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Rentenmärkte: Diskussionen um die Zukunft des PEPP-Programms


15.04.21 14:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die deutschen Bundrenditen mit zehn Jahren Laufzeit sind in den vergangenen Tagen auf -0,27% gestiegen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Zuletzt hätten dazu vermutlich Äußerungen von Frankreichs Notenbankchef Villeroy de Galhau beigetragen, der ein Ende des PEPP-Anleiheankaufprogramms per März 2022 ins Spiel gebracht habe. Die Notenbankchefin Christine Lagarde habe sofort gegengehalten und das Bild eines Patienten auf zwei Krücken gezeichnet, der fiskalischen und der monetären Krücke, und derzeit brauche der Patient Eurozone noch beide Krücken. Nächste Woche tage die Europäische Zentralbank und da dürfte Lagarde unterstreichen, dass die EZB die Bondmärkte noch relativ lange unterstützen werde.

Nach wie vor sei es das Bestreben der EZB, dass ein möglicher fortgesetzter Renditeanstieg aus den USA höchstens in gedämpfter Form auf die Euro-Staatsanleihemärkte übergreife. Die US-Renditen seien in den vergangenen Tagen überraschenderweise zurückgegangen, auf heute 1,62%. Dies erstaune insofern, als die Aktienmärkte weiterhin sehr gut performen würden und die regionalen FED-Notenbanken in ihrem Konjunkturbericht (Beige Book) ein sehr freundliches Konjunkturbild gezeichnet hätten.

Die Risk-On-Stimmung spiegele sich auch in dem erfolgreichen Börsengang der Kryptobörse Coinbase wider, die als ungefähr so wertvoll erachtet werde, wie die New York Stock Exchange. Auch der Anstieg von Bitcoin auf zeitweise über 63.000 US-Dollar sowie der starken Euro, der an der 1,20er Marke gegenüber dem US-Dollar kratze, seien Zeichen einer zunehmenden Risikofreude.

Derweil werde das Konjunkturbild durch die Entwicklungen an der Coronafront eher getrübt. Zwar sei auf der positiven Seite zu verzeichnen, dass Biontech mit Extralieferungen von 50 Millionen Dosen bis Juni an die EU den Fehlbetrag, der möglicherweise durch die Verzögerungen des Johnson & Johnson-Impfstoffes entstünden, zum größten Teil auffangen werde. Die Infektionsraten seien aber insbesondere in Deutschland wieder stark am Steigen - die Siebentagesinzidenz pro 100.000 Einwohner liege mittlerweile bei über 160 -, sodass ein härterer Lockdown in den meisten Landkreisen näher rücke.

Neben der EZB-Sitzung würden die Märkte in den kommenden Tagen auf eine Reihe von anderen Ereignisse schauen, darunter die Zukunft des EU-Wiederaufbaufonds. So stocke der Ratifizierungsprozess nicht nur in Deutschland - hier bremse das Bundesverfassungsgericht -, sondern auch in Polen. Polen sei einer der größten Profiteure des Wiederaufbaufonds und erhalte Mittel im Volumen von rund 12% des polnischen BIP. Dennoch oder gerade deswegen gebe es Streit in der Regierungskoalition über die EU-Mittel. Grundsätzlich plane die EU-Kommission für die Finanzierung des Fonds bis 2026 pro Jahr 150 Mrd. Euro zu emittieren. Die Emissionen sollten spätestens im Juli starten.

Außerdem sei darauf zu achten, wen die CDU/CSU-Fraktion als Kanzlerkandidat aufstelle. Am Montag (19.04.) würden die Grünen darüber entscheiden, ob Robert Habeck oder Analena Baerbock als Spitzenkandidat*in in den Wahlkampf einziehe.

Datenseitig sei auf das BIP in China im ersten Quartal zu achten (16.04.). Die Dynamik dürfte kräftig nachgelassen haben. Bremsend wirke, dass China seine Grenzen wegen Corona für Personen immer noch nicht öffnen möchte. Gleichzeitig hinke China beim Impfprozess relativ stark den meisten Industrieländern hinterher. Darüber hinaus sei auf die Schnellschätzung der PMI-Indices in der Eurozone zu achten (23.04.). (15.04.2021/alc/a/a)