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Rentenmärkte: Corona lässt Renditen fallen
30.01.20 16:05
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Der Coronavirus hat am Montag (27.01.) die Finanzmärkte kräftig durcheinandergewirbelt, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Aktien seien weltweit in die Knie gegangen, der Ölpreis sei kräftig gefallen, der Schweizer Franken habe von der Flucht in Sicherheit profitiert und in diesem Umfeld seien natürlich auch die Renditen für Staatsanleihen in den Keller gegangen. Zehnjährige Bund-Renditen seien auf -38 BP gesunken, die Pendants aus den USA auf 1,60%. Mit den heute wieder recht trüben Aktienmärkten seien die Renditen, die nur geringfügig auf die zwischenzeitliche Beruhigung an den Börsen reagiert hätten, weiter gefallen. Eine übertriebene Reaktion der Märkte? Man könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wie gravierend sich dieser neuartige Virus auf die Weltwirtschaft auswirken werde. Der Coronavirus habe auch bei der gestrigen FED-Sitzung (29.01.) eine Rolle gespielt, da seine Entwicklung natürlich ein Risiko darstelle, das grundsätzlich einen Kurswechsel der US-Notenbank auslösen könnte. Die FED habe jedoch keine Anstalten gemacht, von ihrem "bei diesem Zinsniveau fühlen wir uns wohl-Kurs" abzuweichen und den Leitzins bei 1,50% bis 1,75% belassen.
Während davon auszugehen sei, dass der Coronavirus in den nächsten Tagen ein wichtiges Thema an den Finanzmärkten bleiben werde, drehe sich die Welt dennoch weiter. So stünden in den nächsten Tagen einige Konjunkturindikatoren mit Marktbewegungspotenzial auf der Agenda. Dazu würden die US-Arbeitsmarktdaten am nächsten Freitag (08.02.), die ISM-Indices aus den Vereinigten Staaten (03.02. und 05.02) sowie die BIP-Zahlen aus den USA (heute, 30.01.) und der Eurozone (morgen) zählen. Insgesamt werde man vielleicht etwas genauer sehen, ob sich die vagen Anzeichen einer Erholung verfestigen würden.
An der politischen Front gebe es ebenfalls einige spannende Entwicklungen. Das Impeachmentverfahren gegen US-Präsident Donald Trump ziehe sich möglicherweise etwas länger hin, als viele Republikaner das gewünscht haben dürften. Das liege unter anderem daran, dass nunmehr vielleicht doch der frühere Sicherheitsberater von Trump, John Bolton, als Zeuge gehört werde und den Präsidenten belasten könnte.
Interessant werde auch sein, den Beginn der Vorwahlen in Iowa (03.02.) zu beobachten. Dort würden die Demokraten dieses Bundesstaates entscheiden, welchen ihrer Kandidaten sie gerne ins Rennen um die Präsidentschaft schicken würden. Durch die große Medienaufmerksamkeit, die diese ersten Vorwahlen der Demokraten auf sich ziehen würden, seien hier häufig - so etwa bei Barack Obama - die Kandidaten als Sieger hervorgegangen, die am Ende der Vorwahlen in allen Staaten tatsächlich ins Rennen geschickt worden seien. Aus Marktsicht dürften die politisch links einzuordnenden Kandidaten Elizabeth Warren und Bernie Sanders mit weniger Wohlwollen aufgenommen werden als Joe Biden und Pete Buttigieg. Die nächsten Vorwahlen der Demokraten fänden am 11.02. in New Hampshire statt. Am Dienstag (04.02.) werde der US-Präsident seine jährlich stattfindende Rede zur Lage der Nation halten, die in diesem Umfeld eine Wahlkampfrede werden dürfte.
