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Renditen: Divergenz zwischen Papieren aus den USA und Europa
29.06.23 16:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - An den Rentenmärkten entsteht momentan renditenseitig eine Divergenz zwischen den Papieren aus den USA und Europa, so Dr. Tariq Chaudhry, Trainee Economics bei der Hamburg Commercial Bank.
Das sei vor allem mit einerseits robusten Konjunkturdaten in den USA gegenüber andererseits äußerst schwachen Konjunkturdaten in Europa zu erklären. Aus China empfange die globale Wirtschaft weiterhin beunruhigende Signale. Trotz des abkühlenden global-ökonomischen Sentiments würden die Zentralbanker in Frankfurt und Washington explizit hawkische Signale hinsichtlich weiterer Zinsanhebungen senden. Die Rendite der T-Notes stehe aktuell bei 3,47% und die der Bunds bei 2,33%.
Der US-Präsident Joe Biden sei hinsichtlich der Rezessionsängste in den USA am Rande einer Wahlkampfveranstaltung befragt worden. Darauf habe Biden entgegnet: "Sie (die Rezession) kündigt sich schon seit 11 Monaten, wissen Sie was? Ich glaube nicht, dass sie kommen wird." Damit widerspreche der US-Präsidenten vielen Marktteilnehmern, die recht sicher von einer Rezession ausgehen würden. Die Konjunkturdaten in den USA jedoch schienen vorerst dem Präsidenten recht zu geben. Die Aufträge für langlebige Güter seien im Mai entgegen den Analystenerwartungen (-0,9% MoM) weiter gestiegen und zwar um 1,7%, der mittlerweile dritte Anstieg der Auftragseingänge in Folge. Des Weiteren habe auch der US-Immobilienmarkt überraschend gute Daten geliefert. In den 20 großen Metropolregionen hätten die Häuserpreise im Vergleich zum Vormonat um 0,9% zugelegt, wie aus dem S&P Case-Shiller Häuserpreisindex hervorgehe. Zuvor seien die Preise mehrere Monate in Folge gefallen.
In Europa seien die Rezessionsängste bereits in die Realität umgesetzt worden, denn die Eurozone und Deutschland würden sich schon in einer technischen Rezession befinden. Die weiteren konjunkturellen Signale würden nicht gerade für eine Trendumkehr sprechen. So sei das Ifo-Geschäftsklima im Juni regelrecht abgestürzt. Dieser habe den neuntstärksten Rückgang seiner Geschichte verzeichnet und mit einem Stand von 88,5 Punkten sämtliche Erwartungen der Volkswirte (Bloomberg-Median: 90,7 Punkte) unterboten. Der Zeiger der ifo-Uhr tauche damit tief in den Rezessionsquadranten ab, wobei festgestellt werden müsse, dass der Rückgang vor allem auf die Erwartungskomponente zurückzuführen sei. Gleichzeitig seien auch die HCOB PMI-Indices für die Eurozone enttäuschend niedrig ausgefallen. Das Verarbeitende Gewerbe dürfte sich bereits in der Rezession befinden und das bis vor kurzem noch starke Wachstum im Dienstleistungssektor habe sich deutlich verlangsamt. Insgesamt hätten sich die Aussichten für die nächsten Monate daher rascher als erwartet eingetrübt und es steige die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Rezession fortsetze.
Auch aus China würden die Signale beunruhigend bleiben. So seien etwa Chinas Reiseausgaben während des Drachenbootfestes hinter dem Niveau vor der Pandemie zurückgeblieben, was die Verlangsamung des Konsums unterstreiche. Die Einnahmen aus dem Inlandstourismus hätten in diesem Zeitraum 37,3 Mrd. Yuan (5,2 Mrd. USD) erreicht, was 94,9 % des Betrags entspreche, der 2019 vor der Pandemie verzeichnet worden sei, so eine Erklärung des Ministeriums für Kultur und Tourismus. Regierungsseitig gebe es bisher außer Absichtserklärungen keine konkreten fiskalischen Pakete.
In Europa habe es datenseitig ebenfalls positive Nachrichten gegeben. Die Bausektoraktivität in der Eurozone sei zwar nicht berauschend gewesen, könne aber trotz des schwierigen Marktumfeldes ein Schrumpfung verhindern und stagniere aktuell bei 0,2% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im April 2023, nach einem nach unten korrigierten Rückgang von 0,7% im Vormonat, unterstützt durch einen Aufschwung im Tiefbau. Noch erfreulichere Daten hätten die Statistiker in Wiesbaden zu vermelden. Demnach seien die deutschen Erzeugerpreise im Mai wegen billigerer Energie so langsam gestiegen wie seit über zwei Jahren nicht mehr, nämlich um 1,0 Prozent zum Vorjahresmonat. Analysten hätten im Schnitt mit einem Zuwachs von 1,7 Prozent gerechnet. Problematische Signale habe da eher der europäische Arbeitsmarkt gesendet. Der in der Rezession befindlichen Industrie dürfte überhaupt nicht gefallen, dass sowohl die Löhne (4,6% YoY) als auch die Arbeitskosten (5% YoY) in der Eurozone mehr als prognostiziert angestiegen seien.
