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Rentenmärkte 2014 mit Herausforderungen


20.12.13 12:25
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Das Jahresende bietet stets die Möglichkeit, einen Moment innezuhalten, sich zurückzulehnen und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen; und natürlich über das vor uns liegende Jahr nachzudenken, so die Analysten der Weberbank.

2013 sei ein sehr ereignisreiches Jahr gewesen. Eigentlich habe es mehr als genug Stoff für die Wirtschafts-Geschichtsschreibung eines ganzen Jahrzehnts geboten: Angefangen bei einem Fast-Sturz der Amerikaner über die sogenannte Fiskalklippe (Staatspleite durch Überschreiten des gesetzlichen Schuldenlimits), über den sogenannten "Government-Shutdown" in den USA, bei dem zwei Wochen lang Behörden mangels vorhandenen Geldes hätten geschlossen werden müssen, über das Erreichen neuer Allzeithochs am US-Aktienmarkt und wenig später auch im deutschen DAX, über Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf ein nie zuvor in Europa gesehenes Niveau von 0,25 Prozent, über den Beginn des größten jemals durchgeführten Experimentes der japanischen Notenbank (BoJ), die damit begonnen habe, die Geldbasis des Landes innerhalb von zwei Jahren verdoppeln zu wollen, über den größten Abverkauf von goldunterlegten Fonds seit Einführung dieser Finanzvehikel, bis hin zu einem um fast 30 Prozent gefallenen Goldpreis trotz extrem expansiver Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken und gleichzeitigem Preis-Hype im Kunstbereich und in der virtuellen Welt der Bitcoins.

Die Liste ließe sich noch deutlich erweitern. Betrachte man dann noch die Ereignisse außerhalb der Finanzwelt mit Snowden-Enthüllungen, NSA-Abhöraffären, diversen politischen Unruhen, Papst-Rücktritt und großer Koalition, so werde sich das Jahr 2013 sicherlich einen herausragenden Platz in der Geschichte erobern.

An den Finanzmärkten habe sich zum Jahresende alles auf eine Entscheidung der US-Notenbank zugespitzt: Gebannt hätten die Finanzmarktakteure auf die Entscheidung gewartet, ob die US-Notenbank (FED) ihr monatliches 85-Mrd.-USD-Anleihenankaufprogramm noch 2013 reduzieren würde (Tapering). Marktverwerfungen seien erwartet worden, ähnlich einem Drogensüchtigen, dem man den "Stoff" entziehe. Aber die Märkte seien trotz Ankündigung einer 10-Mrd.-USD-Drosselung ruhig geblieben und hätten das Tapering als das gesehen, was es sei: ein langsamer Wechsel weg von liquiditätsgetriebener hin zu einer sich selbst tragenden Wirtschaftsentwicklung.

Bei all der Historie darf der Ausblick auf das vor uns liegende Jahr 2014 natürlich nicht fehlen: Zwar gilt die Erkenntnis "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen" (Mark Twain u.a.), so die Analysten der Weberbank. Ein kleiner Versuch der Vorhersage wahrscheinlicher Entwicklungen sei aber erlaubt: Trotz Reduzierung der expansiven Geldpolitik in den USA würden die Analysten damit rechnen, dass die japanische BoJ ihr geldpolitisches Experiment fortsetze.

Im Gegensatz zur US-Notenbank FED würden die Analysten es für wahrscheinlich halten, dass die europäische EZB ihre Politik noch expansiver als bisher gestalte. Zwar würden die Analysten eine Wirtschaftserholung in Europa sehen, die Unternehmen der Peripheriestaaten würden aber nach wie vor Hilfe speziell im Bereich der Kreditverfügbarkeit benötigen. Eine weiter sehr niedrige Inflation sollte der EZB ein solches Vorgehen erlauben. Dementsprechend hätten die Aktienmärkte Europas eine gute Chance, sich im Einklang mit der Wirtschaftserholung auch im nächsten Jahr positiv zu entwickeln.

Ebenfalls sollten die US-Aktienmärkte trotz nachlassender Unterstützung durch die FED neue Kursgipfel erklimmen können. Hier stehe der Übergang hin zu einem fundamental gesunden sich selbst tragenden Aufschwung der Unternehmen im Vordergrund. Japans Aktien sollten zunächst weiter vom geldpolitischen Experiment der BoJ und der verbesserten Exportchancen durch die damit verbundene Yen-Abwertung profitieren.

Schwellenländeraktien könnten zunächst weiterhin unter dem Abzug westlichen Investmentkapitals leiden. Mit zunehmender weltwirtschaftlicher Erholung bestehe aber hier erhebliches Aufholpotential durch die inzwischen erreichten, extrem günstigen Aktienbewertungen.

Für die Rentenmärkte werde es sicherlich wieder ein herausforderndes Jahr: Von US-Seite würden Renditeanstiege und damit Kursrückgänge im öffentlichen Staatsanleihensegment drohen. Die europäischen Staatsanleihen würden im Spannungsfeld zwischen steigenden US-Renditen und noch expansiverer EZB-Politik stehen. Ein geschicktes Händchen werde also bei der Auswahl der jeweiligen Papiere und Restlaufzeiten gefragt sein.

Chancen würden sich insbesondere in den Randmärkten ergeben. So würden Schwellenländeranleihen ein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis bieten, wenn sich die Wogen des Taperings gelegt hätten. Wandelanleihen sollten vom positiven Aktienumfeld profitieren. (20.12.2013/alc/a/a)