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Rentenmärkte 2013: Im Bann der Niedrigzinsen


16.01.14 16:18
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet gestaltete sich die Kapitalanlage an den internationalen Rentenmärkten 2013 besonders anspruchsvoll, so die Analysten der DONNER & REUSCHEL AG.

Die bereits 2012 auf historische Tiefststände gefallenen Renditen im Segment sehr guter Bonitäten hätten dafür gesorgt, dass allein der Erhalt des Realkapitals - also die Erwirtschaftung einer Rendite, die über der Inflationsrate liege - mit verzinslichen Anlagen kaum möglich gewesen sei. So habe es ein Portfolio aus deutschen Bundesanleihen mit mittleren Restlaufzeiten gemessen am Index REXP 2013 auf weniger als 1 Prozent gebracht - vor Kosten, Steuern und Inflation. Selbst eine zehnjährige Bundesanleihe sei per saldo auf eine Wertentwicklung in Höhe von gerade mal gut 1 Prozent gekommen. Ein Index europäischer Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating habe gut 2 Prozent erzielt.

Noch schwieriger sei die Situation jedoch an den Rentenmärkten der Schwellenländer gewesen. Nach der ersten Ankündigung des "Taperings" durch die US-Notenbank FED im Frühjahr hätten Anleger in der Erwartung einer Zinswende in den Industriestaaten in kurzer Zeit erhebliche Kapitalbeträge aus dieser Region abgezogen. Die Folge seien deutliche Kursverluste bei allen Anlagesegmenten der Wachstumsregionen gewesen. Zudem hätten die Währungen vieler Schwellenländer korrigiert und damit die negativen Entwicklungen verstärkt. Zu den Gewinnern hätten 2013 Staatsanleihen der Euroland-Peripherie gezählt. Im Zuge der allgemeinen Beruhigung der Staatsschuldenkrise seien die Renditen weiter gesunken und hätten damit bei bestehenden Emissionen für Kursgewinne gesorgt.

Im Fokus der Marktteilnehmer standen nach wie vor die Äußerungen der Fed. Nach der Rücknahme der ursprünglichen Tapering-Ankündigung durch den Noch-FED-Chef Bernanke im September habe die FED auf ihrer Schlusssitzung 2013 die schrittweise Rücknahme der Anleihenkäufe verkündet. Als Hintergrund für das Verschieben könne insbesondere der schnelle Zinsanstieg bis auf knapp 3 Prozent p. a. bei der zehnjährigen US-Staatsanleihe gesehen werden. Damit seien die Sorgen um ein Abwürgen der zarten konjunkturellen Dynamik gestiegen. Die zuvor gesetzten Schwellenwerte für die Arbeitslosenquote in Höhe von 7 und 6,5 Prozent, ab denen die FED über eine Reduzierung der Wertpapierkäufe oder über Leitzinserhöhungen habe nachdenken wollen, seien vorerst außer Kraft gesetzt worden.

Zudem sei angekündigt worden, dass die Leitzinsen selbst im Jahr 2016 nicht über 2 Prozent liegen würden. Mittlerweile stehe fest, dass ab Januar mit der Rückführung der Wertpapierkäufe begonnen werde. Aus fundamentaler Sicht ändere der Beschluss die Situation aber nicht wesentlich. In Anbetracht der anhaltenden wirtschaftlichen Erholung werde die FED früher oder später ihre Geldpolitik straffen müssen. Da es jedoch nur um eine weniger expansive Ausrichtung gehe - aber noch lange keine restriktive Geldpolitik in Aussicht stehe - sollten die Auswirkungen auf die Märkte moderat bleiben. Auch die Nachfolgerin Bernankes, Janet Yellen, gelte eher als Verfechterin einer lockeren geldpolitischen Ausrichtung. Damit dürften alle Marktteilnehmer entspannt den kommenden Monaten entgegensehen und auf die Rückendeckung der US-Notenbank vertrauen, sollte es zu größerem Ungemach an den Börsen kommen.

Nach wie vor ungeklärt bleibe aber die Haushaltssituation in Amerika. Zwar hätten die US-Politiker jüngst mit der Einigung in letzter Sekunde einen weiteren Zeitgewinn erreichen können, die Argumente einer nachhaltigen Staatskonsolidierung seien aber noch sehr dünn. Kurzfristig könne es der Regierung gelingen, den Druck zu vermindern. Es sei jedoch wahrscheinlich, dass die Ungewissheit beim Überschreiten des Schuldenlimits auch 2014 und 2015 die Märkte beschäftigen werde.

