Renten: Inflationsanstieg zum Jahreswechsel gut verdaut


07.02.17 10:57
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der jüngste basis- und energiepreisbedingte Anstieg der Euro-Teuerung kam nicht ohne Vorwarnung, so die Analysten der Helaba.

Gleichwohl sei der kräftige Zuwachs der Jahresrate von 1,1% auf 1,8% im Januar von den Analysten unterschätzt worden. Der entsprechende Überraschungsindex habe annähernd historische Spitzenniveaus erreicht. Die Rendite 10-jähriger Bunds habe nach Veröffentlichung der Inflationsdaten allerdings kaum reagiert und zuletzt unter der Marke von 0,5% notiert.

An den Finanzmärkten scheine, ähnlich wie in vergleichbaren früheren Situationen, bereits viel eingepreist zu sein. Die Gelassenheit an den Rentenmärkten hänge vermutlich auch mit der unverändert niedrigen Kerninflationsrate von 0,9% zusammen. Da EZB-Chef Mario Draghi den Fokus bereits stärker auf die wenig volatilen Inflationskomponenten der Güter- und Dienstleistungspreise gelenkt habe, werde die EZB trotz vorübergehend höherer Gesamtteuerung nicht von ihrem eingeschlagenen Lockerungskurs abweichen.

Dennoch sei mit dem Inflationssprung die Diskussion um eine adäquate geldpolitische Ausrichtung insbesondere in Deutschland neu entbrannt. Mit der Verlängerung des Kaufprogramms sei die entscheidende geldpolitische Weiche für 2017 zwar bereits im letzten Jahr gestellt worden. Es bleibe die Frage, wie lange die Liquiditätsschleusen noch so weit offen bleiben könnten. Das von der EZB etablierte Negativzinsumfeld bestehe bereits seit über zwei Jahren und die Skepsis bezüglich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses nehme stetig zu.

Angesichts der fragilen politischen Lage, in der sich die Währungsunion befinde, würden diese Bedenken aus Sicht der meisten Mitglieder des EZB-Rats vermutlich jedoch nur eine Nebenrolle spielen. So plane u.a. die rechtspopulistische französische Präsidentschaftskandidatin Le Pen im Fall eines Wahlsieges noch in diesem Jahr ein Referendum über den Verbleib Frankreichs in der EU.

Nachdem sich die Sorgen über einen beschleunigten Straffungskurs der US-Notenbank zu Jahresbeginn etwas gelegt hätten, habe sich auch die Lage am US-Rentenmarkt beruhigt. Seit Dezember schwanke die Rendite 10-jährige US-Staatsanleihen nunmehr in einem Bereich von 2,3% bis 2,6%. Allerdings sei mit dem Amtsbeginn von Donald Trump wieder Unsicherheit aufgekommen. Die Sorge vor einer Politik der Isolation und des Protektionismus habe den Inflationserwartungen Auftrieb gegeben.

Gleichzeitig würden damit auch konjunkturelle Unsicherheiten von der neuen US-Administration ausgehen, insbesondere für die Exportnation Deutschland. Während die jüngste ifo-Unternehmensumfrage eine Stimmungsverbesserung bei der aktuellen Lage gezeigt habe, seien die Geschäftserwartungen im Januar deutlich gesunken. Im Vormonatsvergleich sei es immerhin der zweitstärkste Rückgang seit vier Jahren gewesen.

Das Wirtschaftswachstum im Euroraum sei zwar als insgesamt robust einzustufen. Die Arbeitslosenquote habe mit 9,6% mittlerweile die Hälfte des Weges vom Krisenniveau bei 12,1% in Richtung historischer Tiefständen bei 7,2% zurückgelegt. Gleichwohl werde die EZB ob der politischen Unsicherheiten auf absehbare Zeit keinen Kurswechsel vornehmen. Dies reduziere die Wahrscheinlichkeit für höhere Renditeniveaus bei deutschen Rentenpapieren. (Ausgabe vom 06.02.2017) (07.02.2017/alc/a/a)