Auch wenn EZB-Präsidentin Christine Lagarde anlässlich des EZB-Forums in Sintra, Portugal nicht beabsichtigte "künftige Entscheidungen zu signalisieren", so sei laut und deutlich die Botschaft zu vernehmen gewesen, dass der Zinsanhebungszyklus keinesfalls vorbei sei. Lagarde habe unter anderem die steigenden Löhne thematisiert, deren Wirkung auf die Kerninflation durch geringeres Produktivitätswachstum verstärkt werde. Somit dürfte die hartnäckige Kerninflation trotz fallender Gesamtinflation im Fokus der EZB würden und die Zinsen nicht so schnell gesenkt werden. Ähnlich hawkisch werde momentan bei der FED in den USA gedacht. Die in der Zinspause befindliche Notenbank habe im Juni-Meeting deutlich gemacht, dass beim nächsten Treffen eine Zinsanhebung von 25 BP möglich sei. Diese Haltung habe Notenbankchef Jerome Powell vor dem Ausschuss des US-Senats mit den Worten bekräftigt: "Eine breite Mehrheit sieht es als angemessen an, die Zinsen dieses Jahr weiter zu erhöhen: vielleicht sogar zweimal."
Auch wenn die Entscheidungen der Zentralbanken durch die zu erwarten Daten wohl kaum verändert werden könnten, gebe es datenseitig einige Highlights. Deutschland erwarte am 29.06. Inflationszahlen, dabei dürfte die Gesamtinflation nach Einschätzung der Hamburg Commercial Bank von 6,1% YoY im Mai auf 6,3% im Juni leicht ansteigen, da sich im Juni des Vorjahres durch die Einführung des 9-Euro-Tickets ein negativer Basiseffekt ergeben habe. Außerdem würden am 30.06. in den USA die PCE-Inflation für Mai erwartet. Die PCE-Kernrate werde nach Prognose der Hamburg Commercial Bank unverändert bei 4,7% verharren. Zudem erwarte der Hamburg Commercial Bank Zahlen zu den Ausgaben im Bausektor der USA, diese dürften weiter steigen. Dies würden insbesondere kürzlich veröffentlichte Zahlen des US-Immobilienmarktes nahelegen, wonach die Preise dort wieder stark angestiegen seien. Des Weiteren würden die finalen Zahlen für die HCOB PMIs des Verarbeitenden Gewerbes (03.07), des Dienstleistungssektors (05.07) und des Baugewerbes (06.07) erscheinen. Neben den HCOB PMIs, die für Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und die Eurozone erscheinen würden, würden PMIs für weitere Länder veröffentlicht. (Wochenbarometer vom 29.06.2023) (29.06.2023/alc/a/a)
Das sei vor allem mit einerseits robusten Konjunkturdaten in den USA gegenüber andererseits äußerst schwachen Konjunkturdaten in Europa zu erklären. Aus China empfange die globale Wirtschaft weiterhin beunruhigende Signale. Trotz des abkühlenden global-ökonomischen Sentiments würden die Zentralbanker in Frankfurt und Washington explizit hawkische Signale hinsichtlich weiterer Zinsanhebungen senden. Die Rendite der T-Notes stehe aktuell bei 3,47% und die der Bunds bei 2,33%.
Der US-Präsident Joe Biden sei hinsichtlich der Rezessionsängste in den USA am Rande einer Wahlkampfveranstaltung befragt worden. Darauf habe Biden entgegnet: "Sie (die Rezession) kündigt sich schon seit 11 Monaten, wissen Sie was? Ich glaube nicht, dass sie kommen wird." Damit widerspreche der US-Präsidenten vielen Marktteilnehmern, die recht sicher von einer Rezession ausgehen würden. Die Konjunkturdaten in den USA jedoch schienen vorerst dem Präsidenten recht zu geben. Die Aufträge für langlebige Güter seien im Mai entgegen den Analystenerwartungen (-0,9% MoM) weiter gestiegen und zwar um 1,7%, der mittlerweile dritte Anstieg der Auftragseingänge in Folge. Des Weiteren habe auch der US-Immobilienmarkt überraschend gute Daten geliefert. In den 20 großen Metropolregionen hätten die Häuserpreise im Vergleich zum Vormonat um 0,9% zugelegt, wie aus dem S&P Case-Shiller Häuserpreisindex hervorgehe. Zuvor seien die Preise mehrere Monate in Folge gefallen.
