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Renten: Inflationsanstieg wird zum Problem
22.06.15 10:04
Helaba
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Renditeniveau in Deutschland hat sich seit Ende April deutlich erhöht, so die Analysten der Helaba.
Zeitweise seien Renditen von einem Prozent bei 10-jährigen Bundesanleihen verzeichnet worden. Entscheidend hierfür sei vor allem die veränderte Haltung der EZB zum Rentenmarkt gewesen.
Sei lange Zeit bei Investoren der Eindruck erweckt worden, dass die Geldpolitik nicht nur Einfluss auf kurze, sondern vor allem auch auf lange Laufzeiten nehme - erst durch Forward Guidance, dann durch das Ankaufprogramm - so habe Mario Draghi in der letzten Pressekonferenz ein ganz anderes Bild vermittelt: Draghi habe auf die Frage, ob er in dieser kritischen Situation Einfluss auf die Zinskurve nehmen wolle, mit einem klaren Nein geantwortet. EZB-Direktor Yves Mersch habe zuletzt mit der Bemerkung nachgelegt, nicht zuständig dafür zu sein, wenn sich die Märkte verrannt hätten. Die Vorgeschichte dieser Entwicklung, an der die EZB nicht unwesentlich beteiligt gewesen sei, werde dabei jedoch ausgeblendet.
Die Fundamentaldaten, die schon länger in eine positive Richtung weisen würden, könnten jetzt mehr Wirkung entfalten. Der Teuerungsanstieg habe im Mai bereits deutlich an Dynamik gewonnen. Die Vorjahresrate für den Euroraum sei von 0,0% auf 0,3% geklettert. Damit würden allmählich Deflationssorgen verschwinden, die für den Höhenflug der Rentenkurse gesorgt hätten. Zwar seien die Inflationserwartungen zuletzt durch einen wieder sinkenden Ölpreis gebremst worden, sie würden sich gleichwohl in einem klaren Aufwärtstrend befinden, sodass die Belastung für Renten von dieser Seite nicht zu Ende sei.
Die gestiegenen Kapitalmarktzinsen sollten für die Volkswirtschaften im Euroraum verkraftbar sein, da das Niveau im historischen Vergleich immer noch sehr niedrig sei. Die variable Finanzierung, in vielen Ländern ohnehin das bevorzugte Kreditmodell, sei aufgrund konstanter Geldmarktsätze stabil. Gleichzeitig wachse die Überschussliquidität: Die Geldmengenaggregate seien in einem steilen Aufwärtstrend, die Kreditvergabe ziehe allmählich nach.
Obwohl einige Stimmungsindikatoren bereits sehr hoch seien, dürfte die Euro-Konjunktur im zweiten Halbjahr in etwa ihr Tempo halten, zumal es selbst beim Nachzügler Italien wieder aufwärts gehe. Der Aufschwung habe damit deutlich an Breite gewonnen. Lediglich kleine Länder wie Finnland und Griechenland hätten zuletzt zwei negative Wachstumsquartale in Folge ausgewiesen.
Durch die jüngsten Unsicherheiten infolge der Griechenlandkrise hätten sich die deutschen Rentenkurse zwar erholen können. Komme es jedoch nicht zum Grexit, so dürfte der Sicherheitsaspekt schnell wieder in den Hintergrund rücken. Vielmehr könnte sich mit Fortsetzung der Hängepartie und einigen faulen Kompromissen der Eindruck bei Anlegern verstärken, dass sich der Euroraum letztlich doch in Richtung "Transferunion light" entwickele.
Die Kurse von Bundesanleihen dürften erneut unter Druck geraten. Eine Eskalation der Krise würde hingegen die Bund-Renditen wieder in Richtung der historischen Tiefstände treiben - zumindest temporär. Günstige Vorgaben kämen in diesem Fall auch aus den USA, wo die Zinswende wohl verschoben würde. (Ausgabe vom 19.06.2015) (22.06.2015/alc/a/a)
Zeitweise seien Renditen von einem Prozent bei 10-jährigen Bundesanleihen verzeichnet worden. Entscheidend hierfür sei vor allem die veränderte Haltung der EZB zum Rentenmarkt gewesen.
Sei lange Zeit bei Investoren der Eindruck erweckt worden, dass die Geldpolitik nicht nur Einfluss auf kurze, sondern vor allem auch auf lange Laufzeiten nehme - erst durch Forward Guidance, dann durch das Ankaufprogramm - so habe Mario Draghi in der letzten Pressekonferenz ein ganz anderes Bild vermittelt: Draghi habe auf die Frage, ob er in dieser kritischen Situation Einfluss auf die Zinskurve nehmen wolle, mit einem klaren Nein geantwortet. EZB-Direktor Yves Mersch habe zuletzt mit der Bemerkung nachgelegt, nicht zuständig dafür zu sein, wenn sich die Märkte verrannt hätten. Die Vorgeschichte dieser Entwicklung, an der die EZB nicht unwesentlich beteiligt gewesen sei, werde dabei jedoch ausgeblendet.
Die gestiegenen Kapitalmarktzinsen sollten für die Volkswirtschaften im Euroraum verkraftbar sein, da das Niveau im historischen Vergleich immer noch sehr niedrig sei. Die variable Finanzierung, in vielen Ländern ohnehin das bevorzugte Kreditmodell, sei aufgrund konstanter Geldmarktsätze stabil. Gleichzeitig wachse die Überschussliquidität: Die Geldmengenaggregate seien in einem steilen Aufwärtstrend, die Kreditvergabe ziehe allmählich nach.
Obwohl einige Stimmungsindikatoren bereits sehr hoch seien, dürfte die Euro-Konjunktur im zweiten Halbjahr in etwa ihr Tempo halten, zumal es selbst beim Nachzügler Italien wieder aufwärts gehe. Der Aufschwung habe damit deutlich an Breite gewonnen. Lediglich kleine Länder wie Finnland und Griechenland hätten zuletzt zwei negative Wachstumsquartale in Folge ausgewiesen.
Durch die jüngsten Unsicherheiten infolge der Griechenlandkrise hätten sich die deutschen Rentenkurse zwar erholen können. Komme es jedoch nicht zum Grexit, so dürfte der Sicherheitsaspekt schnell wieder in den Hintergrund rücken. Vielmehr könnte sich mit Fortsetzung der Hängepartie und einigen faulen Kompromissen der Eindruck bei Anlegern verstärken, dass sich der Euroraum letztlich doch in Richtung "Transferunion light" entwickele.
Die Kurse von Bundesanleihen dürften erneut unter Druck geraten. Eine Eskalation der Krise würde hingegen die Bund-Renditen wieder in Richtung der historischen Tiefstände treiben - zumindest temporär. Günstige Vorgaben kämen in diesem Fall auch aus den USA, wo die Zinswende wohl verschoben würde. (Ausgabe vom 19.06.2015) (22.06.2015/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


