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Rentenmärkte: Cash ist King
13.03.20 09:15
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Flucht in Sicherheit, die sich in extremen Rückgängen der US- und der deutschen Staatsanleihen widergespiegelt hatte, hat sich nur scheinbar etwas beruhigt, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Das im Vergleich zu den Tiefpunkten relativ hohe Renditeniveau lasse sich eigentlich nur damit erklären, dass die Anleger in ihrer verzweifelten Suche nach Cash auch Staatsanleihen bester Bonität verkaufen würden. Denn wie könne es sonst sein, dass in einem Umfeld ungesehener Risikoaversion, wo die Aktienmärkte in einem Tag um 12% bis 15% einbrechen würden, bei Bunds und Treasuries die Renditen teilweise sogar steigen würden. Der Ausverkauf an den Aktienmärkten sei in diesem Ausmaß sicherlich kaum noch mit klaren Gründen nachzuvollziehen. Allerdings stehe fest, dass sich rein fundamental die Aussichten in den letzten Tagen eher verdüstert hätten.
Italien habe seine Maßnahmen zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf das ganze Land ausgeweitet und Österreich seine Grenzen zu Italien geschlossen. In Deutschland hätten derweil zahlreiche Bundesländer Massenveranstaltungen mit über 1.000 Menschen untersagt. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe die Menschen davor gewarnt, dass die Infektionsrate auf 60% bis 70% steigen dürfte. Und jetzt hätten die USA sogar ein Einreiseverbot für Menschen aus Europa verhängt. Letzteres sei in widersprüchlicher Weise kommuniziert worden, da zunächst davon die Rede gewesen sei, dass der Güterhandel davon ebenfalls betroffen sei. Dies sei später via Trump-Tweet wieder zurückgenommen worden. Die Weltgesundheitsorganisation habe angesichts der raschen globalen Ausbreitung des Virus gestern entschieden, dass es sich um eine Pandemie handle.
Als Ergebnis dieser Entwicklungen haben die Aktienmärkte ihren ungebremsten Fall beschleunigt fortgesetzt - wir hätten nicht gedacht, dass das noch möglich ist, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Im Vergleich zu Freitag vergangener Woche (6. März) hätten der DAX und der S&P 500 um 20% bzw. 15% nachgegeben. Die Bund-Renditen lägen im zehnjährigen Bereich mit -75 BP ungefähr auf dem gleichen Niveau wie Ende der vergangenen Woche, nachdem sie zwischenzeitlich bei -90 BP gelegen hätten. Bei den zehnjährigen T-Notes sehe es ähnlich aus, nur mit umgekehrten Vorzeichen (derzeit: +78 BP, zwischenzeitlich bei +30 BP).
Italiens dramatische Maßnahmen seien ein Warnschuss für alle anderen Länder inklusive Deutschland und würden zeigen, was passiert, wenn sich aus welchen Gründen auch immer das Virus ungehindert verbreiten könne und die Krankenhäuser entsprechend überrannt würden. Die Schließung der Grenzen zu Italien in Österreich könne natürlich Schule machen und von anderen Ländern, insbesondere Frankreich und der Schweiz, übernommen werden.
Hier wären Tausende von Pendlern und entsprechend auch Unternehmen betroffen. Das Einreiseverbot der USA sei ein weiterer Schlag gegen Fluggesellschaften im Besonderen und den Tourismus im Allgemeinen. Derweil hätten die Fallzahlen auch in Spanien massiv zugenommen, sodass auch hier bereits erste Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens ergriffen worden seien. Insgesamt würden die Eurozone und möglicherweise auch die USA auf eine Rezession zusteuern. Das hätten führende Wirtschaftswissenschaftler auch für Deutschland festgestellt, die der Regierung ein Konzeptvorgelegt hätten, mit welchen Maßnahmen der wirtschaftliche Einbruch abgefedert werden könne. Unter anderem werde dabei vorgeschlagen, der schwarzen Null keine Priorität mehr einzuräumen. Das sei ausdrücklich von der Bundeskanzlerin unterstützt worden. Man wird nicht jedes Mal fragen "Was bedeutet das für unser Defizit", so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Es sei durchaus möglich, dass auch die Weltwirtschaft in eine Rezession gerate. Allerdings sei festzustellen, dass in China die Zahl der täglichen Neuinfektionen gemäß offiziellen Zahlen mittlerweile nahe dem einstelligen Bereich liege. Entsprechend seien die meisten Unternehmen dabei, ihre Produktion wieder hochzufahren, auch in der am stärksten betroffenen Provinz Hubei. Wenn ein neuer Ausbruch des Coronavirus verhindert werden könne, könnte es in China bereits im zweiten Quartal wieder zu Wachstum kommen, wobei die stärksten Nachholeffekte wohl für das dritte Quartal zu erwarten wären.
