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Renten: Verluste an den EM-Anleihen- und Aktienmärkten in ähnlichen Größenordungen


01.10.13 15:34
GECAM

Wangen (www.anleihencheck.de) - Zu Beginn des letzten Monats wurden besonders politische Risiken - US-Zentralbankpolitik, Syrien, Bundestagswahl - als kurzfristig bedeutende Unsicherheitsfaktoren für die Kapitalmärkte genannt, so die Experten von GECAM.

Diese seien nun größtenteils vom Tisch. Was sei geblieben? Weitere politische Unsicherheitsfaktoren: Streit über das Schuldenlimit in den USA, Regierungstheater in Italien und zunächst keine klare Regierungskonstellation in Deutschland. Um das Fazit vorwegzunehmen, politische Risiken würden dominierend bleiben, die Lage sei jedoch viel besser als die Stimmung. Kommen wir zu den Fakten, so die Experten von GECAM.

Seit der Ankündigung Ben Bernankes, die Anleihekaufprogramme zurückfahren zu wollen, hätten die Schwellenländer unter teils massiven Kapitalabflüssen gelitten. Die Angst vor dem Ende des billigen Geldes habe zum Beispiel die Indonesische Rupie, den Brasilianischen Real und die Indische Rupie um rund 20 Prozent abwerten lassen. Hinzu seien Verluste an den dortigen Anleihen und Aktienmärkten in ähnlichen Größenordungen gekommen.

In den vergangenen Wochen habe sich die Lage allerdings etwas entspannt und die Verluste seien teilweise wieder wettgemacht worden. Dass diese Länder jedoch nicht alle über einen Kamm zu scheren seien, zeige sich an den Leistungsbilanzsalden. Während China, Vietnam oder Südkorea mit Überschüssen aufwarten könnten, würden Indien, Indonesien und Brasilien unter wachsenden Defiziten leiden. Darin spiegle sich die Abhängigkeit von ausländischem Kapital wider, was ein enormes strukturelles Defizit dieser Länder darstelle.

Auch konjunkturell gebe es Differenzierungen. Während in Indien und Brasilien diverse Konjunkturindikatoren weiter abwärts gerichtet seien, gebe es in China erste Hoffnungszeichen.

Mittlerweile hätten die sogenannten Schwellenländer einen Anteil am Welt-Inlandsprodukt (BIP) von rund 40 Prozent. Der Anteil an der Wachstumsdynamik betrage satte 75 Prozent des Weltwirtschaftswachstums. Knapp ein Viertel aller Bankeinlagen weltweit lägen in den Emerging Marktes. Der Aktienmarkt spiegle rund 20 Prozent der Weltkapitalisierung wider. Insgesamt also beeindruckende Werte, die zeigen würden, dass es ohne die Dynamik und das Gewicht der Wirtschaft in den aufstrebenden Ländern keine rosige Zukunft für die Industrieländer alter und westlicher Prägung gäbe.

Doch komme diese Bedeutung auch in dem wichtigsten Aktienindex der Welt, der nahezu jedem institutionellen Investor als Benchmark diene, dem MSCI World Index, zur Geltung? Leider nein, denn in diesem internationalen Aktienindex sei kein Schwellenland vertreten. Daraus folge, dass die Korrekturen in den Asset-Märkten dieser Länder aus strategischer Sicht Einstiegsgelegenheiten bieten würden. Ein differenzierter Blick innerhalb der Länder und Branchen sei jedoch geboten.

Medial genieße der Konjunkturaufschwung in den USA und Japan große Aufmerksamkeit. Übersehen werde dabei, dass dieser im Gegensatz zu Europa, mit viel neu gedrucktem Geld erkauft werde. So drucke die US-Zentralbank bis zum heutigen Tag monatlich 85 Mrd. Dollar neues Geld, mit dem sie Anleihen am Kapitalmarkt kaufe. Die japanische Notenbank stehe dem in nichts nach und habe zum Ziel, die Geldbasis von Ende 2012 (138 Trillionen Yen) auf 270 Trillionen Yen bis Ende 2014 zu verdoppeln. Den Finanzmärkten werde dadurch innerhalb der nächsten 15 Monate nochmals Liquidität im Umfang von rund 930 Mrd. US-Dollar allein von japanischer Seite zugeführt.

Im Gegensatz dazu zeige sich die europäische Geldpolitik geradezu als Hort der Stabilität. Die europäischen Banken hätten sogar seit Mitte 2012 rund 400 Mrd. Euro aus den 3-Jahres-Tendern der EZB zurückgezahlt. Die geringere konjunkturelle Dynamik in Europa sei deshalb als gesünder einzustufen, als das durch massive monetäre Stimulanz und Konjunkturprogramme hervorgerufene Wirtschaftswachstums-Strohfeuer ohne strukturelle Reformen in Amerika und Japan.

Kapitalabflüsse aus den Emerging Markets und Renditesteigerungen bei Staatsanleihen seien Kennzeichen eines drohenden Endes der ultralockeren Geldpolitik gewesen. Eine Fortsetzung dieser Tendenzen mit der bisherigen Dynamik würden die Experten nicht sehen. Das bedeute ein differenzierteres Bild für die Schwellenländer, unter anderem auch mit günstigen Einstiegsmöglichkeiten.

Renditesteigerungen in den westlichen Industrieländern würden nur noch moderat erfolgen, da erstens ein Zurückfahren der Quantitative-Easing-Programme nicht so schnell vonstatten gehen werde wie zunächst von den Marktteilnehmern befürchtet, und zum zweiten ein sukzessives "Tapering" bereits eingepreist sei und nicht mehr negativ überraschen sollte.

Aktien, und insbesondere europäische Aktien, seien vor diesem Hintergrund nach wie vor erste Wahl. Moderat steigende Renditen und eine weiter wachsende Weltwirtschaft würden vor allem deutschen Dividendentiteln überdurchschnittliches Potenzial bieten. Mit moderat steigenden Langfristrenditen werde in der Regel auch die Zinsstrukturkurve steiler.

Seit Mai diesen Jahres habe sich die Renditedifferenz zwischen zehn- und zweijährigen Bundespapieren in der Spitze um 80 Basispunkte erhöht. Hierin komme die wachsende Zuversicht einer konjunkturellen Verbesserung zum Ausdruck. Daraus würden wiederum positivere Gewinnschätzungen für die Unternehmen folgen.

Die Konsensschätzungen für die Unternehmensgewinne im DAX per 2015 lägen bei 834 Indexpunkten im Vergleich zu 670 Punkten für das laufende Jahr. Daraus folge ein potenzielles KGV per 2015 von 10,5 bei unverändertem Indexstand. Auch im historischen Vergleich günstige Bewertungen mit viel Potenzial für weiter steigende Kurse - durch politische Risiken hervorgerufene Schwankungen natürlich inbegriffen. (01.10.2013/alc/a/a)