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Renten: Renditetiefs liegen hinter uns


11.10.13 15:34
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Aus Geldmangel geschlossene Nationalparks, abgesagte Regierungsreisen, aufgeschobene Veröffentlichungen nationaler Statistikbehörden. Hört sich nach dritter Welt an? Unglaublich aber wahr, es handelt sich dabei um die USA, die größte Volkswirtschaft der Welt, so die Analysten der Weberbank.

Seit einiger Zeit schon würden sich hier die beiden politischen Lager, Demokraten und Republikaner, um die Ausgestaltung des US-Haushaltes und die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama streiten. Bisher seien die Gespräche ohne Erfolg verlaufen. In der vergangenen Woche hätten nun erste Konsequenzen gezogen werden müssen: Ein Auszahlungsstopp für Ausgaben der öffentlichen Hand sei verhängt worden.

Eine Fortsetzung dieses Kurses könne sowohl die Weltkonjunktur als auch die Weltbörsen belasten. Schätzungen würden von einer Belastung der US-Wirtschaftsleistung durch den Zahlungsstopp um 0,1 bis 0,2 Prozent pro Woche ausgehen. Zwischen 1977 und 1996 habe es 17 solcher sogenannter "government shutdowns" gegeben, zuletzt vom 16. Dezember 1995 bis 6. Januar 1996 unter Bill Clinton. Der Kursdruck am Aktienmarkt sei stets mäßig und schnell aufgeholt gewesen.

Viel brisanter als der derzeit noch im Fokus stehende Haushaltsentwurf sei aber die Schuldenobergrenze, die zwischen Mitte Oktober und Anfang November erreicht werde. Hier gelte, je später die Lösung, desto garstiger vermutlich das Börsengeschehen. Aber auch eine schnelle Einigung auf ein sehr großzügiges neues Schuldenlimit könnte mit einer möglichen Ratingverschlechterung der USA ein böses Erwachen bringen. Am wahrscheinlichsten sei wohl, dass es zu einem Kompromiss in letzter Minute komme, bevor der Makel eines nicht bedienten Kupons einer US-Staatsanleihe entstehe.

Aber selbst diese sich langsam andeutende Einigung scheine wieder nur eine Übergangslösung zu sein. Das Thema wird uns wohl leider noch länger erhalten bleiben, so die Analysten der Weberbank. Immerhin hätten die Amerikaner eine andere Unsicherheit in den letzten Tagen beseitigen können: Als Nachfolgerin des amtierenden US-Notenbankchefs Ben Bernanke sei Janet Yellen nominiert worden. Yellen, die erste Frau in dieser Position seit Gründung der Notenbank, stehe als starke Verfechterin der expansiven Geldpolitik der letzten Jahre für eine Fortsetzung dieser Politik. Eine baldige und deutliche Änderung des geldpolitischen Kurses sei durch sie nicht zu erwarten.

Der deutsche Rentenmarkt habe von der Verunsicherung profitieren können, die durch den US-Haushaltsstreit entstanden sei. Deutsche Staatsanleihen würden zu den wenigen verbliebenen sicheren Häfen zählen, die Anleger noch hätten, auch wenn das Renditepotential sehr dürftig sei. Durch die aktuelle Entwicklung sei der seit Mai andauernde Zinsanstieg vorerst gestoppt worden. Eine Trendumkehr ist jedoch nicht auszumachen und somit sollten die Renditetiefs für deutsche Staatspapiere hinter uns liegen, so die Analysten der Weberbank. Mehr Potenzial würden immer noch Unternehmensanleihen und Wandelanleihen liefern. Eine Beimischung dieser Segmente in einem Anleihenportfolio sei weiter ratsam.

Die Aktienmärkte hätten sich wenig beeindruckt vom Wirbel um den Haushaltsstreit in den USA gezeigt. Die europäischen Börsen hätten sehr robust notiert, nur der amerikanische Aktienmarkt habe leichte Verluste hinnehmen müssen. Ab dieser Woche seien die Augen der Marktteilnehmer wieder vermehrt auf die Berichterstattung der Unternehmen gerichtet.

Es würden die großen amerikanischen Unternehmen berichten, wie der Geschäftsverlauf im 3. Quartal gewesen sei. Die Erwartungen der Analysten seien groß, werde doch mit einem durchschnittlichen Zuwachs beim Gewinn von 11 Prozent gerechnet. Speziell den Sektoren Industrie, Energie und Grundstoffe gelte hier besondere Aufmerksamkeit. Deren Entwicklung sei im laufenden Jahr bisher enttäuschend verlaufen.

Ein Anziehen der US-Konjunktur, wie von vielen erwartet und durch etliche volkswirtschaftliche Indikatoren angedeutet, sollte sich hier positiv auswirken. Diese Branchen seien ein guter Gradmesser für den Zustand der Volkswirtschaft. Gewinnsteigerungen dürften primär durch Umsatzzuwächse möglich gewesen sein, da die Margen sich auf einem Rekordniveau befinden und wenig Raum für weitere Steigerungen lassen würden. Zwar sei bei europäischen Aktien erst später im Oktober mit Details zur Unternehmensentwicklung zu rechnen, die Tendenz der Berichterstattung werde jedoch auch hier mit Spannung erwartet.

In den letzten Monaten hätten sich die Hoffnungszeichen auf eine langsame Gesundung der europäischen Volkswirtschaft gehäuft. Die Börsen hätten auf die positive Tendenz mit Kursgewinnen reagiert. Die Unternehmensgewinne seien jedoch bisher zurückgeblieben. Um eine nachhaltige Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten zu untermauern und Spielraum für weitere Kurssteigerungen zu schaffen, sei eine Belebung der Gewinne bei den europäischen Unternehmen wichtig. Zu den schwächsten Aktiensegmenten seit Jahresanfang würden weiterhin die Schwellenländer zählen.

Vor allem die Schwergewichte China, Brasilien, Indien und Russland würden enttäuschen. Trotz attraktiver Bewertungen stünden die Märkte nicht in der Gunst der Investoren. Die Euphorie sei der Ernüchterung gewichen. Einstellige Wachstumsraten der Volkswirtschaften, schwache Unternehmensergebnisse und die Aussicht auf weniger Liquidität für das globale Finanzsystem durch die US-Notenbank hätten die kurzfristige Stimmung vergiftet. Auf Sicht der nächsten Monate würden die Analysten nicht mit einer deutlichen Änderung des Umfeldes rechnen. Aus strategischer Sicht würden Schwellenländer jedoch in jedes Aktiendepot gehören. (11.10.2013/alc/a/a)