Erweiterte Funktionen

Renten: Starke Erholung


25.10.13 15:12
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die politischen Streithähne in Amerika konnten sich in letzter Minute auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigen und verhinderten damit einen Zahlungsausfall der USA sowie ein mögliches Chaos an den Finanzmärkten, so die Analysten der Weberbank.

Der Kompromiss sehe eine Erhöhung der Schuldenobergrenze bis zum 7. Februar 2014 und einen Übergangshaushalt bis zum 15. Januar 2014 vor. Den ökonomischen Schaden des sogenannten "government shutdowns" schätze die Ratingagentur Standard and Poor"s auf ca. 24 Mrd. Dollar. Dies würde eine Belastung des US-Bruttoinlandsproduktes im vierten Quartal von ca. 0,5% p.a. bedeuten, was als überschaubare Größe zu werten sei.

Allerdings seien die Schulden- und Haushaltsprobleme nur in die Zukunft verschoben, und eine nachhaltige Lösung sei bisher nicht in Sicht. Bereits zum Ende des Jahres dürften die Diskussionen um mögliche Sparmaßnahmen wieder aufkochen und sich auf die Stimmung von Unternehmen und Verbrauchern auswirken.

Von den Konjunkturdaten habe der US-Arbeitsmarktbericht enttäuscht: Hier sei vor allem der Stellenaufbau hinter den Erwartungen der Marktteilnehmer zurückgeblieben. Aus Sicht der Analysten werde sich das sogenannte "Tapering", also die Reduzierung der US-Anleihenkäufe durch die amerikanische Notenbank mit großer Wahrscheinlichkeit in das Jahr 2014 verschieben. Gründe seien die nur langsame Erholung des Arbeitsmarktes sowie die Unsicherheit bezüglich des Ausgabe- und Investitionsverhaltens der Verbraucher und Unternehmen.

Der US-Hauhaltsstreit sowie der US-Arbeitsmarktbericht hätten auch den europäischen Rentenmarkt beeinflusst. Insbesondere deutsche Staatsanleihen hätten als "sicherer Hafen" profitiert, aber auch die Schuldverschreibungen der meisten anderen Euroländer hätten Renditerückgänge verzeichnet. So sei die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe seit Mitte Oktober von 1,92% auf derzeit 1,75% gefallen.

Die Analysten würden denken, dass die politischen Unsicherheiten und die anhaltend expansiven Notenbankpolitik die wesentlichen Treiber des Renditerückgangs seien. Angesichts des niedrigen Renditeniveaus am Staatsanleihenmarkt würden die Analysten empfehlen, Unternehmensanleihen sowie Wandelanleihen dem Portfolio beizumischen.

Die europäischen Aktienmärkte hätten schon im Vorfeld des US-Schuldenstreites steigen können und einen positiven Ausgang des Konfliktes vorweg genommen. Der deutsche Leitindex DAX sowie der amerikanische S&P 500 Index hätten sogar neue Allzeithöchststände markiert. Insbesondere die Aussicht auf eine Verschiebung des "Taperings" in das neue Jahr habe zuletzt für eine Beschleunigung des Aufwärtstrends gesorgt.

Nach der Konfliktlösung würden die Fundamentaldaten wieder in den Vordergrund treten: Die derzeit laufende Berichtssaison in den USA könne als "gut" bezeichnet werden. Mittlerweile hätten 212 der im S&P 500-Aktienindex gelisteten Unternehmen ihre Zahlen publiziert. Von diesen hätten fast 76% die Gewinn-Schätzungen der Analysten übertroffen, womit der langjährige Durchschnitt (63%) übertroffen worden sei.

In Europa habe die Berichtssaison gerade erst begonnen. Zwar sei das Bewertungsniveau wie z.B. das Kurs/Gewinn-Verhältnis in einigen Ländern nicht mehr als billig zu bezeichnen. Die Analysten würden aber davon ausgehen, dass die Haupttreiber für die positive Aktienentwicklung expansive Geldpolitik, weltwirtschaftliche Erholung, Beruhigung der Staatsschuldenkrise sowie fehlende renditeträchtige Anlagealternativen weiter intakt seien.

Für einen nachhaltigen Aufschwung der europäischen Aktienmärkte müssten allerdings die Unternehmensgewinne weiter steigen. Dies sei momentan noch nicht auf breiter Basis zu erkennen. Mit dem Anstieg vieler Frühindikatoren wie z.B. der Einkaufsmanagerindices nehme die Wahrscheinlichkeit für einen Gewinnanstieg aber weiter zu. Charttechnisch befinde sich der DAX weiterhin in einem mittel- bis langfristigen Aufwärtstrend. Solange die Unterstützung bei 8450 Punkten halte, stünden die Chancen für die Fortsetzung des positiven Trends sehr gut.

Der Euro habe ein wahres Kursfeuerwerk erlebt und sei gegenüber dem USD auf ein neues Jahreshoch gestiegen. Der schlechter als erwartete Arbeitmarktbericht aus Amerika und die damit verbundene noch länger anhaltende Geldflut aus den USA seien für den Kurssprung verantwortlich gewesen.

Die Analysten würden davon ausgehen, dass die politischen Unsicherheiten in den USA sowie die expansive US-Geldpolitik den Euro gegenüber dem USD noch kurzfristig bis in den Bereich von 1,40 EUR/USD tragen könnten. Mittelfristig sollte der US-Dollar aufgrund der wirtschaftlichen Stärke Amerikas sowie dem langsamen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik wieder an Stärke gewinnen. (25.10.2013/alc/a/a)