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Renten: Weiterhin sehr niedrige Renditen, Konjunktur: Unklarheit über Brexit-Auswirkungen


06.01.17 12:02
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Investoren an den europäischen Aktienmärkten wurde im letzten Jahr viel Geduld abverlangt, so die Analysten der Weberbank.

Das Jahr sei katastrophal gestartet, auf den letzten Metern habe es dann aber für die Anleger doch noch ein versöhnliches Ende genommen. Denn erst im Dezember hätten die europäischen und deutschen Aktienmärkte in die Gewinnzone gedreht und das Jahr mit einem Plus beendet. Noch freundlicher hätten sich die Schwellenländeraktien und US-Märkte gezeigt, die ebenfalls nach schwachem Start bereits zur Jahresmitte deutlicher an Fahrt gewonnen hätten.

Aus europäischer Sicht seien diese außereuropäischen Anlagen zusätzlich lohnenswert gewesen, da der US-Dollar und die meisten Schwellenländerwährungen aufgewertet hätten. Das alles sei vor dem Hintergrund größter Überraschungen wie zum Beispiel der Brexit-Entscheidung der Briten oder auch der Präsidentenwahl in den USA geschehen. Auch die große Anzahl schrecklicher Terroranschläge habe den Märkten letzten Endes nichts anhaben können.

Was könne man aus diesem nervenaufreibenden Börsenjahr lernen? Zwei Börsenweisheiten der letzten Jahre, die bisweilen schon etwas abgenutzt erschienen, haben sich erneut bestätigt und auch weiterhin Bestand: Erstens haben politische Börsen immer noch kurze Beine, und zweitens sind Aktien im Niedrigzinsumfeld alternativlos, so die Analysten der Weberbank. Es komme halt immer auf das Durchhaltevermögen und somit auch auf die Leidensfähigkeit der Investoren an. Wer den Mut und die Ausdauer besessen habe, Unsicherheits- und Verlustperioden durchzustehen, sei in den letzten Jahren immer wieder mit ordentlichen Renditen belohnt worden.

Verluste würden oft schon nach einigen Monaten und in seltenen Fällen erst nach einem Anlagezeitraum von zwei oder drei Jahren, noch seltener aber nach erst fünf oder mehr Jahren ausgeglichen. Die gute Nachricht für das gerade erst gestartete Börsenjahr 2017 sei, dass die Unternehmensgewinne weiter ansteigen würden. Das gelte nicht nur in den USA, sondern jetzt auch verstärkt in Europa und einigen Schwellenländern, wo auch die Stabilisierung der Rohstoffpreise eine wichtige Rolle spiele.

Der Trump-Effekt der vergangenen zwei Monate halle nicht nur an den Aktienmärkten nach. Zwar bestünden noch erhebliche Risiken über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs der neuen US-Regierung. Wie aus dem Protokoll der letzten Sitzung der US-Notenbank hervorgehe, könnten sich im Zuge großer Konjunkturprogramme die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt in den USA aber besser entwickeln als bisher angenommen. Das könnte zu einer höher als gewünschten Inflation und in der Folge auch zu rascheren Leitzinsanhebungen führen. Steigende Zins- und Inflationserwartungen würden auch eine wichtige Rolle für den Rentenmarkt spielen.

US-Staatsanleihen hätten in den letzten zwei Monaten rasant verloren, den Abwärtstrend zum Jahresende aber vorerst stoppen können. Europäische Anleihen hätten sich dieser Entwicklung nicht komplett entziehen können, würden sich derzeit aber aufgrund des Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) etwas stabiler zeigen. Zwischenzeitliche Renditeanstiege seien aber trotzdem leider nicht auszuschließen, vor allem auch, weil der steigende Ölpreis zu einer höheren Inflationsrate führe. Chancen würden die Analysten unverändert bei europäischen Unternehmensanleihen und Papieren aus den Schwellenländern sehen, da erstgenannte auf der Einkaufsliste der EZB stünden und letztere attraktive Risikoprämien aufweisen würden.

Über die Feiertage und den Jahreswechsel habe es nur wenig Neues von der Konjunktur zu berichten gegeben, wenngleich die Aussichten für die USA bei aller Unsicherheit über den Kurs des neuen Präsidenten angepasst werden müssten. Durch die potenziell stimulierenden Maßnahmen der neuen Regierung könnte das Wachstum höher ausfallen als bisher angenommen und der Konsum durch mögliche Steuererleichterungen unterstützt werden. Risiken für die Wirtschaft würden sich aus denkbaren Handelsstreitigkeiten ergeben, zum Beispiel mit China. Dadurch könnte sich auch eine erhöhte Inflation ergeben. Unter diesen Voraussetzungen könnte die FED, wie oben bereits erwähnt, einen etwas restriktiveren Pfad wählen.

In Europa bestehe nach wie vor hohe Unsicherheit über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Austritts Großbritanniens aus der EU. Fraglich sei vor allem, ob sich der Brexit auch in zurückhaltenden Investitionen sowohl in Großbritannien als auch auf dem Festland niederschlagen werde. Die tatsächlichen Folgen für den Warenverkehr würden erst abschätzbar, wenn sich mehr Klarheit über die Art und Weise des Austritts abzeichne.

Sofern die Rohstoffpreise nicht wieder fallen würden, dürften die Inflationserwartungen in den nächsten Monaten weiter hoch bleiben. Dieser Ölpreis- Effekt sollte aber nicht nachhaltig sein, und die Effekte dürften sich im Jahresverlauf wieder abschwächen. Die Notenbankpolitik könne also sehr expansiv bleiben und das Anleihe-Kaufprogramm bis zum Dezember 2017 fortgeführt werden, wie die EZB es bereits beschlossen habe. Keinesfalls würden die Analysten erwarten, dass die Zentralbanker die Leitzinsen in Europa in diesem Jahr anheben würden. (06.01.2017/alc/a/a)