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Rendite oder Absicherung - Anleihe-Investoren haben die Wahl


16.11.16 09:45
T. Rowe Price

Baltimore (www.anleihencheck.de) - Lange Zeit waren Anleihen das Faustpfand im Portfolio: Sie erwirtschafteten verlässliche Zinserträge und minderten gleichzeitig das Risiko der renditestärkeren, aber volatileren Aktien, so Arif Husain, Leiter des internationalen Fixed Income-Teams bei T. Rowe Price.

Doch die Welt der Kapitalmärkte habe sich gedreht. "Ein globales Fixed Income-Portfolio kann derzeit entweder Erträge erzielen oder Sicherheit bieten, aber nicht beides gleichzeitig. Anleger müssen sich also entscheiden", sage Arif Husain.

Anleger befänden sich in schwierigem Fahrwasser. Risikolose Zinsen würden dauerhafte Rekordtiefstände verzeichnen und die immer neuen Maßnahmen der Zentralbanken hätten bislang ihr Ziel verfehlt. Stattdessen unterlägen die Kapitalmärkte weiterhin starken Schwankungen. "Die Unsicherheit der Investoren ist groß und wird verstärkt durch Befürchtungen, dass das weltweite Wirtschaftswachstum sich weiter abschwächen könnte" so Husain. Die negativen Einflussfaktoren seien vielfältig, zum Beispiel das schwache Wachstum in China, ein möglicher Brexit oder die Konfliktherde im Nahen Osten.

"Doch auch in diesem Umfeld können Investoren von höheren Renditen profitieren. Allerdings müssen sie dafür den Blick auf die globalen Anleihemärkte richten", laute die Einschätzung des Fixed Income-Experten. Denn zum einen würden Konjunkturzyklen in verschiedenen Ländern zeitlich versetzt verlaufen. Somit biete sich Anlegern nahezu immer die Gelegenheit, kurzfristig Wertpotenziale zu realisieren, sofern sie in den breiten Markt und in unterschiedlichen Regionen investiert seien.

Entsprechend würden sich unter den etablierten Industrienationen Länder wie Australien, Schweden, Japan und Deutschland finden lassen, deren Anleihemärkte trotz niedriger Zinsen seit Jahresbeginn eine ansehnliche Wertentwicklung aufweisen würden.

Zum anderen gebe es nach wie vor Anleihen, die höhere Zinsen bieten würden. So seien beispielsweise Schwellenländer wie Brasilien, Russland oder die Philippinen durchaus attraktiv, jedoch mit einem größeren Risiko verbunden.

"Wer allerdings das Aktienrisiko im Portfolio reduzieren möchte und dabei auf Anleihen setzt, muss genau hinsehen", betone Husain. "Denn inzwischen besetzen diese beiden Anlageklassen nicht mehr unbedingt immer die entgegengesetzten Außenpunkte auf der Rendite-Risiko-Skala, sondern weisen stattdessen teilweise eine positive Korrelation auf." Dies gelte insbesondere für Schuldtitel aufstrebender Volkswirtschaften, Anleihen mit guter Bonität und Hochzinsanleihen.

Eine sinnvolle Diversifikation würden dagegen trotz niedriger oder negativer Zinsen nach wie vor die Staatsanleihen westlicher Industrienationen bieten. "Da die Notenbanken aller Voraussicht nach vorerst an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten sollten, besteht derzeit außerdem nicht die Gefahr von Wertverlusten aufgrund steigender Zinsen", sage Husain. (16.11.2016/alc/a/a)