Trotz Verlassen der Rezession laufe in Europa die wirtschaftliche Erholung langsamer ab als in den USA. Immer noch würden politische Risiken und ungelöste Probleme verbleiben. Mit seiner "Forward Guidance", den Leitzins für einen längeren Zeitraum auf niedrigem Niveau zu belassen und der jüngsten überraschenden Leitzinssenkung tue EZB-Präsident Draghi deshalb zurzeit alles dafür, einen Anstieg der kurzfristigen Zinsen zu verhindern und die Entwicklung der langfristigen Zinsen möglichst vom Anstieg der langfristigen US-Renditen abzukoppeln. Bezüglich der kurzfristigen Zinsen sei dieses seit Juli gut gelungen. Am langen Ende dagegen seien die Eurolandzinsen von der Entwicklung in Amerika mit nach oben gezogen worden. Ein zunächst unterproportionaler Anstieg sei hier zwischenzeitlich mehr als aufgeholt worden.

Aus Italien und Frankreich kämen derzeit trotz enormer Reformbemühungen keine Wachstumsimpulse. Auch Portugal bereite wieder Sorgen. Hier scheine der Rückhalt für den Sparkurs der Regierung trotz der zuletzt ermutigenden Konjunkturdaten zu schwinden. Nach deutlichen Verlusten der Regierungsparteien bei den Kommunalwahlen habe jetzt das Verfassungsgericht vorgesehene Lockerungen des Kündigungsschutzes gekippt. Im Fall weiterer Einschränkungen des geplanten Haushalts müssten letztlich Einschnitte an anderer Stelle beschlossen werden. In Portugal laufe das bisherige Hilfspaket zur Mitte 2014 aus. Derweil habe Irland die Rückkehr an den Kapitalmarkt bereits geschafft. Die Emission einer zehnjährigen Anleihe sei deutlich überzeichnet gewesen und habe damit vom neuen Vertrauen des Kapitalmarkts in die Zahlungsfähigkeit des Staates gezeugt.

Als Kandidaten für ein weiteres Hilfspaket würden dagegen Griechenland und Zypern gehandelt. Angesichts einer deutlichen Deckungslücke im aktuellen Hilfspaket für Griechenland sei eine dortige neuerliche Umschuldung oder alternativ ein weiteres Rettungspaket zum Dauerthema geworden. Auch in Zypern scheinen die Wachstumsplanungen zu optimistisch zu sein, so die Analysten. Insgesamt sollten die nationalen Krisen aber die Eurozone als Ganzes nicht mehr infrage stellen können. Ein Indikator für die Entwicklung in der Eurozone seien die Target-Salden. Target sei das Zahlungssystem innerhalb der Währungsunion zur Erleichterung von grenzüberschreitenden Überweisungen. Die Salden würden Forderungen bzw. Verbindlichkeiten der nationalen Notenbanken gegenüber dem Eurosystem darstellen.

Seit 2007, dem Beginn der Finanzkrise in der Eurozone, seien die Salden bis Mitte 2012 kontinuierlich angestiegen und würden seitdem wieder sinken. Zurückzuführen seien die hohen deutschen Target-Salden auf die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands gegenüber den anderen Euro-Ländern, auf deutsche Kapitalimporte aus dem Euroraum sowie eine vorübergehende Kapitalflucht aus der europäischen Peripherie. Hier hätten sich die Kapitalströme seit Mitte 2012 umgedreht: Anstatt sich mit den deutschen Niedrigzinsen zufrieden zu geben, würden wieder vermehrt die Anlagechancen in den Heimatländern gesehen. Rückläufige Target-Salden würden sich daher auch als Anzeichen für eine langsam gesundende Entwicklung in Europa interpretieren lassen.

Die mit der wirtschaftlichen Erholung einhergehende Zinssteigerung sollte aufgrund der "Forward Guidance" der EZB zumindest in Europa eher das lange Ende der Zinsstrukturkurve betreffen. Daher würden die Analysten hier auch weiterhin zu Anlagen mit kurzen bis mittleren Laufzeiten raten. Im Sektor der Unternehmensanleihen würden sie Ratings von BB und BBB bevorzugen, würden dabei aber raten, auf eine komfortable Eigenkapitalausstattung zu achten. (Ausgabe 1. Quartal 2014) (16.01.2014/alc/a/a)