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Renten: US-Notenbank bestimmt die Märkte
21.06.13 16:26
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Aufmerksamkeit in dieser Woche galt ausschließlich der US-amerikanischen Polit- und Wirtschaftselite, so die Analysten der Weberbank.
So hätten sich alle Blicke hierzulande auf den Besuch des US-Präsidenten Barack Obama konzentriert, der bei tropischen Temperaturen vor einem erwartungsvollen Publikum am Brandenburger Tor eine Grundsatzrede gehalten und weitere atomare Abrüstungen angekündigt habe. Einige Stunden später habe sich ein weiterer einflussreicher US-Amerikaner an ein mindestens ebenso gespanntes Publikum gerichtet: Hierbei habe es sich um den Vorsitzenden der US-Notenbank Ben Bernanke gehandelt, der den Kapitalmarkt über die neuesten Entscheidungen der FED informiert habe.
Nachdem bereits im Mai erste Anzeichen einer restriktiveren Geldpolitik die Kapitalmärkte verunsichert hätten, sei jedes einzelne Wort des Notenbankchefs auf die Goldwaage gelegt worden. Tatsächlich habe Ben Bernanke Neuigkeiten im Gepäck gehabt: Während erwartungsgemäß der Leitzins unverändert geblieben sei, habe die FED erstmals Informationen zu möglichen Verringerungen der Anleihenkäufe veröffentlicht.
Zur Erinnerung: Seit Ende letzten Jahres kaufe die Notenbank monatlich im Wert von 85 Milliarden US-Dollar immobilienbesicherte Anleihen sowie US-Staatsanleihen. Sollte sich hingegen die moderate Wirtschaftserholung der USA in den kommenden Monaten fortsetzen, wäre der Beginn reduzierter Anleihenkäufe noch in diesem Jahr möglich. Die Reaktion der Kapitalmärkte sei prompt gefolgt. Ein Rückfluss der Liquiditätsversorgung vonseiten der US-Notenbank habe sowohl Renten-, Aktien- als auch Rohstoffmärkten missfallen, und dementsprechend hätten alle Anlageklassen bereits während der Pressekonferenz deutliche Kursrückgänge verkraften müssen. Die Analysten könnten sich allerdings gut vorstellen, dass die erste Marktreaktion aus mittelfristiger Sicht nicht die Richtige sei.
Die weltweiten Rentenmärkte seien besonders stark durch die Kommentare von Ben Bernanke in Mitleidenschaft gezogen worden. Insbesondere öffentliche Anleihen der USA hätten bereits im Vorfeld der FED-Sitzung auf Spekulationen über eine restriktivere Geldpolitik reagiert. So sei die Rendite 10-jähriger öffentlicher US-Anleihen seit Anfang Mai um knapp 80 Basispunkte angestiegen und notiere derzeit auf dem höchsten Niveau seit Mitte 2011.
Aber auch Schwellenländer-, Hochzins- und Unternehmensanleihen hätten sensibel reagiert und Verluste verbuchen müssen. Selbst die Renditen deutscher Staatsanleihen seien in den vergangenen Tagen markant angestiegen, wobei die Analysten anhand der Charttechnik die Diagnose einer Zinswende für verfrüht halten würden. Sie würden allerdings in den kommenden Wochen und Monaten eine anhaltend hohe Volatilität an den Rentenmärkten erwarten, die von den zukünftigen Volkswirtschaftsdaten, insbesondere vom US-Arbeitsmarkt, beeinflusst werden sollte.
Auch die Aktienmärkte hätten verschnupft auf die Nachrichten der US-Notenbank reagiert, hätten allerdings die Abwärtsbewegungen einigermaßen begrenzen können. Aus Sicht der Analysten würden sich die Leitindices sowohl aus den USA als auch aus Deutschland weiterhin nur in einer Konsolidierungsphase innerhalb des langfristigen Aufwärtstrends befinden. Die Analysten seien der Ansicht, dass speziell der amerikanische Aktienmarkt mittelfristig unterstützt bleiben sollte. Denn die Reduzierung der Liquiditätsversorgung bedeute ebenso, dass die US-Zentralbank wesentlich positiver auf die US-Konjunktur blicke, und dies wiederum sollte die Aktienmärkte beleben.
