Renten: Renditen fallen trotz hoher Inflationsdaten


14.06.21 11:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Man kann es eigentlich schon als Rendite-Rätsel bezeichnen. Stark steigende Inflationsraten in Verbindung mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum stellen eigentlich ein kaum schmeichelhaftes Szenario für den Renteninvestor dar, so die Experten von Union Investment.

Schließlich müssten in diesem Umfeld die Renditen von US-Staatsanleihen steigen und für umfangreiche Kursverluste sorgen. Doch weit gefehlt, denn gestern sei die Verzinsung zehnjähriger US-Treasuries nach Veröffentlichung der hohen Inflationszahlen bis auf 1,43 Prozent zurückgefallen. Zum Freitag der Vorwoche habe die Rendite noch bei 1,55 Prozent gelegen. Und die Nachfrage sei groß geblieben, wie die Ausgabe einer neuen zehnjährigen US−Schatzanweisung am Mittwoch gezeigt habe. Denn diese sei so stark nachgefragt gewesen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Doch wie lasse sich diese rätselhafte Entwicklung erklären?

Wichtiger als der Preisdruck selbst scheine, was die US-Notenbank dazu zu sagen habe. In den letzten Wochen sei es der US-Notenbank FED gelungen, die Marktteilnehmer zu beruhigen. Diese sei dabei äußerst geschlossen aufgetreten und habe dabei nahezu mantramäßig die immer gleiche Botschaft wiederholt: Man befinde sich in einer Phase vorrübergehend höherer Inflationsraten, die aber nicht von langer Dauer sei.

Schaue man sich den Inflationsbericht genauer an, falle auf, dass der Preisdruck vor allem in jenen Sektoren entstanden seien, die besonders von der Wiedereröffnung der US-Wirtschaft profitieren würden. Hierzu würden etwas Gebrauchtwagen, Unterkünfte oder Flugpreise zählen. Deren Anteil an der Preissteigerung sei zuletzt zwar rückläufig gewesen, habe aber weiterbei über 50 Prozent gelegen. Das hohe Preisniveau dürfte im Rahmen des Reopening vorerst weiter anhalten, der Inflationspfad aber im kommenden Jahr allmählicher flacher werden.

Mit Blick auf die Zinskurven sei sowohl in den USA als auch in Deutschland eine Verflachung über die langen Laufzeiten zu beobachten gewesen. Der Renditerückgang habe bis zu 12 Basispunkte betragen, bei den Bundesanleihen sei der Rückgang etwas weniger stark ausgeprägt gewesen und habe in der Spitze bei sieben Basispunkten gelegen.

An den Primärmärkten habe sich ebenfalls einiges getan. Italien habe einen Zehnjahresbond platziert, das Orderbuch sei mit zuletzt mit einer Nachfrage nach Papieren im Gegenwert von 65 Milliarden Euro sehr stark überzeichnet gewesen. Der Titel sei mit einem Renditeaufschlag von sechs Basispunkten gegenüber bereits am Markt gehandelten Papieren an die Investoren gegangen. Darüber hinaus seien Aufstockungen mit drei, sieben sowie 20 Jahren erfolgt, der Gesamtumfang habe rund 18 Milliarden Euro betragen.

Auch Griechenland sei in der Berichtswoche mit von der Partie gewesen. Eine Aufstockung eines bereits bestehenden Zehnjahresbonds im Volumen von 2,5 Milliarden Euro habe eine zwölffache Überzeichnung hervorgerufen. Entsprechend sei die Spreadentwicklung zwischen Peripherie und deutschen Bundesanleihen verlaufen. Im Falle Italiens hätten sich die Renditeaufschläge auf 104 Basispunkte im Zehnjahresbereich eingeengt. Der Euro-Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereigns-Index) habe bis Donnerstagabend 0,3 Prozent zugelegt.

Die freundliche Tendenz habe in der Berichtswoche auch an den Euro-Unternehmensanleihemärkten und bei den in US-Dollar und Euro notierten Bonds aus den Schwellenländern vorgeherrscht.

In der neuen Handelswoche stehe zweifellos die Sitzung der US-Notenbank FED im Blickpunkt. Am Mittwoch trete das Gremium zusammen. Wegen der zunehmenden Inflationsrisiken dürfte die FED beginnen, über den Einstieg in den Ausstieg der sehr expansiven Geldpolitik zu diskutieren. Aber dies sei schon längst erwartet worden, auch vor den jüngsten Preisdaten. Der Fokus der FED zur Lageeinschätzung liege derzeit auf der Entwicklung des US-Arbeitsmarktes. Die Diskussion dürfte eröffnet werden, wenngleich die Ankündigung konkreter Schritte nicht vor dem kommenden Herbst zu erwarten sein dürfte.

Zudem stünden zahlreiche Konjunkturdaten auf der Agenda. Zu den wichtigsten würden am Dienstag die US-Einzelhandelsumsätze und am Mittwoch die chinesische Industrieproduktion (jeweils für Mai) gehören. Darüber hinaus stünden Daten zum US-Immobilienmarkt an und am Freitag trete die Japanische Notenbank zu ihrer Sitzung zusammen. (Ausgabe vom 11.06.2021) (14.06.2021/alc/a/a)