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Renten: Aufatmen, aber keine Entwarnung


02.05.25 12:43
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach dem Sturm, den der US-Präsident mit seiner chaotischen Zollpolitik in den ersten "grandiosen" 100 Tagen seiner Amtszeit entfacht hat, ist an den Kapitalmärkten wieder etwas Ruhe eingekehrt, so die Analysten der Helaba.

Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sei Anfang April von knapp 4% auf zwischenzeitlich rund 4,5% gesprungen, nun würden sich die US-Kapitalmarktzinsen irgendwo im Mittelfeld einpendeln.

Zur Beruhigung dürfte vor allem der abgebrochene Frontalangriff Trumps auf US-Notenbankpräsident Jerome Powell beigetragen haben - offenbar gerade noch rechtzeitig vor einem weiteren Vertrauensverlust der Investoren. Allerdings würden neue Äußerungen des US-Präsidenten zeigen, dass das Thema Geldpolitik für ihn noch lange nicht vom Tisch sei.

Von Entwarnung könne daher keine Rede sein. Die Kreditausfallprämien von US-Staatsanleihen (Credit Default Swaps) würden auf hohem Niveau verharren. Zwar lägen die Risikoaufschläge unter den Höchstständen aus dem Jahr 2023. Die Mischung aus überbordender US-Staatsverschuldung, der Gefahr einer nachhaltigen Schwächung der US-Wirtschaft sowie dem drohenden Bedeutungsverlust der USA verunsichere die Anleger jedoch weiterhin.

Im Basisszenario der Helaba - mit einer aufgrund erhöhter Inflationsrisiken vorerst zurückhaltenden US-Notenbank - sei der Spielraum für einen weiteren Renditerückgang überschaubar. Die Kombination aus erhöhten Risikoaufschlägen und tendenziell steigenden langfristigen Inflationserwartungen begrenze nach Erachten der Analysten der Helaba das Kurspotenzial. Per Saldo sei davon auszugehen, dass die Zinsstrukturkurve in den USA vor allem steiler werde.

Anmerkung am Rande: Aufgrund der "hausgemachten" Probleme in den USA sei der Einfluss des US-Rentenmarktes auf die Entwicklung der Bundesanleihen derzeit relativ gering. Von der traditionell hohen Korrelation, die im langjährigen Mittel bei 0,8 liege, sei aktuell wenig zu spüren. Zeitweise habe der Korrelationskoeffizient in der Vergangenheit sogar bei fast 1,0, was einem nahezu perfekten Gleichlauf entspreche.

Die wöchentliche Veränderung auf Basis der letzten 100 Tage sei nun mit einem Koeffizienten von nur 0,3 historisch niedrig. Dafür dürften vor allem drei Gründe verantwortlich sein: Die chaotische Politik von Donald Trump, die Aufweichung der deutschen Schuldenbremse sowie die unterschiedliche Ausgangslage der beiden Notenbanken. (02.05.2025/alc/a/a)