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Renten: Zehnjährige US-Staatsanleihen auf historischem Renditetief


02.03.20 10:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am US-Rentenmarkt gingen mit der Verunsicherung deutlich rückläufige Renditen einher, so die Experten von Union Investment.

Die Flucht in sichere Anlagen habe zu einem historischen Renditetief (1,16 Prozent) bei zehnjährigen US-Treasuries geführt. Dabei hätten die Anleger auf mehrere Leitzinssenkungen durch die US-Notenbank FED spekuliert. Dies sei an den FED Funds-Futures abzulesen gewesen, dort seien marktseitig für Temin Dezember 2020 zwischenzeitlich drei Zinssenkungen durch die Zentralbank eingepreist gewesen. Die Zinssenkungserwartungen hätten sich vor allem in der Entwicklung der kurzen Laufzeiten auf der Zinsstrukturkurve widergespiegelt. Fälligkeiten in einem, zwei oder drei Jahren hätten Renditerückgänge zwischen 34 und 38 Basispunkten verzeichnet. Dies sei mehr als in den langen Laufzeitbereichen gewesen, sodass sich die Zinskurve nicht nur deutlich nach unten verschoben, sondern sich über die kurzen Laufzeiten auch versteilt habe.

Die Bundkurve habe, ebenfalls deutlich nach unten verschoben, hingegen etwas flacher tendiert. Die Zehnjahresrendite habe mit minus 0,6 Prozent aber noch über dem Tief vom August 2019 (minus 0,72 Prozent) gelegen. Auch gegenüber der Europäischen Zentralbank habe sich die Erwartungshaltung in Hinsicht auf einen weiteren abwärts gerichteten Zinsschritt im Juni erhöht. Eine Leitzinssenkung um zehn Basispunkte bis September gelte am Markt als eingepreist.

Die als Transatlantikspread bezeichnete Renditedifferenz zwischen deutschen und US-amerikanischen Staatsanleihen habe sich bis Freitag aufgrund des starken Anstieges der US-Treasuries auf rund 180 Basispunkte eingeengt.

Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie hätten hingegen unter einem Abverkauf gelitten. Im Rahmen der Virusverbreitung seien die Risiken für ein Abgleiten der Volkswirtschaften in eine Rezession gestiegen. Die Aussicht auf fiskalische Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft sei zwar begrüßenswert, würde jedoch die Verschuldungssituation der Südländer, in erster Linie Italien, verschlechtern. Nach der guten Wertentwicklung in den vergangenen Monaten sei es daher an den Peripherie-Rentenmärkten zu einer deutlichen Gegenbewegung gekommen.

Die Zehnjahresrenditen seien zwischen zehn (Spanien) und 40 (Griechenland) Basispunkte angezogen. Griechische Anleihen hätten mit 1,35 Prozent wieder deutlich oberhalb der Ein-Prozentmarke gelegen. Die Renditedifferenz zwischen deutschen und italienischen Papieren sei auf 175 Basispunkte angesprungen. Noch Mitte Februar habe diese bei 122 Basispunkten gelegen. Der Gesamtmarkt für Euro-Staatsanleihen (iBoxx - Sovereigns) habe bis Donnerstagabend trotz der starken Bundbewegung leicht abgegeben, was sich auch am Freitag fortgesetzt haben dürfte.

Europäische Unternehmensanleihen und auch Rentenpapiere aus den Schwellenländern hätten etwas abgegeben, seien aber weit von einem Panikmodus entfernt gewesen. Es sei auf Indexebene zu leichten Spreadausweitungen gekommen. Der für Euro-Unternehmensanleihen repräsentative ICE BofA Euro Corp-Index etwa habe eine Spreadausweitung um acht auf 71 Basispunkte aufgewiesen. (Ausgabe vom 28.02.2020) (02.03.2020/alc/a/a)