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Renten: Nicht zu lange Laufzeiten wählen
09.08.13 15:56
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Während viele einschlägige Zeitschriften sich gerne mit BMI-Problemen (Body-Maß-Index) beschäftigen und anschließend die 100. kreative Kartoffel- oder Sauerkrautdiät für die geneigte Leserin oder den geneigten Leser anbieten, beschäftigen sich Volkswirte lieber mit PMI-Problemen, so die Analysten der Weberbank.
PMI stehe dabei für Purchasing Managers Index und werde mit "Einkaufsmanagerindex" übersetzt. PMIs würden die Ergebnisse von Umfragen unter Einkaufsleitern von Firmen darstellen. Die grundsätzliche Überlegung dabei sei, dass die Einkaufsmanager recht frühzeitig erkennen würden, wie es um das Geschäft des eigenen Unternehmens bestellt sei. Die Auswertung ihrer Einschätzung könne einen wertvollen Hinweis geben, wie sich die Wirtschaft bzw. die Wertpapiermärkte eines Landes zukünftig verhalten würden.
Der wohl bekannteste PMI werde vom amerikanischen Institute for Supply Management veröffentlicht, weshalb er auch als ISM-Index bezeichnet werde. Hier würden seit 1931 die Umfrageergebnisse der Einkaufsmanager von 400 Industrieunternehmen aggregiert und ausgewertet. Ein Indexwert über 50 werde dabei als Indiz für eine steigende Industrieproduktion angesehen (expansiver Bereich), ein Wert darunter als Warnhinweis, dass die Industrieproduktion schon bald zurückfallen könnte. Neben dem ISM würden aber auch andere Organisationen derartige Indices ermitteln, um daraus ihre Schlüsse zu ziehen.
Welche Signale würden nun aktuell die diversen PMIs geben? Der ISM-Index für Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe der USA habe nicht nur die vorherigen Schätzungen der Analysten übertroffen. Er habe mit 55,4 Zählern auch deutlich im expansiven Bereich gelegen. Das passe zu der bisher geäußerten Einschätzung der Analysten, dass sich die Wirtschaft in den USA positiv entwickle, was auch durch den dortigen mittelfristigen Aufschwung am Arbeitsmarkt und die Entwicklungen im Immobilienbereich bestätigt werde. Nicht ganz so erfreulich habe sich zuletzt die Wirtschaftsentwicklung in Europa gezeigt. In Folge der Eurokrise hätten die Länder wirtschaftlich immer weiter auseinander gedriftet.
Umso erfreulicher seien deshalb die nun veröffentlichten PMIs gewesen. So habe der PMI für die Eurozone mit 50,3 Punkten erstmals seit 2011 wieder knapp im expansiven Bereich gelegen. Das gebe Hoffnung, dass die Entwicklung in Europa ihr Tal durchschritten haben könnte, zumal der europäische PMI nicht nur durch die deutschen Umfragen über die Expansionsschwelle getragen worden sei. Auch das schwächelnde Italien habe mit einem Wert von 50,4 die Erwartungen der Analysten deutlich übertreffen können. Nicht so gut laufe es hingegen in den Schwellenländern. Nachdem sie jahrelang die Haupttreiber des Weltwirtschaftswachstums gewesen seien, würden sie nun selber mit sich abschwächenden Wirtschaften kämpfen.
Im Falle von China geschehe diese Verlangsamung auf einem hohen Niveau. Ein Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent sei im Verhältnis zu den entwickelten Volkswirtschaften immer noch extrem hoch, im Vergleich zu den noch vor einigen Jahren erreichten zweistelligen Wachstumsraten aber deutlich abgeschwächt. Und die PMIs? Könnten sie auch hier einen Anhaltspunkt geben, wie es mit der chinesischen Wirtschaft weitergehen könnte? HSBC habe einen PMI veröffentlicht, der leider mit 47,7 enttäuschend ausgefallen sei.
Da sei es nur ein schwacher Trost gewesen, dass der vom staatlichen chinesischen Statistikbüro veröffentlichte offizielle PMI dann mit 50,3 Zählern über der Expansionsschwelle gelegen habe, zumal die Behörde erst vor kurzem die Zahl und Zusammensetzung der befragten Unternehmen stark verändert habe. Nun seien PMIs nicht die Kristallkugeln der Volkswirtschaft. Nicht immer bedeute ein Fall auch gleich den Beginn einer längeren Krise. Aktuell würden sich die Aussagen der PMIs aber sehr gut mit den Erwartungen der Analysten decken.
Aktienseitig würden die Analysten weiter die USA und aufgrund der weiter extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank auch Japan favorisieren. Die PMIs der Eurozone würden sie als erstes Signal werten, dass europäische Aktien auch außerhalb Deutschlands bald beginnen könnten, ihren extremen Wertentwicklungsrückstand aufzuholen. Schwellenländeraktien würden die Analysten aktuell im schwierigsten Umfeld sehen, weshalb sie sie weiter untergewichten würden. Eine Kartoffeldiät werde hier leider nicht reichen, um das Bild zu verbessern.
Auch die Rentenmärkte würden meist auf PMIs reagieren. Doch selbst wenn sich die Umfragen weiter verbessern sollten, gebe es nur wenig Spielraum für deutlich steigende Renditen. Denn die Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks hätten in ihren letzten Aussagen immer wieder betont, die Leitzinsen noch für längere Zeit niedrig zu halten. Zumal die Inflationsraten im Moment ein so niedriges Niveau erreicht hätten, dass eher die Frage nach weiterer Zinslockerung als nach einer baldigen Zinsanhebung aufkommen müsste.