Derweil setze sich der Preiskrieg an den Ölmärkten fort. Saudi-Arabien habe jetzt gedroht, die Produktion auf 13 Mio. Barrel/Tag hochzufahren. Das dürfte nicht von einem Tag auf den anderen gehen, da hierfür noch Investitionen nötig seien. Derzeit fördere das Königreich 9,7 Mio. Barrel/Tag. Die Ölpreise würden in jedem Fall unter Druck bleiben, zumal von Russland keine Anzeichen kämen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das Ergebnis dieser Entwicklung sei, dass die Inflationsraten weltweit fallen dürften, selbst wenn es in anderen vom Coronavirus betroffenen Segmenten zu Preissteigerungen komme. Damit würden weitere Renditerückgänge bei Staatsanleihen noch wahrscheinlicher.
Die Europäische Zentralbank (EZB), die am 12.03. getagt habe, sei von den Märkten bestenfalls ignoriert worden. Dabei würde man unter normalen Umständen feststellen, dass die EZB durchaus tief in den Instrumentenkasten gegriffen habe. Mit einer Mischung aus traditionellen geldpolitischen Schritten und regulatorischen Erleichterungen versuche die Notenbank ihren Teil zur Beruhigung der Märkte beizutragen. Die Notenbankchefin habe aber auch unmissverständlich klargemacht: Die Regierungen seien am Zuge, oder etwas eleganter ihr Zitat: "Fiscal first and foremost". Was mache die EZB? Sie werde Unternehmensanleihen kaufen und gezielte TLTROs anbieten, die die Banken nutzen sollten, um kleine und mittlere Unternehmen zu finanzieren. Außerdem würden die Kapitalvorschriften gelockert und die EZB wolle sich außerdem flexibel in Hinblick auf die Definition fauler Kredite zeigen. Der Leitzins sei gleich gelassen worden, aber die Langfristtender könnten zu sehr günstigen Konditionen gezogen werden, was einer Zinssenkung nahe komme.
Nächste Woche tage dann noch die FED (18.03.). Die US-Notenbank dürfte den Leitzins erneut senken, und die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden einen großen Schritt von 75 BP für möglich halten, einige Beobachter würden sogar weiter gehen und 100 BP erwarten. Darüber hinaus sei auch eine Ausweitung des QE-Programms möglich, da am Geldmarkt offensichtlich wieder Spannungen auftreten würden.
Auch die Bank of Japan werde nächste Woche zusammenkommen (19.03.). Ihr Spielraum sei allerdings begrenzt. Ansonsten stünden am kommenden Dienstag erneut Vorwahlen in den USA an, unter anderem im bevölkerungsreichen Staat Florida. (Ausgabe vom 12.03.2020) (13.03.2020/alc/a/a)
Das im Vergleich zu den Tiefpunkten relativ hohe Renditeniveau lasse sich eigentlich nur damit erklären, dass die Anleger in ihrer verzweifelten Suche nach Cash auch Staatsanleihen bester Bonität verkaufen würden. Denn wie könne es sonst sein, dass in einem Umfeld ungesehener Risikoaversion, wo die Aktienmärkte in einem Tag um 12% bis 15% einbrechen würden, bei Bunds und Treasuries die Renditen teilweise sogar steigen würden. Der Ausverkauf an den Aktienmärkten sei in diesem Ausmaß sicherlich kaum noch mit klaren Gründen nachzuvollziehen. Allerdings stehe fest, dass sich rein fundamental die Aussichten in den letzten Tagen eher verdüstert hätten.
Italien habe seine Maßnahmen zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf das ganze Land ausgeweitet und Österreich seine Grenzen zu Italien geschlossen. In Deutschland hätten derweil zahlreiche Bundesländer Massenveranstaltungen mit über 1.000 Menschen untersagt. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe die Menschen davor gewarnt, dass die Infektionsrate auf 60% bis 70% steigen dürfte. Und jetzt hätten die USA sogar ein Einreiseverbot für Menschen aus Europa verhängt. Letzteres sei in widersprüchlicher Weise kommuniziert worden, da zunächst davon die Rede gewesen sei, dass der Güterhandel davon ebenfalls betroffen sei. Dies sei später via Trump-Tweet wieder zurückgenommen worden. Die Weltgesundheitsorganisation habe angesichts der raschen globalen Ausbreitung des Virus gestern entschieden, dass es sich um eine Pandemie handle.
