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Renten: Aktives Management gefragt


26.04.13 15:20
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Negative Konjunkturdaten = positive Kapitalmärkte - dieser Zusammenhang klingt zunächst unlogisch, ist jedoch an den Börsen in den letzten Tagen der vorherrschende Trend, so die Analysten der Weberbank.

Dahinter steckt die Hoffnung der Marktteilnehmer, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte in den kommenden Wochen erneut die Leitzinsen senken und somit die Konjunktur stützen. Zuletzt hätten die viel beachteten Einkaufsmanagerindices in der Eurozone enttäuscht. Allen voran habe der Branchenprimus Deutschland Schwächesignale gezeigt. Diese seien ebenfalls durch den ifo-Index bestätigt worden, der den zweiten Rückgang in Folge verzeichnet habe. Nachdem der Index zu Beginn des Jahres eine kräftige Belebung der Wirtschaft angezeigt habe, nähere er sich nun der ernüchternden Realität in Europa mehr und mehr an. Deutschland falle es zunehmend schwerer, sich der schwierigen Wirtschaftssituation in der Eurozone zu entziehen.

Da von der Inflationsentwicklung aktuell keine Gefahr ausgehe, verfüge die EZB über Handlungsspielraum. Leider hätten die letzten Zinssenkungen wenig bewirkt, da das billige Geld nicht in der Realwirtschaft angekommen sei. Die Banken würden sich scheuen, großzügig Kredite zu günstigen Konditionen zu vergeben, da sie mit der Restrukturierung ihrer eigenen Bilanzen beschäftigt seien. Die Unternehmen und Konsumenten würden sich ebenfalls zurückhalten, da sie in dem derzeitigen Wirtschaftsumfeld verunsichert in die Zukunft schauen würden. Eine mögliche Zinssenkung im Mai werde somit mehr als Signal der EZB zu werten sein, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu handeln, als große Impulse für die Realwirtschaft zu setzen.

Die Rentenmärkte in Europa würden, angefeuert von den Zinssenkungshoffnungen, den positiven Trend fortsetzen. Aktuell würden Kaufrenditen bei Anleihen mit mittleren Laufzeiten von weniger als 1,3 Prozent keine Jubelschreie bei den Anlegern auslösen. Sollte das Zinsniveau aber auf dem aktuellen Stand verharren, könnten innerhalb von zwölf Monaten zusätzlich Kursgewinne aufgrund der Laufzeitenverkürzung erzielt werden. Der Jahresertrag könnte auf über 2,5 Prozent anwachsen. Aktives Management sei gerade im Niedrigzinsumfeld wichtig, um solche ertragssteigernden Effekte ausnutzen zu können.

An den Aktienmärkten gebe es derzeit nur ein Land, das sich von allen anderen abheben könne: Japan. Mit einer deutlich zweistelligen Wertentwicklung in Heimatwährung seit Jahresbeginn setze sich das Land an die Spitze. Selbst in Euro gerechnet sei trotz drastischer Währungsabwertung des Japanischen Yens noch ein zweistelliger Zuwachs übrig geblieben.

Mehrere Faktoren würden für einen weiter interessanten Aktienmarkt sprechen: Die japanische Notenbank habe zu Monatsbeginn angekündigt, in den kommenden zwei Jahren die umlaufende Geldmenge zu verdoppeln. Das solle die Inflation in Richtung zwei Prozent bewegen und den Yen schwächen. Davon könnten exportorientierte Unternehmen profitieren, da sie ihre Waren im Ausland günstiger anbieten könnten. Zeitgleich würden die Unternehmen von Einnahmen in Fremdwährung profitieren, da sie in Yen gerechnet mehr wert seien. Durch diesen Effekt begünstigt, würden die Analysten in diesem Jahr mit einem Anstieg der Unternehmensgewinne in Japan von über 40 Prozent rechnen. Im aktuellen Umfeld, in dem weltweit mit einem niedrigen einstelligen Gewinnwachstum auf Unternehmensebene gerechnet werde, sei das sehr beachtlich.

Somit verwundere es nicht, wenn viele internationale Investoren Japan wieder höher in ihren Depots gewichten würden. Zumal nach der langen Durststrecke der letzten Jahre die Mehrzahl der Anleger in Japan untergewichtet sei. Auch die Analysten der Weberbank hätten im Februar Japan wieder in ihre Verwaltungsstrategien aufgenommen und hätten von der positiven Entwicklung profitieren können.

Kaum ein Thema spalte die Investmentgilde derzeit mehr als die Einschätzung zur Goldpreisentwicklung. Nachdem in der vergangenen Woche das Ende der Goldaufwärtsbewegung ausgerufen worden sei und das Edelmetall den stärksten Kursrückgang seit 30 Jahren erlebt habe, seien in dieser Woche die Käufer zurückgekehrt. Die Marktentwicklung sei vor allem durch professionelle Anleger geprägt gewesen, die nach der Verletzung einer sehr wichtigen technischen Kursmarke versucht hätten, gleichzeitig aus Gold zu flüchten. Vor allem in mit Gold unterlegten Wertpapieren sei die Handelsaktivität hoch gewesen.

Ein anderes Bild habe sich dagegen im Handel mit physischem Gold geboten. Nach dem Kurssturz seien Goldhändler sowohl in Deutschland als auch in Ländern wie beispielsweise Indien von Endkunden mit Kaufinteresse geradezu überrannt worden. Bei den größten deutschen Goldhändlern seien zwischenzeitlich die meisten Barren und Münzen ausverkauft worden und in den Filialen hätten sich lange Schlangen gebildet.

In diesen unterschiedlichen Verhalten könne man sehr gut die differierenden Intentionen für den Kauf von Gold ablesen: Der Investor möchte einfach nur vom Kurstrend profitieren und veräußere seine Position bei einem negativen Kurstrend. Der physische Käufer kaufe Gold in der Regel als Alternative zum Papiergeld und möchte sich langfristig vor einer schleichenden Geldentwertung schützen. Ein rekordverdächtiger Kursrückgang sei da eine willkommene Einstiegsmöglichkeit. Für beide Lager würden sich derzeit überzeugende Argumente finden lassen. Sie würden primär davon abhängen, welche Ziele man mit einem Engagement in Gold verfolgt. (26.04.2013/alc/a/a)