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Rentenmärkte: Anstieg langfristiger Renditen ist im Sinne der EZB


13.04.22 15:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Bunds sind weiter gestiegen und liegen jetzt bei 0,80%, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Noch vor einer Woche hätten sie rund 20 Basispunkte niedriger gelegen. Auch die entsprechenden T-Notes würden mit 2,73% deutlich höher als vergangene Woche rentieren. Zu diesem weiteren Anstieg beigetragen hätten die Inflationsdaten aus den USA - die CPI-Inflation sei mit 8,5% auf den höchsten Wert seit 1981 gestiegen - sowie Äußerungen von FED-Vertretern, die eine scharfe Gangart bei den Zinserhöhungen empfehlen würden.

Auch wenn die Kernrate im März fast unverändert bei 6,5% geblieben sei, sei die Inflationsrate dennoch auf ein für viele FED-Beobachter kaum zu tolerierendes Maß gestiegen, weswegen ein Zinsschritt im Umfang von 50 Basispunkten bei der Sitzung Anfang Mai als ausgemachte Sache gelte. Die Frage sei, ob weitere Schritte in dieser Größenordnung folgen würden, oder ob man dann auf eine Schrittgröße von 25 Basispunkten zurückgehen werde. Die hohe Teuerungsrate weckt in jedem Fall Erinnerungen an die Notbremse in Form massiver Zinserhöhungen, die der damalige Notenbankchef Paul Volcker Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre gezogen hat, da der Preisanstieg - in der Spitze erreichte dieser 14,6% - anders nicht mehr kontrollierbar schien, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Aktuell treibe die Anleger aber um, wie die Europäische Zentralbank morgen (14.04.) agieren werde. Dabei gehe es voraussichtlich nicht um tatsächliche Aktivitäten - eine Zinserhöhung sei zu diesem Zeitpunkt trotz der hohen Inflation nicht zu erwarten - sondern um die Kommunikation über das weitere Vorgehen. Die Ausgangssituation sei bekannt: Die Inflation sei im März auf 7,5% gestiegen und die EZB habe sich im Rahmen ihrer Forward Guidance dazu verpflichtet, den Leitzins erst anzuheben, wenn die Nettoanleiheankäufe beendet seien, was im Laufe des dritten Quartals passieren solle. Grundsätzlich sei es möglich, das Ende der Nettoanleiheankäufe noch weiter vorzuziehen, aber eine nach Panik riechende Aktion erscheine weder nötig noch wäre sie zielführend. Denn der Anstieg der langfristigen Renditen sowie die allgemeine Verunsicherung im Zuge des Krieges in der Ukraine sowie die hohen Vorleistungspreise würden bis zu einem gewissen Grad bereits die gesamtwirtschaftliche Nachfrage dämpfen.

Allerdings sei festzustellen, dass die Inflationserwartungen gemessen am Fünfjahres-Inflationsswap von Ende Februar von 1,73% auf derzeit 2,39% gestiegen seien. Der Fünfjahres-Inflationsswap messe die Erwartung darüber, wie hoch die durchschnittliche Inflation über einen fünf-Jahres-Zeitraum in fünf Jahren sein werde. In den nächsten Tagen werde außerdem das Ergebnis der Umfrage bei professionellen Prognostikern - also in erster Linie Bankvolkswirte - veröffentlicht. Für 2024 hätten diese im ersten Quartal eine Rückkehr zur Preisstabilität erwartet (1,9%).

Ansonsten dürfte das weitere Geschehen in der Ukraine ein wichtiger Treiber an den Finanzmärkten bleiben. Ende der nächsten Woche (22.04.) beginne die IWF-Weltbank-Tagung, zu dessen Anlass der weltwirtschaftliche Ausblick und der Finanzstabilitätsreport des IWF herausgegeben werde. In Frankreich würden zudem am 24. April die Stichwahlen zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron und Marine Le Pen stattfinden. Die Umfragen im Vorfeld dieser Wahlen könnten je nach ihrer Entwicklung für Nervosität an den Finanzmärkten sorgen. Weiter sei zu berücksichtigen, dass die nächste Handelswoche wegen der Ostertage kürzer ausfallen werde.

Datenseitig könnten die BIP-Zahlen aus China für das erste Quartal interessant werden (18.04.). Hier sollten sich grundsätzlich bereits Lockdown-Maßnahmen niederschlagen, wenngleich die Welle harter Maßnahmen wie beispielsweise in Shanghai vor allem im April zum Tragen gekommen seien. Die Frage sei, ob die Regierung ein niedrigeres Wachstum "zulässt". Beachten sollte man auch die Einzelhandelsumsätze in den USA (März, 14.04.) sowie die Industrieproduktion in China (März, 18.04.). (13.04.2022/alc/a/a)