Renten: Von hohen Leitzinsen und robusten Unternehmen


05.12.22 08:42
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Geldpolitik in den USA dürfte die Renditen von US-Staatsanleihen stützen, so die Analysten von Postbank Research.

Unternehmenspapiere aus dem Euro- und US-Dollar-Raum könnten von einer höheren Kreditwürdigkeit profitieren.

Die Renditen von US-Staatsanleihen mit längerer Laufzeit würden aktuell stark von der Geldpolitik und den unsicheren Wachstumsaussichten für das kommende Jahr beeinflusst. Der US-Leitzinskorridor könnte auf 5,00 bis 5,25% im 1. Quartal 2023 steigen und das Ende des laufenden Erhöhungszyklus markieren. Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürfte die US-Notenbank Federal Reserve (FED) anschließend aber die Zinsen über das Jahresende hinaus unverändert lassen.

Die Renditen 10-jähriger US-Staatspapiere könnten Ende 2023 bei 4,2% und die der 2-Jährigen bei 4,1% liegen. Dabei beruhe die Prognose auf der Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung nach einer leichten Rezession im 1. Halbjahr 2023 in den USA. Die US-Inflation werde dabei voraussichtlich weiter deutlich über dem FED-Ziel von 2% liegen. Dieses Szenario würde zu einem weiteren Anstieg der realen Rendite 10-jähriger US-Papiere auf 170 Basispunkte führen.

Globale Unternehmensanleihen mit guter und sehr guter Bonität (Investment Grade, IG) könnten derzeit mit stabilen Fundamentaldaten und robusten Bewertungen aufwarten. In einem konjunkturell fragilen Umfeld müssten Anleger aber weiterhin auf stärkere Kursschwankungen gefasst sein. Dennoch spreche einiges dafür, dass sich die Risikoaufschläge für IG-Papiere aus dem US-Dollarraum bis Ende 2023 einengen würden.

Gründe seien neben der fundamentalen Stärke der Unternehmen stabile Ratings und die globale Nachfrage nach Zinspapieren, die zu einer Erholung der Kreditwürdigkeit beitragen sollten. Auch bonitätsstarke europäische Unternehmensanleihen würden interessant bleiben. In den Risikoaufschlägen für EUR-IG-Anleihen sei nach Einschätzung der Deutschen Bank die erwartete Konjunkturabschwächung bereits weitgehend eingepreist.

Im Segment der risikoreicheren Hochzinsanleihen (High Yield, HY) würden sich derzeit für die meisten Emittenten weltweit die Fundamentaldaten ebenfalls als günstig darstellen. In den kommenden zwölf Monaten drohe allerdings ein Anstieg der Ausfallraten, die sich aktuell auf einem ungewöhnlich niedrigen Niveau bewegen würden. Die Kreditqualität gelte aber gerade bei Schuldverschreibungen, die in US-Dollar denominiert seien, als vergleichsweise hoch. Dies könnte die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit neutralisieren. Langfristig möglicherweise interessant: Europäische Hochzinsanleihen. Ihr Bewertungsniveau sei attraktiver geworden, Ratings und Fundamentaldaten würden sich besser als erwartet entwickeln.

Die Risikoaufschläge für Schwellenländeranleihen, die sogenannten Credit Spreads, dürften sich aus Sicht der Deutschen Bank in den nächsten zwölf Monaten tendenziell einengen. Die Gründe: Eine restriktive Geldpolitik der meisten Schwellenländer-Notenbanken sowie vergleichsweise starke Fundamentaldaten. In vielen Ländern lägen die Leitzinsen bereits in der Nähe ihres für den laufenden Zyklus erwarteten Höchststands oder hätten diesen bereits erreicht. Jüngste Inflationsdaten aus Brasilien, Mexiko, Indien und Indonesien würden bereits eine Abschwächung des dortigen Preisdrucks zeigen. Weitere Schwellenländer dürften folgen, womit auch ein Ende tendenziell steigender Anleiherenditen wahrscheinlicher werden sollte.

Die Märkte würden zunehmend Abwärtsrisiken einpreisen, sodass sich für die Staatsanleihen der Schwellenländer ein interessantes Kurspotenzial ergeben könnte. Die schwächeren globalen Wachstumsaussichten dürften jedoch auch an den aufstrebenden Volkswirtschaften nicht spurlos vorübergehen. Dabei würden geopolitische Risiken der größte Unsicherheitsfaktor bleiben. (Ausgabe Kapitalmarktausblick Dezember 2022) (05.12.2022/alc/a/a)





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