Renten: Die Inflation im Euroraum steigt an


06.03.17 09:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zinspolitik der großen Notenbanken gerät immer stärker ins Blickfeld der Anleger, so die Experten von Union Investment.

Den Euroraum betreffend liefere die jüngste Preisentwicklung Diskussionsstoff. Die große Frage laute: Die Inflation sei wieder da? Den aktuell vom Institut Eurostat geschätzten Zahlen zufolge habe die Preissteigerung im Euroraum im Februar 2,0 Prozent betragen. Im Vormonat Januar habe diese noch bei plus 1,8 Prozent gelegen. Damit stehe seit langem, dies sei der höchste Stand seit Januar 2013, wieder eine Zwei vor dem Komma. Noch etwas höher habe sich der Preisauftrieb in Deutschland gezeigt. Mit plus 2,2 Prozent habe die Steigerungsrate sogar über der von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesetzten Zielmarke von "um die zwei Prozent" gelegen.

Getrieben worden sei der Anstieg einmal mehr von den Energiemärkten. Die um die sehr schwankungsreichen Preise für Energie und Lebensmittel bereinigte Kernrate im Euroraum habe hingegen unverändert bei 0,9 Prozent verharrt. Diese dürfte für die EZB die kritische Stellgröße bleiben. Nach ersten Aussagen aus dem EZB-Direktorium gäbe deren Entwicklung kein Anzeichen einer dynamischeren Aufwärtsbewegung.

Hierfür spreche auch, dass die Basiseffekte aus dem Energiesektor, die momentan maßgeblich zur Preissteigerung beitragen würden, in den kommenden Monaten auslaufen dürften. Daher sollte ab April mit eher rückläufigen Preissteigerungsraten zu rechnen sein. Die EZB werde dies bei der Gestaltung ihrer weiteren Geldpolitik sicherlich entsprechend berücksichtigen.

Die jüngsten Äußerungen zahlreicher Vertreter der US-Notenbank FED würden auf eine baldige Zinserhöhung schließen lassen. Habe diese vor Wochen noch in weiter Ferne gelegen, sei die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes bereits auf der nächsten FED-Sitzung am 15. März zuletzt sehr stark angestiegen. Diese habe sich mittlerweile der 90-Prozentmarkte genähert. Wichtige Repräsentanten der US-Notenbank wie der Präsident der New York FED Dudley oder auch die FED-Direktorin Brainard hätten in ihren Aussagen eine Erhöhung der Leitzinsen in "relativ naher Zukunft" als angemessen erscheinen lassen.

Überwiegend gute Konjunkturdaten aus den USA und dem Euroraum, die Aussicht auf eine bevorstehende US-Zinserhöhung sowie die Entspannung sowohl in der Peripherie (Italien) als auch in Frankreich (Wahlen) hätten Bundesanleihen und US-Schatzanweisungen belastet. Zehnjährige Bundespapiere hätten im Vergleich zur Vorwoche eine Renditeverdoppelung von 18 auf 36 Basispunkte verzeichnet. Der Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereign) sei in erster Linie von den Bundesanleihen belastet worden.

In der Peripherie hätten die Staatsanleihen entweder seitwärts tendiert (Spanien) oder wie im Falle Italiens sogar leicht rückläufige Renditen verzeichnet. Per saldo seien somit in der Handelswoche deutliche Spreadeinengungen aus der Bundbewegung hervorgegangen. Der Renditeanstieg habe sich über die gesamte Zinsstrukturkurve hinweg vollzogen, die etwas steiler tendiert habe.

Am US-Markt hätten kurz laufende Staatspapiere mehr als Langläufer verloren, die Zinskurve habe somit etwas flacher tendiert. Zehnjährige US-Treasuries hätten per Freitagmittag vor der wichtigen 2,5 Prozent-Renditemarke gestanden. (Ausgabe vom 03.03.2017) (06.03.2017/alc/a/a)