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Renditen europäischer Staatsanleihen leicht angezogen


21.06.24 08:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Gestern hat unser französischer Nachbar frisches Geld eingesammelt und Staatsanleihen (OATs) begeben, so die Analysten der Nord LB.

Die Emission sei insbesondere in Hinblick der erst kürzlich erfolgten EU-Kommissionsentscheidung über das eingeleitete Defizitverfahren von Interesse gewesen. Insgesamt seien Laufzeiten von drei bis acht Jahren emittiert worden (hier ohne Inflationslinker). Final hätten EUR 10,5 Mrd. geprintet werden können.

Trotz der bevorstehenden Haushaltrisiken sei die Primärmarkttransaktion in Summe 2,41fach überzeichnet gewesen. Warum? "Weil es Frankreich ist" (in Erinnerung eines Zitats von Ex-Eurogruppenchef Juncker aus dem Jahr 2016). Der Spreadaufschlag ggü. Bunds habe sich Donnerstag auf 77 Basispunkte eingeengt.

In diesem Umfeld hätten Renditen europäischer Staatsanleihen trotzdem leicht angezogen. Zehnjährige OATs: +1 Basispunkt (3,20%), deutsche Bunds: +3 Basispunkte (2,43%).

Im Unternehmensanleihenankaufprogramm (CSPP) der EZB seien letzte Woche über EUR 1 Mrd. ausgefallen. Fälligkeiten würden schon seit 07/2023 nicht mehr reinvestiert. Das im Jahr 2016 aufgelegte CSPP sollte damals, zusätzlich zu den anderen bereits bestehen-den Werkzeugen der EZB, die Deflationsrisiken eindämmen würden. Derzeit habe das CSPP eine Größe von EUR 307,27 Mrd. Im Pandemie Ankaufprogramm (PEPP) lägen weitere EUR 45,92 Mrd. an Firmen-Bonds.

Die aktuelle Konjunkturprognose des ifo-Instituts zeige keine wirkliche Hoffnung auf ein Sommermärchen, jedenfalls noch nicht im Jahr 2024. Das BIP-Wachstum der deutschen Wirtschaft würden die Münchner Forscher nun auf 0,4% (ggü. 0,2% im März) beziffern. Für 2025 sei man wesentlich optimistischer und antizipiert eine Beschleunigung auf 1,5%. Sorgen bereite ifo-Präsident Clemens Fuest die rückläufigen Unternehmensinvestitionen ("Die sind auch mittelfristig ein Problem"). Außerdem würden Wachstumsperspektiven aufgrund des demografischen Wandels sinken.

In die gleiche Kerbe schlage die Bundesbank in ihrem gestern vor-gelegten Monatsbericht. Laut Einschätzung der Bundesbankökonomen werde sich die Erholung der deutschen Wirtschaft fortsetzen. Insbesondere bei der Auslandsnachfrage deute sich eine Verbesserung an (wenngleich auf einem niedrigen Niveau). In Q1/24 habe das BIP um 0,2% angezogen (zur Erinnerung: noch in Q4/23 habe es einen Rückgang um 0,5% gegeben).

Die Schweizer Nationalbank (SNB) habe am Donnerstag ihren Leitzins auf 1,25% gesenkt (minus 25 Basispunkte). Marktbeobachter hätten mehrheitlich gar keine Veränderung erwartet. Damit musiziere die SNB in der Zinssenkungsarie der weltweiten, westlichen Notenbanken weiter die erste Geige. Der CHF werte in der Konsequenz gegenüber dem Euro ab.

Heute würden nahezu weltweit aktuelle Zahlen zur Entwicklung verschiedener Einkaufsmanagerindices veröffentlicht. Es handele sich bereits um Angaben für den Berichtsmonat Juni - die Daten seien somit extrem aktuell. Zudem würden in den USA noch Mai-Zahlen zur Entwicklung der Frühindikatoren und zu den Wiederverkäufen von Häusern gemeldet. Grundsätzlich scheinen die hohen Zinsen ein Problem für den US-Immobilienmarkt zu sein.

So habe sich der NAHB-Index bereits im Mai schwach präsentiert - und habe sich im Juni nun sogar noch weiter verschlechtert; der Sub-Index "Prospective Buyers Traffic" sei am aktuellen Rand auf nur noch 28 Punkte gefallen. Die Nachfrage nach Wohnimmobilien scheine angesichts der aktuellen Finanzierungs-konditionen wirklich ein Problem zu sein. (21.06.2024/alc/a/a)