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Renten: Powell bewegt die Märkte
02.12.22 09:23
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen sind auf ihrem Weg nach unten gestern (30.11) von FED-Präsident Jerome Powell noch ein paar Stufen weiter heruntergedrängt worden, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Er habe in seiner Rede vor der Brookings Institution sehr deutlich gemacht hat, dass die Notenbank das Zinsanhebungstempo verlangsamen werde. Die zehnjährigen T-Notes würden jetzt bei nur noch bei 3,63% rentieren und die entsprechenden Bunds würden weiterhin unter 2% bleiben und bei 1,85% rentieren. Man könne wohl davon ausgehen, dass die FED ihren Leitzins am 14. Dezember nicht um 75 BP, sondern nur um 50 BP anheben werde. Wichtige Unsicherheitsfaktoren seien die US-Inflation und die Situation am Arbeitsmarkt, zu denen übernächste Woche bzw. morgen Daten erwartet würden. Powell habe auch davon gesprochen, dass die FED den Bogen nicht überspannen möchte, denn sie wolle nicht in eine Situation kommen, wo sie sich angesichts einer Rezession genötigt sähe, die Zinsen wieder zu senken. Man überlege jetzt, wie stark die Zinsen noch steigen müssten, um die Inflation nachhaltig in den Griff zu bekommen, aber da gehe man jetzt vorsichtiger als bisher vor, weil man um die Verzögerungen bei der Wirkung von Zinserhöhungen auf die Inflation wisse, so in etwa konnte Powell verstanden würden.
Der Notenbankchef habe außerdem gesagt, dass es auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt ankäme, hier müsste es Zeichen einer Entspannung geben, damit die Inflation nachhaltig sinke, sprich, die Lohnsteigerungen müssten zurückgehen. Das sei bei 10,3 Millionen offenen Stellen, aber nur 6,1 Millionen Arbeitslosen vermutlich nicht so leicht zu erreichen. Insofern sei der Optimismus - viele Marktteilnehmer würden davon ausgehen, dass die Zinsen in H2 2023 wieder sinken würden - wahrscheinlich übertrieben.
Eine ähnliche Debatte um Inflation und Geldpolitik finde jetzt auch in der Eurozone statt, nachdem die Inflation hier von 10,6% auf 10,0% zurückgegangen sei. Die Kernrate sei bei 5,0% geblieben. Der Preisdruck habe auch im Vormonatsvergleich nachgelassen. Dennoch sei nicht klar, wie nachhaltig der Inflationsrückgang sei. Denn zum Jahreswechsel würden viele Energieversorger-Verträge auslaufen und durch neue wesentlich teurere Verträge ersetzt. In Frankreich werde es den Strom- und Gasanbietern möglich sein, die Preise um bis zu 15% anzuheben, nachdem sie in diesem Jahr die Preise nur um 4% anheben durften. Und bezogen auf Deutschland sage die Mehrheit der Unternehmen im Einzelhandel weiterhin, dass sie in den nächsten drei Monaten die Preise erhöhen möchten.
Viele Markteilnehmer würden ihre Hoffnung auf die Ölpreise richten. Sie seien in den vergangenen Tagen tatsächlich zurückgegangen und hätten - zusammen mit dem stärkeren Euro - deutliche Preisreduktionen an den Tankstellen ausgelöst. Allerdings sei auch hier die Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Denn am 5. Dezember trete das Ölembargo gegen Russland in Kraft, das könnte das weltweit verfügbare Öl verknappen und tatsächlich seien heute morgen (01.12.) die Ölpreise auch wieder kräftig gestiegen (Brent: 87 US-Dollar/Barrel). Etwas weiter vorausschauend trete am 5. Februar das Erdölembargo für russische Erdölprodukte in Kraft. Diesel könnte dann wesentlich teurer werden, weil nach wie vor relativ viel Diesel aus Russland komme. Insgesamt sei daher festzuhalten, dass die Inflation allein schon wegen einiger Basiseffekte in 2023 vermutlich sinken werde, dass die Teuerungsrate aber auch im kommenden Jahr nicht unter 5% landen dürfte. Das sollte es für die EZB schwer machen, die Zinsen in den nächsten zwölf Monaten zu senken.
Aus der Ukraine würden wieder schlechte Nachrichten kommen. "Der Spiegel" melde, dass offensichtlich neue massive Luftangriffe kurz bevorstünden. Es könne nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Millionen Menschen sich aus der Ukraine auf dem Weg machen würden, um den Winter in Ländern mit einer sicheren Energieversorgung und ohne Krieg zu überbrücken.
Am Sonntag (04.12.) sei die OPEC-Sitzung und am kommenden Dienstag die Stichwahl in Georgia um einen Senatsposten, wodurch die Demokraten ihre Senatsmehrheit auf der Bundesebene noch ausbauen könnten.
