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Renten: Rekordhohe Differenz zwischen US- und deutschen Renditen
29.07.14 10:09
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Die Renditen deutscher Staatsanleihen sind auf ein Allzeittief gefallen, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.
10-jährige Bundesanleihen hätten letzte Woche gerade noch bei 1,15% rentiert. Damit einhergehe auch eine starke Ausweitung der Renditedifferenz zu US-Staatsanleihen. Die Renditen-Divergenz spiegele exakt die wirtschaftliche Situation der westlichen Industriestaaten wider.
Der robuste US-Arbeitsmarkt deute auf ein baldiges Ende der Nullzinspolitik der US-Notenbank FED hin. Die USA hätten sowohl in Bezug auf die Inflationsstabilisierung, als auch bei der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen große Fortschritte erzielt. Ganz anders die Lage im Euroland. Hier habe der starke Inflationsrückgang die Furcht vor einer lang andauernden Tiefinflationsphase in den Mittelpunkt gerückt. Zudem verharre die Arbeitslosigkeit weiterhin auf einem Rekordniveau. Während sich in den USA also eine Normalisierung der wirtschaftlichen Situation abzeichne, stehe die europäische Währungsunion noch immer vor immensen Problemen.
Diese unterschiedliche Ausgangslage diktiere die Geldpolitik der jeweiligen Zentralbanken. Bis Ende 2013 hätten die Finanzinvestoren für die FED und für die Europäische Zentralbank (EZB) in der zweiten Jahreshälfte von 2015 eine erste Zinserhöhung erwartet - für die US-Geldpolitik gelte das noch immer. Der Zinsschritt der EZB hingegen sei vor dem Hintergrund der Deflationsrisiken auf Ende 2017 verschoben worden. Die wirtschaftliche Entkoppelung habe sich also auch auf die Geldpolitik übertragen und drücke sich in der rekordhohen Differenz zwischen US-amerikanischen und deutschen Renditen aus.
Obschon die wirtschaftliche Entkoppelung zwischen den USA und Euroland bereits von den Kapitalmärkten vorweggenommen worden sei, existiere die Möglichkeit, dass sich die Rendite-Divergenz weiter ausweite und deutsche 10-jährige Staatsanleihen letzten Endes unter die 1%-Marke fallen würden?
Folgende Szenarien seien möglich: Zum einen setze sich der Rückgang der Inflation in Euroland fort und zwinge die EZB nach US-Vorbild in großem Stil Staatsanleihen aller Länder zu kaufen - also auch deutsche Staatsanleihen. Zum anderen sei es denkbar, selbst wenn sich die Inflation stabilisiere, dass die Euroland-Wirtschaft analog der japanischen Wirtschaft in den 90er Jahren nie mehr richtig Fuß fasse und die EZB (wie die Bank of Japan dannzumal) die Nullzinspolitik nicht nur die nächsten drei bis vier Jahre, sondern die nächsten zehn Jahre weiterführen müsse.
Sollte eines dieser beiden Szenarien eintreten, so würde dem Fall der deutschen Renditen unter die 1%-Marke nichts mehr im Wege stehen. Dass dieses Szenario auch tatsächlich eintrete, sei jedoch relativ unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher sei, dass die EZB keine noch expansivere Geldpolitik mehr verfolgen werde und sich die deutschen Renditen am langen Ende im Schlepptau der US-Renditen nach oben bewegen würden. (29.07.2014/alc/a/a)
10-jährige Bundesanleihen hätten letzte Woche gerade noch bei 1,15% rentiert. Damit einhergehe auch eine starke Ausweitung der Renditedifferenz zu US-Staatsanleihen. Die Renditen-Divergenz spiegele exakt die wirtschaftliche Situation der westlichen Industriestaaten wider.
Der robuste US-Arbeitsmarkt deute auf ein baldiges Ende der Nullzinspolitik der US-Notenbank FED hin. Die USA hätten sowohl in Bezug auf die Inflationsstabilisierung, als auch bei der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen große Fortschritte erzielt. Ganz anders die Lage im Euroland. Hier habe der starke Inflationsrückgang die Furcht vor einer lang andauernden Tiefinflationsphase in den Mittelpunkt gerückt. Zudem verharre die Arbeitslosigkeit weiterhin auf einem Rekordniveau. Während sich in den USA also eine Normalisierung der wirtschaftlichen Situation abzeichne, stehe die europäische Währungsunion noch immer vor immensen Problemen.
Obschon die wirtschaftliche Entkoppelung zwischen den USA und Euroland bereits von den Kapitalmärkten vorweggenommen worden sei, existiere die Möglichkeit, dass sich die Rendite-Divergenz weiter ausweite und deutsche 10-jährige Staatsanleihen letzten Endes unter die 1%-Marke fallen würden?
Folgende Szenarien seien möglich: Zum einen setze sich der Rückgang der Inflation in Euroland fort und zwinge die EZB nach US-Vorbild in großem Stil Staatsanleihen aller Länder zu kaufen - also auch deutsche Staatsanleihen. Zum anderen sei es denkbar, selbst wenn sich die Inflation stabilisiere, dass die Euroland-Wirtschaft analog der japanischen Wirtschaft in den 90er Jahren nie mehr richtig Fuß fasse und die EZB (wie die Bank of Japan dannzumal) die Nullzinspolitik nicht nur die nächsten drei bis vier Jahre, sondern die nächsten zehn Jahre weiterführen müsse.
Sollte eines dieser beiden Szenarien eintreten, so würde dem Fall der deutschen Renditen unter die 1%-Marke nichts mehr im Wege stehen. Dass dieses Szenario auch tatsächlich eintrete, sei jedoch relativ unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher sei, dass die EZB keine noch expansivere Geldpolitik mehr verfolgen werde und sich die deutschen Renditen am langen Ende im Schlepptau der US-Renditen nach oben bewegen würden. (29.07.2014/alc/a/a)