Die Situation in den Wachstumsländern Asiens und Lateinamerikas sehe hingegen prekärer aus: Die Abwärtsbewegungen der vergangenen Wochen würden sich sukzessive fortsetzen und würden von fundamental schwachen Wirtschaftskennzahlen und politischen Unruhen, wie z.B. in Brasilien, verstärkt.
Wie bereits angedeutet, hätten sich auch die Rohstoffmärkte den negativen Marktbewegungen nicht entziehen können. Insbesondere Edelmetalle seien in den vergangen Wochen stark abverkauft worden. So sei Gold auf Jahressicht um über 20 Prozent gefallen und notiere mittlerweile auf einem Zweieinhalb-Jahrestief. Dementsprechend sei ein Ende des Abwärtstrends bisher noch nicht in Sicht. Die Analysten würden daher für Gold aktuell keine Kaufempfehlung aussprechen.
Obwohl der Kapitalmarkt in dieser Woche Volkswirtschaftsdaten weitgehend ignoriert habe, lohne ein Blick auf die Entwicklung der Weltwirtschaft. Besonders positiv hätten sich die Frühindikatoren aus Europa hervorgehoben. Die Einkaufsmanagerumfragen aus Gesamteuropa hätten sich seit Mitte vergangenen Jahres sukzessive aufgehellt, würden sich allerdings weiterhin noch nicht im expansiven Terrain befinden.
In den Vereinigten Staaten setze sich die Erholung am Immobilienmarkt fort. Baubeginne, Häuserpreise und Verkaufszahlen würden sich positiv entwickeln und würden die Stimmung unter den Bauträgern auf ein Mehrjahreshoch treiben. Mit Blick auf die niedrigen Inflationszahlen sollte aktuell kein Druck hinsichtlich restriktiver Maßnahmen auf der FED lasten, da die Inflation weiterhin unter dem Zwei-Prozent-Ziel verharre. Dementsprechend würden die US-Arbeitsmarktberichte Anfang Juli und August von entscheidender Bedeutung für die zukünftige Notenbankpolitik sein. (21.06.2013/alc/a/a)
So hätten sich alle Blicke hierzulande auf den Besuch des US-Präsidenten Barack Obama konzentriert, der bei tropischen Temperaturen vor einem erwartungsvollen Publikum am Brandenburger Tor eine Grundsatzrede gehalten und weitere atomare Abrüstungen angekündigt habe. Einige Stunden später habe sich ein weiterer einflussreicher US-Amerikaner an ein mindestens ebenso gespanntes Publikum gerichtet: Hierbei habe es sich um den Vorsitzenden der US-Notenbank Ben Bernanke gehandelt, der den Kapitalmarkt über die neuesten Entscheidungen der FED informiert habe.
Nachdem bereits im Mai erste Anzeichen einer restriktiveren Geldpolitik die Kapitalmärkte verunsichert hätten, sei jedes einzelne Wort des Notenbankchefs auf die Goldwaage gelegt worden. Tatsächlich habe Ben Bernanke Neuigkeiten im Gepäck gehabt: Während erwartungsgemäß der Leitzins unverändert geblieben sei, habe die FED erstmals Informationen zu möglichen Verringerungen der Anleihenkäufe veröffentlicht.
