Rentenmärkte: Deutschland - Inflation steigt wie erwartet an


31.05.24 10:41
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen der USA und Deutschlands sind in den letzten Tagen relativ stark gestiegen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen liege aktuell bei 2,67%, die der T-Notes bei 4,60%. Dieser Anstieg sei größtenteils auf positive Konjunkturdaten zurückzuführen sowie auf Äußerungen von Neel Kashkari von der FED Minneapolis, der sogar Zinserhöhungen wieder ins Spiel gebracht habe. In Deutschland sei der GfK-Konsumindikator gestiegen, da Verbraucher höhere Löhne und sinkende Inflation spüren würden. Die Inflationsdaten für Mai hätten diese Wahrnehmung jedoch nicht vollständig bestätigt, da sie leicht angestiegen, aber im Rahmen der Prognosen geblieben seien. Steigende Preise für Dienstleistungen und Lebensmittel seien als Hauptgründe genannt worden. Trotzdem bleibe die EZB auf Kurs für eine Zinssenkung im Juni (Sitzung am 06.06.).

Insgesamt würden der ifo-Index und der HCOB PMI für Deutschland weiterhin ein trübes Bild der gesamtwirtschaftlichen Situation zeichnen. In den USA werde eine Zinssenkung am 12. Juni ausgeschlossen. Die FED zeige sich besorgt über die Inflationsdaten, die aus ihrer Sicht keine zeitnahe Senkung rechtfertigen würden. Obwohl die US-Wirtschaft erste Schwächesignale zeige, sei eine Rezession derzeit nicht in Sicht. Das Verbrauchervertrauen sei im Mai unerwartet stark gestiegen, wie das Conference Board melde. Auch die Auftragseingänge für langlebige Güter seien überzeugend gewesen.

Die deutsche Wirtschaft zeige weitere Anzeichen einer konjunkturellen Erholung. Der GfK-Konsumklimaindikator sei im Juni 2024 auf -20,9, von -24,0 im Vormonat gestiegen, und habe die Prognosen von -22,5 übertroffen. Dies sei der höchste Wert seit April 2022 und markiere den vierten Anstieg in Folge. Besonders die Einkommenserwartungen hätten mit 12,5 den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren erreicht. Trotz bestehender Unsicherheiten würden die deutschen Verbraucher von sinkenden Inflationsraten und deutlichen Lohnsteigerungen profitieren. Die Inflationsrate sei im Mai 2024 auf 2,4% gestiegen (April: 2,2%) und habe den Erwartungen entsprochen. Damit habe eine fünfmonatige Phase sinkender Inflationsraten geendet. Die Preise für Dienstleistungen und Lebensmittel hätten besonders angezogen, was die Inflationssorgen erneut in den Fokus rücke, auch wenn sie nicht mehr akut seien.

Die deutsche Wirtschaft sei noch nicht über den Berg. Der ifo-Geschäftsklimaindikator für Deutschland sei im Mai 2024 stabil bei 89,3, unverändert gegenüber April und deutlich unter den Prognosen von 90,4 geblieben. Der Subindex für die aktuellen Bedingungen sei auf 88,3 gesunken, verglichen mit 88,9 im April und den erwarteten 89,9. Die Zweitschätzung der HCOB PMIs für Deutschland zeige ein gemischtes Bild. Optimismus komme vor allem aus dem Dienstleistungssektor, der im Mai mit 53,9 deutlich wachse. Die Industrie hingegen schrumpfe weiterhin, trotz einer Verbesserung um knapp drei Indexpunkte, und liege bei 45,4.

Die US-Wirtschaft sei in einer robusteren Verfassung als die europäische. Trotz hoher Zinsen und hartnäckiger Inflation bleibe der Konsum stark. Das Verbrauchervertrauen, gemessen vom Conference Board, sei im Mai von 97,5 auf 102,0 gesprungen, entgegen den Prognosen von 95,9. Dieser Anstieg unterstreiche den Optimismus über den Arbeitsmarkt, auch wenn anhaltende Inflationssorgen und Erwartungen steigender Zinssätze die Stimmung trüben würden. Ein weiterer positiver Indikator sei aus der Industrie gekommen: Die Auftragseingänge für langlebige Industriegüter seien im April um 0,7% gestiegen und hätten damit den Erwartungen eines Rückgangs um 0,8% widersprochen. Trotz des positiven Konsumverhaltens und der starken Industriezahlen bleibe die FED aufgrund der Inflationsentwicklung vorsichtig.

Die Märkte würden ihren Blick auf die EZB-Sitzung am 6. Juni richten. Trotz der leicht gestiegenen Inflation in Deutschland und den voraussichtlich höheren Inflationszahlen der Eurozone für Mai (31.05.: 2,6% YoY im Vergleich zu 2,4% YoY im Vormonat) bleibe die Erwartung einer Zinssenkung hoch, mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90% laut Futures-Märkten.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel zeige sich vorsichtig optimistisch und betone: "Wir sehen ja inzwischen eine leichte Belebung der Wirtschaft im Euroraum, gleichzeitig geht die Inflation nach wie vor zurück." Die Märkte würden diesen Optimismus teilen. An den Futures-Märkten seien mehr als zwei Zinsschritte à 25 Basispunkte bis Jahresende eingepreist. Das entspreche der Prognose von HCOB Economics, die bereits seit November letzten Jahres gelte.

In Europa richte sich datenseitig die Aufmerksamkeit auf die Erstschätzung der CPI-Daten am 31. Mai. Erste Inflationszahlen aus Deutschland und Spanien würden darauf hindeuten, dass sich die Inflation in der Eurozone bei etwa 2,5% einpendeln könnte, leicht über den 2,4% YoY im April. Dieser marginale Anstieg sei vor allem Dienstleistungen und Lebensmittel zuzuschreiben. In den USA stünden ebenfalls bedeutende Daten an. Die PCE-Inflationsrate für April, die ebenfalls am 31. Mai veröffentlicht werde, dürfte sich im Vergleich zum Vormonat kaum verändert haben. Dies lasse sich aus den vor zwei Wochen veröffentlichten PPI- und CPI-Daten ableiten. Das Modell der Analysten sowie der Konsens würden 2,7% YoY im April prognostizieren.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den US-Arbeitsmarktdaten, die am 7. Juni erscheinen und somit noch vor der Juni-Sitzung der Fed (12. Juni) bekannt gegeben werden, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Im April sei eine merkliche Verlangsamung der Dynamik auf dem US-Arbeitsmarkt zu beobachten gewesen, bedingt durch die weiterhin hohen Zinsen. Die Arbeitslosenquote in den USA bleibe mit 3,9% auf einem äußerst niedrigen Niveau und werde laut Bloomberg-Konsens im Mai stabil bleiben. Die Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls) hätten im April bei 175.000 gelegen, deutlich unter den Markterwartungen. Für Mai werde laut Bloomberg ein geringfügiger Anstieg auf 180.000 erwartet. (Ausgabe vom 30.05.2024) (31.05.2024/alc/a/a)