Datenseitig sei morgen auf die Arbeitsmarktdaten aus den USA zu achten (02.12., Nov) und nächste Woche (05.12.) würden zahlreiche Dienstleistungs-PMI-Indices (u.a. Italien, Spanien und China, Nov) und der entsprechende ISM für die USA (05.12., Nov) erscheinen. Beachtenswert seien auch die Auftragseingänge für die deutsche Industrie (06.12., Okt), die derzeit noch den Luxus hoher Auftragsbestände genieße. Außerdem werde die Industrieproduktion in Deutschland bekannt gegeben (07.12., Okt). (Ausgabe vom 01.12.2022) (02.12.2022/alc/a/a)
Er habe in seiner Rede vor der Brookings Institution sehr deutlich gemacht hat, dass die Notenbank das Zinsanhebungstempo verlangsamen werde. Die zehnjährigen T-Notes würden jetzt bei nur noch bei 3,63% rentieren und die entsprechenden Bunds würden weiterhin unter 2% bleiben und bei 1,85% rentieren. Man könne wohl davon ausgehen, dass die FED ihren Leitzins am 14. Dezember nicht um 75 BP, sondern nur um 50 BP anheben werde. Wichtige Unsicherheitsfaktoren seien die US-Inflation und die Situation am Arbeitsmarkt, zu denen übernächste Woche bzw. morgen Daten erwartet würden. Powell habe auch davon gesprochen, dass die FED den Bogen nicht überspannen möchte, denn sie wolle nicht in eine Situation kommen, wo sie sich angesichts einer Rezession genötigt sähe, die Zinsen wieder zu senken. Man überlege jetzt, wie stark die Zinsen noch steigen müssten, um die Inflation nachhaltig in den Griff zu bekommen, aber da gehe man jetzt vorsichtiger als bisher vor, weil man um die Verzögerungen bei der Wirkung von Zinserhöhungen auf die Inflation wisse, so in etwa konnte Powell verstanden würden.
Der Notenbankchef habe außerdem gesagt, dass es auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt ankäme, hier müsste es Zeichen einer Entspannung geben, damit die Inflation nachhaltig sinke, sprich, die Lohnsteigerungen müssten zurückgehen. Das sei bei 10,3 Millionen offenen Stellen, aber nur 6,1 Millionen Arbeitslosen vermutlich nicht so leicht zu erreichen. Insofern sei der Optimismus - viele Marktteilnehmer würden davon ausgehen, dass die Zinsen in H2 2023 wieder sinken würden - wahrscheinlich übertrieben.
Viele Markteilnehmer würden ihre Hoffnung auf die Ölpreise richten. Sie seien in den vergangenen Tagen tatsächlich zurückgegangen und hätten - zusammen mit dem stärkeren Euro - deutliche Preisreduktionen an den Tankstellen ausgelöst. Allerdings sei auch hier die Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Denn am 5. Dezember trete das Ölembargo gegen Russland in Kraft, das könnte das weltweit verfügbare Öl verknappen und tatsächlich seien heute morgen (01.12.) die Ölpreise auch wieder kräftig gestiegen (Brent: 87 US-Dollar/Barrel). Etwas weiter vorausschauend trete am 5. Februar das Erdölembargo für russische Erdölprodukte in Kraft. Diesel könnte dann wesentlich teurer werden, weil nach wie vor relativ viel Diesel aus Russland komme. Insgesamt sei daher festzuhalten, dass die Inflation allein schon wegen einiger Basiseffekte in 2023 vermutlich sinken werde, dass die Teuerungsrate aber auch im kommenden Jahr nicht unter 5% landen dürfte. Das sollte es für die EZB schwer machen, die Zinsen in den nächsten zwölf Monaten zu senken.
Aus der Ukraine würden wieder schlechte Nachrichten kommen. "Der Spiegel" melde, dass offensichtlich neue massive Luftangriffe kurz bevorstünden. Es könne nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Millionen Menschen sich aus der Ukraine auf dem Weg machen würden, um den Winter in Ländern mit einer sicheren Energieversorgung und ohne Krieg zu überbrücken.
Am Sonntag (04.12.) sei die OPEC-Sitzung und am kommenden Dienstag die Stichwahl in Georgia um einen Senatsposten, wodurch die Demokraten ihre Senatsmehrheit auf der Bundesebene noch ausbauen könnten.
Datenseitig sei morgen auf die Arbeitsmarktdaten aus den USA zu achten (02.12., Nov) und nächste Woche (05.12.) würden zahlreiche Dienstleistungs-PMI-Indices (u.a. Italien, Spanien und China, Nov) und der entsprechende ISM für die USA (05.12., Nov) erscheinen. Beachtenswert seien auch die Auftragseingänge für die deutsche Industrie (06.12., Okt), die derzeit noch den Luxus hoher Auftragsbestände genieße. Außerdem werde die Industrieproduktion in Deutschland bekannt gegeben (07.12., Okt). (Ausgabe vom 01.12.2022) (02.12.2022/alc/a/a)


