habe sich die Rendite jetzt schon wieder auf den Ausgangspunkt beim 200-Tage-Durchschnitt von -44 Basispunkten zurückgezogen.
Ankündigungen irgendwelcher Sanktionen, höherer Zölle oder zunehmender Zugangsbeschränkungen für chinesische Unternehmen auf den amerikanischen Markt durch Donald Trump, würden spätestens bis zum Wochenende erwartet. Eine Eskalation dürfte die Stimmung dann doch derart vermiesen, dass man wieder mehr in sichere Häfen wie die Bundesanleihe flüchte. In dem Fall warte der 21-Tage-Durchschnitt, der ja den Querschnitt über einen Monat Handelsaktivität abbilde, auf einem Niveau von -50,3 Basispunkten. Dazu sei auch ein Seitenblick auf die Schallmauer von 7,20 im Währungspaar von USD/CNH angeraten. (Ausgabe vom 28.05.2020) (29.05.2020/alc/a/a)
Dem aktuellen Optimismus an den Börsen könne im Moment so schnell nichts anhaben, wie es scheine. Tatsächlich würden sich bei DAX, Dow Jones, Nikkei und anderen Ansätze zur ersehnten V-Form erkennen lassen. Nicht einmal die Konfrontation, die China mit dem Eingriff in die Autonomie Hongkongs durch das neu verabschiedete Nationale Sicherheitsgesetz heraufbeschwöre, vermöge die Stimmung zu verhageln - jedenfalls momentan noch nicht.
Diesem optimistischen Schema könnten die Bondmärkte nicht folgen. Besonders die Renditen der US-Treasuries würden in ihrer engen Spanne nur leicht über den Tiefständen von Mitte März verharren. Das Protokoll des letzten FOMC-Meetings offenbare, dass nur wenige Mitglieder trotz einiger Hoffnungsschimmer eine schnelle Erholung erwarten würden. Damit wirke das Versprechen der FED, notfalls auch mit noch mehr Asset-Käufen zu unterstützen, wie eine Art Versicherung.
Nun sei die Situation für die EZB nicht großartig anders. Überwiegend erwarte der Markt von der EZB auf ihrer kommenden Sitzung am 4. Juni eine Ausweitung der Bond-Käufe. Fragezeichen, ob denn im Rahmen des PEPP-Programms wirklich mehr Freiheitsgrade in der Auswahl der zur Verfügung stehenden Papiere offenstehe, seien bei Seite geschoben worden. Die Einwände des Bundesverfassungsgerichts stünden im Lichte der Grundsatzentscheidung des EuGHs nicht im Wege. Selbst wenn man die Bundesbank sozusagen an die Kette gelegt habe, seien Vorkehrungen zur Handlungsfähigkeit getroffen.
Frau Lagarde habe ja immerzu das Eingreifen von Fiskalpolitik angemahnt, um dem wirtschaftlichen Einbruch Herr zu werden. Genau aus dieser Richtung komme nun auch der größte Einfluss auf die Bundrenditen. Die EU-Kommission habe jetzt ihren eigenen Vorschlag unterbreitet. Dabei habe man den deutsch-französischen Ansatz mit Zuwendungen in Höhe von EUR 500 Mrd. aufgegriffen und einfach noch ein Kreditvolumen i. H. v. EUR 250 Mrd. draufgesattelt, um die sogenannten "sparsamen Vier" (Österreich, Niederlande, Dänemark, Schweden) mit ins Boot zu holen.
Das habe für Aufsehen gesorgt und die 10-jährige Bundrendite kurz über das 61,8% Retracement-Level von -40,4 Basispunkten hinaus getrieben. Doch so einfach funktioniere der Versuch von Frau von der Leyen natürlich nicht. Der Teufel stecke eben unverändert im Detail. Mit zusätzlichem Gegenwind aus der vertrackten Situation um Hongkong habe sich die Rendite jetzt schon wieder auf den Ausgangspunkt beim 200-Tage-Durchschnitt von -44 Basispunkten zurückgezogen.
Ankündigungen irgendwelcher Sanktionen, höherer Zölle oder zunehmender Zugangsbeschränkungen für chinesische Unternehmen auf den amerikanischen Markt durch Donald Trump, würden spätestens bis zum Wochenende erwartet. Eine Eskalation dürfte die Stimmung dann doch derart vermiesen, dass man wieder mehr in sichere Häfen wie die Bundesanleihe flüchte. In dem Fall warte der 21-Tage-Durchschnitt, der ja den Querschnitt über einen Monat Handelsaktivität abbilde, auf einem Niveau von -50,3 Basispunkten. Dazu sei auch ein Seitenblick auf die Schallmauer von 7,20 im Währungspaar von USD/CNH angeraten. (Ausgabe vom 28.05.2020) (29.05.2020/alc/a/a)


