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Renten: Enttäuschung hinsichtlich erwarteter US-Zinspolitik


07.01.25 10:21
Union Investment

Hamburg (www.anleihencheck.de) - US-Staatsanleihen hatten vor dem Jahresende Verluste hinzunehmen, so die Experten von Union Investment.

Gegenwind sei dabei zum einen von konjunktureller Seite gekommen. Wichtige Wirtschaftsdaten seien besser als erwartet ausgefallen, was schon zu Zweifeln hinsichtlich der Zinssenkungserwartungen geführt habe. Für Aufsehen habe etwa der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor gesorgt, der auf einen Wert von 58,5 Zählern angestiegen sei und sich damit weit oberhalb der Wachstumsschwelle befinde. Der US-Verbraucher sei ganz offensichtlich weiterhin sehr ausgabebereit gewesen. Dies habe auch das gestiegene Verbrauchervertrauen unterstrichen.

Darüber hinaus habe auch die Inflation wieder leicht angezogen. Verglichen mit den sehr hohen Werten aus dem Jahr 2022 sei der Teuerungsdruck im Jahresvergleich recht gering gewesen, liege aber dennoch oberhalb des Zielwertes der US-Notenbank. Die US-Wirtschaft befinde sich augenscheinlich in einer robusten Verfassung und einhergehend mit möglichen Handelsbeschränkungen im kommenden Jahr könnte die Inflation sogar wieder leicht anziehen.

Die FED habe dann im Dezember, wie vom Markt erwartet, zwar noch einmal den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,25 bis 4,5 Prozent gesenkt. Der von der Zentralbank auf der Sitzung erweckte Eindruck, im Zinssenkungszyklus demnächst etwas vom Gas gehen zu wollen, habe sich dann entsprechend negativ am Markt niedergeschlagen. Zudem habe die Aussicht auf eine zunehmende US-Verschuldung und eine damit einhergehende Ausweitung der US-Staatsanleihebestände unter der Trump-Administration die Anleihenotierungen belastet und für Verluste gesorgt. Hiervon seien insbesondere langlaufende Papiere betroffen gewesen.

Die US-Zinskurve habe im Dezember damit etwas steiler tendiert, die Zehnjahresrendite sei gegenüber dem Vormonat von 4,17 Prozent auf 4,57 Prozent zum Jahresende angestiegen. Damit habe sich am US-Markt auf Monatssicht, gemessen am J.P. Morgan Global Bond US Index, ein Verlust in Höhe von 1,5 Prozent ergeben. Auf Jahressicht verbleibe für US-Staatsanleihen somit nur ein magerer Zuwachs von 0,7 Prozent.

Euro-Staatsanleihen hätten sich der Korrektur angeschlossen. Aus den Kernländern seien weiterhin schwache Wirtschaftsdaten gekommen, die das Bild einer nachlassenden konjunkturellen Dynamik verfestigt hätten. Gleichzeitig sei aber auch deutlich geworden, dass die Perspektiven für die Peripherieländer hingegen besser dargestellt seien und die Wirtschaft in diesen Ländern wachse. Es zeichne sich somit ein Europa der zwei Geschwindigkeiten ab. Dies stelle insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB) vor große Herausforderungen. Während das Zinsniveau für Deutschland und Frankreich gerne niedriger ausfallen dürfte, bestehe diese Notwendigkeit für andere Länder weniger.

Auf der jüngsten Sitzung der EZB hätten die Währungshüter somit zwar erneut die Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt, sich aber zugleich völlige Flexibilität bewahrt, was den weiteren Zinspfad angehe. Anleger hätten sich etwas enttäuscht von der geringen Verbindlichkeit der Notenbanker gezeigt, was für Verkaufsdruck gesorgt habe.

Dazu hätten sich politische Herausforderungen gesellt. In Frankreich habe das Ringen um einen Haushalt für 2025 die dortige Regierung zu Fall gebracht. Im Nachgang hätten die politischen Turbulenzen auch Einfluss auf die Bonität des Landes gehabt. Die Ratingagentur Moodys habe ihre Einschätzung der Kreditwürdigkeit auf die Note Aa3 gesenkt. Als Reaktion darauf habe sich der Risikoaufschlag französischer Papiere zu Bundesanleihen leicht erhöht.