In der EU stehe der Brexit an, der am Freitag (31.01.) vollzogen werde. Unmittelbar danach dürften die Verhandlungen mit der EU über ein Freihandelsabkommen beginnen, denn die Zeit dafür sei knapp. Schon in elf Monaten ende die Übergangszeit, in der Großbritannien noch Mitglied des Binnenmarktes und der Zollunion sei. Mit Verwerfungen an den Märkten würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank angesichts des anstehenden Austritts nicht rechnen. Die heute tagende Bank of England dürfte keine Änderung ihrer Geldpolitik beschließen. Es sei im Übrigen die letzte Sitzung von Mark Carney. Sein Nachfolger sei Andrew Bailey, der die Amtsgeschäfte am 16. März übernehme und bislang die Financial Conduct Authority (FCA) geleitet habe. Schließlich sei noch erwähnt, dass in Irland am 08.02. ein neues Parlament gewählt werde. (30.01.2020/alc/a/a)
Aktien seien weltweit in die Knie gegangen, der Ölpreis sei kräftig gefallen, der Schweizer Franken habe von der Flucht in Sicherheit profitiert und in diesem Umfeld seien natürlich auch die Renditen für Staatsanleihen in den Keller gegangen. Zehnjährige Bund-Renditen seien auf -38 BP gesunken, die Pendants aus den USA auf 1,60%. Mit den heute wieder recht trüben Aktienmärkten seien die Renditen, die nur geringfügig auf die zwischenzeitliche Beruhigung an den Börsen reagiert hätten, weiter gefallen. Eine übertriebene Reaktion der Märkte? Man könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wie gravierend sich dieser neuartige Virus auf die Weltwirtschaft auswirken werde. Der Coronavirus habe auch bei der gestrigen FED-Sitzung (29.01.) eine Rolle gespielt, da seine Entwicklung natürlich ein Risiko darstelle, das grundsätzlich einen Kurswechsel der US-Notenbank auslösen könnte. Die FED habe jedoch keine Anstalten gemacht, von ihrem "bei diesem Zinsniveau fühlen wir uns wohl-Kurs" abzuweichen und den Leitzins bei 1,50% bis 1,75% belassen.
An der politischen Front gebe es ebenfalls einige spannende Entwicklungen. Das Impeachmentverfahren gegen US-Präsident Donald Trump ziehe sich möglicherweise etwas länger hin, als viele Republikaner das gewünscht haben dürften. Das liege unter anderem daran, dass nunmehr vielleicht doch der frühere Sicherheitsberater von Trump, John Bolton, als Zeuge gehört werde und den Präsidenten belasten könnte.
Interessant werde auch sein, den Beginn der Vorwahlen in Iowa (03.02.) zu beobachten. Dort würden die Demokraten dieses Bundesstaates entscheiden, welchen ihrer Kandidaten sie gerne ins Rennen um die Präsidentschaft schicken würden. Durch die große Medienaufmerksamkeit, die diese ersten Vorwahlen der Demokraten auf sich ziehen würden, seien hier häufig - so etwa bei Barack Obama - die Kandidaten als Sieger hervorgegangen, die am Ende der Vorwahlen in allen Staaten tatsächlich ins Rennen geschickt worden seien. Aus Marktsicht dürften die politisch links einzuordnenden Kandidaten Elizabeth Warren und Bernie Sanders mit weniger Wohlwollen aufgenommen werden als Joe Biden und Pete Buttigieg. Die nächsten Vorwahlen der Demokraten fänden am 11.02. in New Hampshire statt. Am Dienstag (04.02.) werde der US-Präsident seine jährlich stattfindende Rede zur Lage der Nation halten, die in diesem Umfeld eine Wahlkampfrede werden dürfte.
In der EU stehe der Brexit an, der am Freitag (31.01.) vollzogen werde. Unmittelbar danach dürften die Verhandlungen mit der EU über ein Freihandelsabkommen beginnen, denn die Zeit dafür sei knapp. Schon in elf Monaten ende die Übergangszeit, in der Großbritannien noch Mitglied des Binnenmarktes und der Zollunion sei. Mit Verwerfungen an den Märkten würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank angesichts des anstehenden Austritts nicht rechnen. Die heute tagende Bank of England dürfte keine Änderung ihrer Geldpolitik beschließen. Es sei im Übrigen die letzte Sitzung von Mark Carney. Sein Nachfolger sei Andrew Bailey, der die Amtsgeschäfte am 16. März übernehme und bislang die Financial Conduct Authority (FCA) geleitet habe. Schließlich sei noch erwähnt, dass in Irland am 08.02. ein neues Parlament gewählt werde. (30.01.2020/alc/a/a)