Je nachdem in welche Richtung sich die Diskussion um eine mögliche Reduzierung der expansiven Notenbankpolitik der FED (Tapering) gerade bewege, werde die Renditekurve am langen Ende auffächern oder sich wieder verflachen. Die Analysten würden dementsprechend vorsichtig im kürzeren Laufzeitenbereich positioniert bleiben, da sie davon ausgehen würden, dass das Tapering kommen werde und nur der Zeitpunkt noch nicht sicher feststehe. Ebenso dürfte das Tapering vorerst die US-Dollar-Entwicklung dominieren und mittelfristig einen stärkeren Dollar mit sich bringen. (09.08.2013/alc/a/a)
PMI stehe dabei für Purchasing Managers Index und werde mit "Einkaufsmanagerindex" übersetzt. PMIs würden die Ergebnisse von Umfragen unter Einkaufsleitern von Firmen darstellen. Die grundsätzliche Überlegung dabei sei, dass die Einkaufsmanager recht frühzeitig erkennen würden, wie es um das Geschäft des eigenen Unternehmens bestellt sei. Die Auswertung ihrer Einschätzung könne einen wertvollen Hinweis geben, wie sich die Wirtschaft bzw. die Wertpapiermärkte eines Landes zukünftig verhalten würden.
Der wohl bekannteste PMI werde vom amerikanischen Institute for Supply Management veröffentlicht, weshalb er auch als ISM-Index bezeichnet werde. Hier würden seit 1931 die Umfrageergebnisse der Einkaufsmanager von 400 Industrieunternehmen aggregiert und ausgewertet. Ein Indexwert über 50 werde dabei als Indiz für eine steigende Industrieproduktion angesehen (expansiver Bereich), ein Wert darunter als Warnhinweis, dass die Industrieproduktion schon bald zurückfallen könnte. Neben dem ISM würden aber auch andere Organisationen derartige Indices ermitteln, um daraus ihre Schlüsse zu ziehen.
Welche Signale würden nun aktuell die diversen PMIs geben? Der ISM-Index für Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe der USA habe nicht nur die vorherigen Schätzungen der Analysten übertroffen. Er habe mit 55,4 Zählern auch deutlich im expansiven Bereich gelegen. Das passe zu der bisher geäußerten Einschätzung der Analysten, dass sich die Wirtschaft in den USA positiv entwickle, was auch durch den dortigen mittelfristigen Aufschwung am Arbeitsmarkt und die Entwicklungen im Immobilienbereich bestätigt werde. Nicht ganz so erfreulich habe sich zuletzt die Wirtschaftsentwicklung in Europa gezeigt. In Folge der Eurokrise hätten die Länder wirtschaftlich immer weiter auseinander gedriftet.
Im Falle von China geschehe diese Verlangsamung auf einem hohen Niveau. Ein Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent sei im Verhältnis zu den entwickelten Volkswirtschaften immer noch extrem hoch, im Vergleich zu den noch vor einigen Jahren erreichten zweistelligen Wachstumsraten aber deutlich abgeschwächt. Und die PMIs? Könnten sie auch hier einen Anhaltspunkt geben, wie es mit der chinesischen Wirtschaft weitergehen könnte? HSBC habe einen PMI veröffentlicht, der leider mit 47,7 enttäuschend ausgefallen sei.
Da sei es nur ein schwacher Trost gewesen, dass der vom staatlichen chinesischen Statistikbüro veröffentlichte offizielle PMI dann mit 50,3 Zählern über der Expansionsschwelle gelegen habe, zumal die Behörde erst vor kurzem die Zahl und Zusammensetzung der befragten Unternehmen stark verändert habe. Nun seien PMIs nicht die Kristallkugeln der Volkswirtschaft. Nicht immer bedeute ein Fall auch gleich den Beginn einer längeren Krise. Aktuell würden sich die Aussagen der PMIs aber sehr gut mit den Erwartungen der Analysten decken.
Aktienseitig würden die Analysten weiter die USA und aufgrund der weiter extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank auch Japan favorisieren. Die PMIs der Eurozone würden sie als erstes Signal werten, dass europäische Aktien auch außerhalb Deutschlands bald beginnen könnten, ihren extremen Wertentwicklungsrückstand aufzuholen. Schwellenländeraktien würden die Analysten aktuell im schwierigsten Umfeld sehen, weshalb sie sie weiter untergewichten würden. Eine Kartoffeldiät werde hier leider nicht reichen, um das Bild zu verbessern.
Auch die Rentenmärkte würden meist auf PMIs reagieren. Doch selbst wenn sich die Umfragen weiter verbessern sollten, gebe es nur wenig Spielraum für deutlich steigende Renditen. Denn die Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks hätten in ihren letzten Aussagen immer wieder betont, die Leitzinsen noch für längere Zeit niedrig zu halten. Zumal die Inflationsraten im Moment ein so niedriges Niveau erreicht hätten, dass eher die Frage nach weiterer Zinslockerung als nach einer baldigen Zinsanhebung aufkommen müsste.
Je nachdem in welche Richtung sich die Diskussion um eine mögliche Reduzierung der expansiven Notenbankpolitik der FED (Tapering) gerade bewege, werde die Renditekurve am langen Ende auffächern oder sich wieder verflachen. Die Analysten würden dementsprechend vorsichtig im kürzeren Laufzeitenbereich positioniert bleiben, da sie davon ausgehen würden, dass das Tapering kommen werde und nur der Zeitpunkt noch nicht sicher feststehe. Ebenso dürfte das Tapering vorerst die US-Dollar-Entwicklung dominieren und mittelfristig einen stärkeren Dollar mit sich bringen. (09.08.2013/alc/a/a)