Auch aus Deutschland seien wenig positive Botschaften gekommen. Nach der missglückten Vertrauensfrage von Kanzler Scholz stünden im Februar Neuwahlen an. Die so wichtige Achse Paris-Berlin schwächele damit zur Unzeit. Beide Länder hätten keine Regierung, wenn Donald Trump im Januar sein Amt als US-Präsident antrete.

Auch die deutsche Zinsstrukturkurve habe im Dezember etwas steiler tendiert. Die Zehnjahresrendite deutscher Bundesanleihen sei von 2,09 auf 2,36 Prozent angestiegen. Der Anstieg sei aber weniger stark ausgefallen als in den USA. Damit habe sich auch die Renditedifferenz (Transatlantikspread) zu laufzeitgleichen US-Staatsanleihen erhöht. In Summe hätten Euro-Staatsanleihen im Dezember, gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index, ein Minus von 1,4 Prozent erzielt. Auf Jahressicht verbleibe damit ein Plus in Höhe von 1,8 Prozent.

In diesem Umfeld habe sich der Markt für Euro-Unternehmensanleihen zum Jahresende vergleichsweise gut gehalten. Der allgemeine Zinsanstieg habe zu einem leichten Verlust von 0,4 Prozent auf Indexebene (ICE BofA Euro Corporate Bonds, ER00) geführt. Untersektoren wie hochverzinsliche Papiere (High Yield) oder Nachranganleihen aus dem Industriesektor hätten sogar eine leicht positive Wertentwicklung aufweisen können und im Dezember im Rahmen einer anhaltend hohen Nachfrage nach Unternehmenspapieren generell von rückläufigen Risikoaufschlägen profitiert. Hinzu sei gekommen, dass am Markt für Neuemissionen (Primärmarkt) nur eine geringfügige Platzierungstätigkeit zu beobachten gewesen sei, was den sich bereits im Handel befindlichen Papieren eine gute Unterstützung geboten habe.

Im Dezember habe sich die Aufwertung des US-Dollars zum Euro weiter fortgesetzt. Die FED-Sitzung habe auch am Devisenmarkt eine entscheidende Rolle gespielt. Mit der bearishen Einschätzung der Sitzung habe sich der US-Dollar - in Erwartung geringerer Zinssenkungen durch die FED - weiter befestigt. So hätten zeitweise nur noch 1,035 US-Dollar je Euro aufgewendet werden müssen. Ende November seien es noch 1,06 US-Dollar gewesen. Vorerst sprächen die protektionistische US-Handelspolitik und die im Vergleich höheren Renditen von langlaufenden US-Staatspapieren für einen starken US-Dollar.

Mit einem kurzen Blick auf das nun hinter uns liegende Jahr 2024 war die Entwicklung der Finanzmärkte von einer robusten Konjunktur in den USA, einem sich auf niedrigem Niveau stabilisierendes Wachstum in Europa und China sowie einer rückläufigen Inflation und Notenbanken, die im Verlauf des Sommers in den Zinssenkungszyklus einschwenkten, geprägt, so die Experten von Union Investment. Während die geopolitischen Konflikte nur wenig auf die Märkte ausgestrahlt hätten, hätten die Ergebnisse und Folgen von Wahlen zumindest zeitweise und lokal für Verunsicherung gesorgt.

Die Wahl Donald Trumps zum 47. US-Präsidenten habe durch die Hoffnung auf sinkende Unternehmenssteuern ein Kursfeuerwerk am US-Aktienmarkt ausgelöst. Die Sorge um die Einführung von Zöllen habe hingegen die Börsen in anderen Regionen belastet. Weltweit hätten die Aktienindizes das Jahr 2024 dennoch überwiegend mit zweistelligen Zuwächsen beendet - mit den US-Indizes in der führenden Position. Der Start des Zinssenkungszyklus und die Hoffnung auf seine Fortsetzung 2025 hätten zu positiven Ergebnissen in allen Rentensegmenten geführt. (Ausgabe vom 06.01.2025) (07.01.2025/alc/a/a)