Als Ergebnis dieser Entwicklungen haben die Aktienmärkte ihren ungebremsten Fall beschleunigt fortgesetzt - wir hätten nicht gedacht, dass das noch möglich ist, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Im Vergleich zu Freitag vergangener Woche (6. März) hätten der DAX und der S&P 500 um 20% bzw. 15% nachgegeben. Die Bund-Renditen lägen im zehnjährigen Bereich mit -75 BP ungefähr auf dem gleichen Niveau wie Ende der vergangenen Woche, nachdem sie zwischenzeitlich bei -90 BP gelegen hätten. Bei den zehnjährigen T-Notes sehe es ähnlich aus, nur mit umgekehrten Vorzeichen (derzeit: +78 BP, zwischenzeitlich bei +30 BP).
Italiens dramatische Maßnahmen seien ein Warnschuss für alle anderen Länder inklusive Deutschland und würden zeigen, was passiert, wenn sich aus welchen Gründen auch immer das Virus ungehindert verbreiten könne und die Krankenhäuser entsprechend überrannt würden. Die Schließung der Grenzen zu Italien in Österreich könne natürlich Schule machen und von anderen Ländern, insbesondere Frankreich und der Schweiz, übernommen werden.
Es sei durchaus möglich, dass auch die Weltwirtschaft in eine Rezession gerate. Allerdings sei festzustellen, dass in China die Zahl der täglichen Neuinfektionen gemäß offiziellen Zahlen mittlerweile nahe dem einstelligen Bereich liege. Entsprechend seien die meisten Unternehmen dabei, ihre Produktion wieder hochzufahren, auch in der am stärksten betroffenen Provinz Hubei. Wenn ein neuer Ausbruch des Coronavirus verhindert werden könne, könnte es in China bereits im zweiten Quartal wieder zu Wachstum kommen, wobei die stärksten Nachholeffekte wohl für das dritte Quartal zu erwarten wären.
Derweil setze sich der Preiskrieg an den Ölmärkten fort. Saudi-Arabien habe jetzt gedroht, die Produktion auf 13 Mio. Barrel/Tag hochzufahren. Das dürfte nicht von einem Tag auf den anderen gehen, da hierfür noch Investitionen nötig seien. Derzeit fördere das Königreich 9,7 Mio. Barrel/Tag. Die Ölpreise würden in jedem Fall unter Druck bleiben, zumal von Russland keine Anzeichen kämen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das Ergebnis dieser Entwicklung sei, dass die Inflationsraten weltweit fallen dürften, selbst wenn es in anderen vom Coronavirus betroffenen Segmenten zu Preissteigerungen komme. Damit würden weitere Renditerückgänge bei Staatsanleihen noch wahrscheinlicher.
Die Europäische Zentralbank (EZB), die am 12.03. getagt habe, sei von den Märkten bestenfalls ignoriert worden. Dabei würde man unter normalen Umständen feststellen, dass die EZB durchaus tief in den Instrumentenkasten gegriffen habe. Mit einer Mischung aus traditionellen geldpolitischen Schritten und regulatorischen Erleichterungen versuche die Notenbank ihren Teil zur Beruhigung der Märkte beizutragen. Die Notenbankchefin habe aber auch unmissverständlich klargemacht: Die Regierungen seien am Zuge, oder etwas eleganter ihr Zitat: "Fiscal first and foremost". Was mache die EZB? Sie werde Unternehmensanleihen kaufen und gezielte TLTROs anbieten, die die Banken nutzen sollten, um kleine und mittlere Unternehmen zu finanzieren. Außerdem würden die Kapitalvorschriften gelockert und die EZB wolle sich außerdem flexibel in Hinblick auf die Definition fauler Kredite zeigen. Der Leitzins sei gleich gelassen worden, aber die Langfristtender könnten zu sehr günstigen Konditionen gezogen werden, was einer Zinssenkung nahe komme.
Nächste Woche tage dann noch die FED (18.03.). Die US-Notenbank dürfte den Leitzins erneut senken, und die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden einen großen Schritt von 75 BP für möglich halten, einige Beobachter würden sogar weiter gehen und 100 BP erwarten. Darüber hinaus sei auch eine Ausweitung des QE-Programms möglich, da am Geldmarkt offensichtlich wieder Spannungen auftreten würden.
Auch die Bank of Japan werde nächste Woche zusammenkommen (19.03.). Ihr Spielraum sei allerdings begrenzt. Ansonsten stünden am kommenden Dienstag erneut Vorwahlen in den USA an, unter anderem im bevölkerungsreichen Staat Florida. (Ausgabe vom 12.03.2020) (13.03.2020/alc/a/a)


