Renditen für Staatsanleihen ziehen an


14.11.16 09:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach vorübergehenden Irritationen an den Kapitalmärkten hinsichtlich des künftigen US-Präsidenten gehen Investoren rasch zur Tagesordnung über und beschäftigen sich mit den veränderten Vorzeichen der US-amerikanischen Politik unter der neuen Führung, so die Deutsche Börse AG.

Die geplante Abschaffung des Dodd-Frank Gesetzes zur Regulierung des Finanzsektors als eine der ersten größeren Ankündigungen des Trump-Teams und die generelle Aussicht auf weniger staatliche Regulierung hätten nach Ansicht von Analysten zum neuen Allzeithoch am letzten Freitag beim Dow Jones Industrial beigetragen. Zudem habe Donald Trump versprochen, die Steuern zu senken und bis zu 500 Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur zu investieren. Ob und in welchem Maße die wirtschafts- und außenpolitischen Pläne des künftigen US-Präsidenten nachhaltig auf die Entwicklung der Konjunktur und der Börsen einwirken würden, zeige sich nach Ansicht der Helaba vermutlich erst in der ersten Hälfte des nächsten Jahres.

Derweil würden Anleger US-amerikanische als auch europäische Staatsanleihen weiter auf Talfahrt schicken. Während zehnjährige US-Treasuries derzeit bei 2,15 Prozent rentieren würden, sei der Euro-Bund-Future als Indikator für die langfristigen Zinserwartungen auf gut 160 Prozent abgerutscht, vor einer Woche habe der Wert noch bei 162,31 Prozent gelegen. Damit kämen zehnjährige Bundesanleihen mittlerweile auf eine Rendite von über 0,3 Prozent. Dabei seien die Erträge europäischer Bonds den steigenden US-Renditen gefolgt, obwohl die Auswirkungen der angekündigten trumpschen Politik eher deflationäre Tendenzen nach Europa exportieren sollten, wie Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank anmerke.

"Die Zinsen steigen wieder", bestätige Gregor Daniel. Das spüre der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank auch am zunehmenden Anlegerinteresse an Floating Rate Notes (ISIN DE000A14KJE8 / WKN A14KJE, ISIN DE000A13SL18 / WKN A13SL1) mit variabler Verzinsung. Für diese Schuldverschreibungen werde der Zinssatz jeweils für festgelegte Zeiträume, in der Regel drei bis sechs Monate, an einen Referenzzinssatz wie zum Beispiel den Euribor angepasst. "Anleger vermeiden mit den so genannten Floatern das Zinsänderungsrisiko." Gleichzeitig stünden Daniel zufolge Anleihen der Emerging Marktes, insbesondere Mexiko, durchweg unter Druck.

Mit Blick auf eine mögliche Zunahme der Inflation könnten sich in den USA die Zinsen durchaus in einem größeren Tempo nach oben bewegen als bisher angenommen. Pacific Investment Management beispielsweise sehe den Anstieg der langfristigen Treasuries nach Trumps Wahlsieg als Zeichen für eine zunehmende Teuerung.

Derzeit würden die Finanzmärkte laut Robert Halver trotz der Unsicherheit über das Regierungsprogramm Trumps jedenfalls mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als vor der Wahl von einen Zinsschritt im Dezember ausgehen. "Sollten weiterhin spürbare Verwerfungen an den Finanzmärkten ausbleiben, wird die Federal Reserve an der ohnehin eingepreisten Zinserhöhung festhalten", sei der Analyst der Baader Bank überzeugt. "Auch die Trump-Administration wird in den Genuss einer vermutlich freizügig bleibenden Geldpolitik kommen." Die infrastrukturelle Offensive und Steuersenkungen des designierten Präsidenten seien ohne die Hilfe der viel kritisierten US-amerikanischen Notenbank nicht möglich. "Trump dürfte noch sehr dankbar für eine dem Konjunkturaufschwung zugeneigte Notenbankchefin Yellen sein."

Am 4. Dezember sei es soweit, italienische Bürger würden über die Reform der Verfassung abstimmen. Die Pläne würden laut Klaus Stopp unter anderem die radikale Beschneidung der Befugnisse des Senats, der zweiten Kammer im italienischen Parlament enthalten. "Damit soll Italien reformierbarer werden", bemerke der Rentenexperte der Baader Bank. "Entscheidungen sollen schneller getroffen werden können." Ebenso ziele Premier Renzi auf die Senkung der Kosten für den Politikbetrieb. Damit würden gleichzeitig die Voraussetzungen für die Bearbeitung anderer großer Baustellen geschaffen. Dazu gehörten beispielsweise die Reform der Justiz oder der dringend nötige Abbau von Bürokratie.

Jüngste Umfragen hätten den Plänen ein Nein bescheinigt. Stopp sehe darin einen Grund, dass erstmals seit dem Höhepunkt der Euro-Krise an den Finanzmärkten nicht mehr Griechenland sondern Italien als größter Wackelkandidat in der Währungsgemeinschaft gelte. Umfragen des Marktforschungsinstituts sentix hätten die Wahrscheinlichkeit für einen Grexit derzeit mit 8,5 Prozent, die eines Italexits hingegen mit knapp 10 Prozent beziffert. Das Damoklesschwert einer Regierungskrise in Italien schwebe über dem Votum am 4. Dezember und damit auch die Gefahr einer Verschärfung der Euro-Krise.

Anleger hätten auf die jüngsten Entwicklungen mit Abgaben italienischer Staatsanleihen reagiert, die aufgrund steuerlicher Problematik an deutschen Börsen nicht gehandelt würden.

Neuemissionen von Unternehmen seien rund um die US-Wahlen eher Mangelware gewesen, wie Stopp berichte. Dennoch habe sich die RCI Bank, eine französische Tochter des Autobauers Renault, mittels einer fünfjährigen Anleihe (ISIN FR0013218153 / WKN A1883B) 750 Millionen Euro in einer Stückelung von 1.000 Euro am Kapitalmarkt beschafft. Anleger würden eine jährliche Verzinsung in Höhe von 0,625 Prozent erhalten.

Insgesamt 1,5 Milliarden Euro habe BASF von Anlegern über die Ausgaben von zwei Schuldverschreibungen, ebenfalls in Stücken von 1.000 Euro, eingesammelt. Ein in 2020 fälliger Zerobond (ISIN DE000A188WV3 / WKN A188WV) im Volumen von einer Milliarde Euro sei Anlegern zu 99,601 Prozent angeboten worden. Eine 500 Millionen Euro schwere zehnjährige Anleihe (ISIN DE000A188WW1/ A188WW) des Chemiekonzerns mit einem Kupon von 0,75 Prozent sei zu einem Preis von 98,998 Prozent ausgegeben worden. (Ausgabe vom 11.11.2016) (14.11.2016/alc/a/a)





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