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Renten: Regierungskrise in Italien lässt Märkte kalt


23.08.19 11:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen von Treauries und Bundesanleihen sind per saldo im Wochenvergleich leicht gestiegen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Zwischenzeitlich hätten die zehnjährigen Bundesanleihen mit -0,73% aber noch einmal ein neues Rekordtief erreicht, die zweijährigen Bundesanleihen seien kurzfristig auf -0,91% gesunken - damit sei der bisherige Tiefststand bei -0,95% aus dem Februar 2017 knapp verfehlt worden. Sowohl die zwei- als auch die zehnjährigen Treasuries würden gut über 1,50% rentieren. Dabei liege die zehnjährige Laufzeit nur wenige Basispunkte über der zweijährigen, d.h. die Zinsstrukturkurve in den USA sei hier nur knapp nicht invers. Das könne allerdings jederzeit kippen. Eine anhaltende Inversion der Zinskurve 10-2 Jahre sei in der Vergangenheit ein zuverlässiger Indikator für eine Rezession gewesen. Zuletzt sei die US-Zinsstrukturkurve kurzfristig invers gewesen.

Die Minutes der letzten FED-Zinssitzung von Ende Juli hätten die Märkte nicht bewegt. Auf der Sitzung habe die Notenbank die Bandbreite für die FED Funds Rate um 25 Basispunkte auf nun 2,00 bis 2,25% reduziert, erstmals seit der internationalen Finanzkrise. Gemäß den Minutes sei die Zinssenkung eine Anpassung der Geldpolitik mitten im Konjunkturzyklus gewesen. Die Notenbanker würden sich bei dieser Entscheidung uneinig präsentieren: Zwei Notenbanker hätten gegen die Zinssenkung gestimmt und die Zinsen unverändert lassen wollen, einige hätten eine Senkung der Leitzinsen um 50 Basispunkte begrüßt.

Generell hätten die FOMC-Mitglieder jeden Ansatz bevorzugt, der den Eindruck vermeide, dass die FED sich auf einem vorbestimmten Kurs bewege. Das passe zu den Äußerungen von FED-Chef Jerome Powell, der gesagt habe, dass es sich bei der Reduzierung der Zinsen nicht um einen einzigen Schritt gehandelt habe, aber dass die FED auch nicht am Anfang eines Zinssenkungskurses stehe.

In Italien habe sich die Regierungskrise zugespitzt. Nachdem die Regierung aus Lega unter Matteo Salvini und der 5-Sterne-Bewegung unter Luigi di Maio zerbrochen sei, habe zuletzt der parteilose Ministerpräsident Giuseppe Conte seinen Rücktritt angekündigt. Damit komme jetzt Staatspräsident Sergio Mattarella eine Schlüsselrolle zu. Dieser könne entweder das italienische Parlament auflösen und Neuwahlen anberaumen oder er weise an, bei den aktuell bestehenden Mehrheitsverhältnissen im Parlament eine neue Regierung zu bilden. Um letzteres vielleicht machen zu können, möchte Mattarella zunächst Gespräche mit den einzelnen Parteien führen.

Die Sozialdemokraten unter Matteo Renzi und die 5-Sterne-Bewegung seien sich zuvor immer spinnefeind gewesen, aber zuletzt habe es Annäherungsversuche gegeben. Denn beide Parteien hätten zusammen eine absolute Mehrheit im Parlament und hätten beide kein Interesse an Neuwahlen, bei denen Umfragen zufolge die Lega als klare Siegerin hervorgehen würde. Entsprechend groß sei das Interesse der Lega an Neuwahlen. Erschwerend komme hinzu, dass im Herbst der neue Haushalt aufgestellt und bis Mitte Oktober bei der EU eingereicht werden müsse. Das spreche eher gegen kurzfristige Neuwahlen.

Bei den vorläufigen Einkaufsmanagerindices für August habe es für die Eurozone insgesamt eine leichte Aufwärtstendenz gegeben. Dabei stelle sich die Entwicklung in Frankreich tatsächlich positiv dar: Hier habe der Index für das Verarbeitende Gewerbe wieder über 50 Punkte steigen und damit in den Wachstumsbereich vordringen können. Auch die Lage im Dienstleistungssektor habe sich weiter verbessert. In Deutschland sei dagegen kaum eine Stimmungsaufhellung zu erkennen gewesen, sodass der Index für das Verarbeitende Gewerbe weiterhin deutlich auf Schrumpfungskurs sei. Am Montag (26.08.) werde darüber hinaus der ifo Geschäftsklimaindex für August veröffentlicht. Dieser sei zuletzt stetig gesunken und es sei davon auszugehen, dass dieser Abwärtstrend auch noch nicht gebrochen werden könne.

Highlights seien daneben in den nächsten Tagen das Notenbankertreffen in Jackson Hole, Wyoming, vom 22. bis 24.8. und der G7-Gipfel in Biarritz vom 24. bis 26.8. Vom Notenbankertreffen würden sich die Marktteilnehmer eine Konkretisierung der erwarteten geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen in den nächsten Monaten erwarten. Im Vorgriff darauf hätten die Aktienmärkte schon einmal deutlich zugelegt. Am Rande des G7-Gipfels könnte es zu weiteren Gesprächen zum Brexit kommen. Ende Oktober sei avisiert, dass das Vereinigte Königreich aus der EU austrete. Noch gebe es aber keinen Brexit-Vertrag, mit dem das Land geordnet aus der EU austreten könnte. Derzeit versuche der neue Premierminister Boris Johnson Zugeständnisse am bestehenden Brexit-Vertrag - insbesondere in Bezug auf den Backstop - zu erreichen. (Ausgabe vom 22.08.2019) (23.08.2019/alc/a/a)