Auch aus China würden die Signale beunruhigend bleiben. So seien etwa Chinas Reiseausgaben während des Drachenbootfestes hinter dem Niveau vor der Pandemie zurückgeblieben, was die Verlangsamung des Konsums unterstreiche. Die Einnahmen aus dem Inlandstourismus hätten in diesem Zeitraum 37,3 Mrd. Yuan (5,2 Mrd. USD) erreicht, was 94,9 % des Betrags entspreche, der 2019 vor der Pandemie verzeichnet worden sei, so eine Erklärung des Ministeriums für Kultur und Tourismus. Regierungsseitig gebe es bisher außer Absichtserklärungen keine konkreten fiskalischen Pakete.
In Europa habe es datenseitig ebenfalls positive Nachrichten gegeben. Die Bausektoraktivität in der Eurozone sei zwar nicht berauschend gewesen, könne aber trotz des schwierigen Marktumfeldes ein Schrumpfung verhindern und stagniere aktuell bei 0,2% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im April 2023, nach einem nach unten korrigierten Rückgang von 0,7% im Vormonat, unterstützt durch einen Aufschwung im Tiefbau. Noch erfreulichere Daten hätten die Statistiker in Wiesbaden zu vermelden. Demnach seien die deutschen Erzeugerpreise im Mai wegen billigerer Energie so langsam gestiegen wie seit über zwei Jahren nicht mehr, nämlich um 1,0 Prozent zum Vorjahresmonat. Analysten hätten im Schnitt mit einem Zuwachs von 1,7 Prozent gerechnet. Problematische Signale habe da eher der europäische Arbeitsmarkt gesendet. Der in der Rezession befindlichen Industrie dürfte überhaupt nicht gefallen, dass sowohl die Löhne (4,6% YoY) als auch die Arbeitskosten (5% YoY) in der Eurozone mehr als prognostiziert angestiegen seien.
Auch wenn EZB-Präsidentin Christine Lagarde anlässlich des EZB-Forums in Sintra, Portugal nicht beabsichtigte "künftige Entscheidungen zu signalisieren", so sei laut und deutlich die Botschaft zu vernehmen gewesen, dass der Zinsanhebungszyklus keinesfalls vorbei sei. Lagarde habe unter anderem die steigenden Löhne thematisiert, deren Wirkung auf die Kerninflation durch geringeres Produktivitätswachstum verstärkt werde. Somit dürfte die hartnäckige Kerninflation trotz fallender Gesamtinflation im Fokus der EZB würden und die Zinsen nicht so schnell gesenkt werden. Ähnlich hawkisch werde momentan bei der FED in den USA gedacht. Die in der Zinspause befindliche Notenbank habe im Juni-Meeting deutlich gemacht, dass beim nächsten Treffen eine Zinsanhebung von 25 BP möglich sei. Diese Haltung habe Notenbankchef Jerome Powell vor dem Ausschuss des US-Senats mit den Worten bekräftigt: "Eine breite Mehrheit sieht es als angemessen an, die Zinsen dieses Jahr weiter zu erhöhen: vielleicht sogar zweimal."
Auch wenn die Entscheidungen der Zentralbanken durch die zu erwarten Daten wohl kaum verändert werden könnten, gebe es datenseitig einige Highlights. Deutschland erwarte am 29.06. Inflationszahlen, dabei dürfte die Gesamtinflation nach Einschätzung der Hamburg Commercial Bank von 6,1% YoY im Mai auf 6,3% im Juni leicht ansteigen, da sich im Juni des Vorjahres durch die Einführung des 9-Euro-Tickets ein negativer Basiseffekt ergeben habe. Außerdem würden am 30.06. in den USA die PCE-Inflation für Mai erwartet. Die PCE-Kernrate werde nach Prognose der Hamburg Commercial Bank unverändert bei 4,7% verharren. Zudem erwarte der Hamburg Commercial Bank Zahlen zu den Ausgaben im Bausektor der USA, diese dürften weiter steigen. Dies würden insbesondere kürzlich veröffentlichte Zahlen des US-Immobilienmarktes nahelegen, wonach die Preise dort wieder stark angestiegen seien. Des Weiteren würden die finalen Zahlen für die HCOB PMIs des Verarbeitenden Gewerbes (03.07), des Dienstleistungssektors (05.07) und des Baugewerbes (06.07) erscheinen. Neben den HCOB PMIs, die für Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und die Eurozone erscheinen würden, würden PMIs für weitere Länder veröffentlicht. (Wochenbarometer vom 29.06.2023) (29.06.2023/alc/a/a)


