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Renten: Gewinnmitnahmen in der europäischen Peripherie


18.11.19 08:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der Berichtswoche vom 11. bis 15. November 2019 setzte sich der Renditeanstieg an den südeuropäischen Staatsanleihemärkten fort, so die Experten von Union Investment.

Die schon in der Vorwoche zu beobachtenden Verkäufe italienischer Staatsanleihen hätten angehalten und auch die anderen Peripheriemärkte erfasst. Am italienischen Bondmarkt sorge zudem die geplante Schließung des riesigen Stahlwerkes in Tarent im Süden Italiens für Verunsicherung. Der luxemburgisch-indische Konzern ArcelorMittal habe dort seinen (Teil)Rückzug angekündigt. Bis zu 10.000 Arbeitsplätze seien von möglichen Maßnahmen betroffen. Mit knapp 1,3 Prozent habe die Rendite italienischer Zehnjahresbonds um 10 Basispunkte höher gelegen als in der Vorwoche. In Spanien und Portugal hätten sich die Renditen um 7 Basispunkte erhöht. In Griechenland, das im bisherigen Jahresverlauf bei der Entwicklung der Staatsanleihen mit Abstand deutlich vorne liege, habe die Verzinsung um 20 Basispunkte auf knapp 1,5 Prozent angezogen. Die Spreads der Peripherie gegenüber deutschen Bundesanleihen hätten sich insgesamt zuletzt deutlich ausgeweitet.

Die Kernmärkte hingegen hätten im Rahmen rückläufiger Risikofreude etwas zulegen können. Die Bundrenditen hätten zur Wochenmitte gedreht und seien im Rahmen entsprechender Kursgewinne gefallen. Der Zehnjahresbereich habe 10 Basispunkte tiefer mit minus 0,35 Prozent rentiert. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe im Wochenverlauf über die langen Laufzeiten etwas flacher tendiert. Am US-Staatsanleihemarkt habe sich die Zinskurve nahezu einheitlich um 8 bis 10 Basispunkte parallel nach unten verschoben. Zehnjährige US-Treasuries hätten mit 1,84 Prozent rentiert. Die Rede des FED-Vorsitzenden Powell vor dem Wirtschaftsausschuss habe keine marktrelevanten Einflussfaktoren ergeben.

Anleihen aus den Schwellenländern hätten auf Indexebene (J.P. Morgen EMBI Global Diversified-Index) leichte Spreadausweitungen um 10 Basispunkte verzeichnet. Highlight sei dort eine Neuemission Ägyptens gewesen. Mittels dreier Tranchen seien Papiere im Gegenwert von 2 Milliarden US-Dollar emittiert worden. Die Gesamtemission sei siebenfach und damit deutlich überzeichnet gewesen.

Euro-Unternehmensanleihen hätten sich insgesamt gut gehalten, der positiven Zinsbewegung hätten jedoch leichte Spreadausweitungen entgegengestanden (ICE BofA Merrill Lynch Euro Corp.-Index, ER00). Die Europäische Zentralbank (EZB) habe den ersten Statistiken zufolge seit 1. November im Rahmen des neuen Ankaufprogramms kräftig Unternehmenspapiere erworben. Vom 1. bis 11. November seien Anleihen im Gegenwert von rund 2,8 Milliarden Euro aus dem Markt genommen worden. Dabei habe sich die EZB an zahlreiche Neuemissionen beteiligt, die im entsprechenden Zeitraum platziert worden seien. Die Nachfrage der Anleger nach neuen Anleihen liege nach wie vor auf hohem Niveau. Entsprechend gering würden sich die Zeichnungsprämien für die Anleger darstellen. (Ausgabe vom 15.11.2019) (18.11.2019/alc/a/a)