Zur Erinnerung: Seit Ende letzten Jahres kaufe die Notenbank monatlich im Wert von 85 Milliarden US-Dollar immobilienbesicherte Anleihen sowie US-Staatsanleihen. Sollte sich hingegen die moderate Wirtschaftserholung der USA in den kommenden Monaten fortsetzen, wäre der Beginn reduzierter Anleihenkäufe noch in diesem Jahr möglich. Die Reaktion der Kapitalmärkte sei prompt gefolgt. Ein Rückfluss der Liquiditätsversorgung vonseiten der US-Notenbank habe sowohl Renten-, Aktien- als auch Rohstoffmärkten missfallen, und dementsprechend hätten alle Anlageklassen bereits während der Pressekonferenz deutliche Kursrückgänge verkraften müssen. Die Analysten könnten sich allerdings gut vorstellen, dass die erste Marktreaktion aus mittelfristiger Sicht nicht die Richtige sei.
Die weltweiten Rentenmärkte seien besonders stark durch die Kommentare von Ben Bernanke in Mitleidenschaft gezogen worden. Insbesondere öffentliche Anleihen der USA hätten bereits im Vorfeld der FED-Sitzung auf Spekulationen über eine restriktivere Geldpolitik reagiert. So sei die Rendite 10-jähriger öffentlicher US-Anleihen seit Anfang Mai um knapp 80 Basispunkte angestiegen und notiere derzeit auf dem höchsten Niveau seit Mitte 2011.
Auch die Aktienmärkte hätten verschnupft auf die Nachrichten der US-Notenbank reagiert, hätten allerdings die Abwärtsbewegungen einigermaßen begrenzen können. Aus Sicht der Analysten würden sich die Leitindices sowohl aus den USA als auch aus Deutschland weiterhin nur in einer Konsolidierungsphase innerhalb des langfristigen Aufwärtstrends befinden. Die Analysten seien der Ansicht, dass speziell der amerikanische Aktienmarkt mittelfristig unterstützt bleiben sollte. Denn die Reduzierung der Liquiditätsversorgung bedeute ebenso, dass die US-Zentralbank wesentlich positiver auf die US-Konjunktur blicke, und dies wiederum sollte die Aktienmärkte beleben.
Die Situation in den Wachstumsländern Asiens und Lateinamerikas sehe hingegen prekärer aus: Die Abwärtsbewegungen der vergangenen Wochen würden sich sukzessive fortsetzen und würden von fundamental schwachen Wirtschaftskennzahlen und politischen Unruhen, wie z.B. in Brasilien, verstärkt.
Wie bereits angedeutet, hätten sich auch die Rohstoffmärkte den negativen Marktbewegungen nicht entziehen können. Insbesondere Edelmetalle seien in den vergangen Wochen stark abverkauft worden. So sei Gold auf Jahressicht um über 20 Prozent gefallen und notiere mittlerweile auf einem Zweieinhalb-Jahrestief. Dementsprechend sei ein Ende des Abwärtstrends bisher noch nicht in Sicht. Die Analysten würden daher für Gold aktuell keine Kaufempfehlung aussprechen.
Obwohl der Kapitalmarkt in dieser Woche Volkswirtschaftsdaten weitgehend ignoriert habe, lohne ein Blick auf die Entwicklung der Weltwirtschaft. Besonders positiv hätten sich die Frühindikatoren aus Europa hervorgehoben. Die Einkaufsmanagerumfragen aus Gesamteuropa hätten sich seit Mitte vergangenen Jahres sukzessive aufgehellt, würden sich allerdings weiterhin noch nicht im expansiven Terrain befinden.
In den Vereinigten Staaten setze sich die Erholung am Immobilienmarkt fort. Baubeginne, Häuserpreise und Verkaufszahlen würden sich positiv entwickeln und würden die Stimmung unter den Bauträgern auf ein Mehrjahreshoch treiben. Mit Blick auf die niedrigen Inflationszahlen sollte aktuell kein Druck hinsichtlich restriktiver Maßnahmen auf der FED lasten, da die Inflation weiterhin unter dem Zwei-Prozent-Ziel verharre. Dementsprechend würden die US-Arbeitsmarktberichte Anfang Juli und August von entscheidender Bedeutung für die zukünftige Notenbankpolitik sein. (21.06.2013/alc/a/a)


