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Das Reflationsrisiko steigt - Argumente für alternative Risikoprämien


07.12.16 09:00
Unigestion

Genf (www.anleihencheck.de) - Die im dritten Quartal beobachtete Risikobereitschaft an den Finanzmärkten entspricht dem Ergebnis unserer NowCaster-Indikatoren, so die Experten von Unigestion.

Auftrieb erhalte die Konjunktur durch die deutliche Verbesserung in den Schwellenländern, vor allem in Brasilien - trotz anhaltender politischer Instabilität - und in China, das im dritten Quartal - nach 4,8% in der ersten Jahreshälfte - ein annualisiertes BIP-Wachstum von 7,2% verzeichnet habe. Das höhere Wachstum sei fast ausschließlich diversen Konjunkturpaketen geschuldet, weshalb die Sorge um die langfristigen Aussichten dieses hoch verschuldeten Landes mehr als berechtigt sei. Des Weiteren hatten die gestiegenen Rohstoffpreise das Wachstum anderer Schwellenländer beflügelt.

Erstmals in diesem Quartal sei auch in den Industrieländern eine merkliche Verbesserung beobachtet worden, sodass sowohl Industrie- als auch Schwellenländer ein positives Wachstum verzeichnet hatten. Die USA, die Eurozone und sogar Japan hatten sich von der vorangegangenen wirtschaftlichen Schwäche erholt. Obwohl es bergauf gehe, seien Europa und Japan allerdings noch nicht über den Berg. Die Experten kämen zu dem Schluss, dass diese Rahmenbedingungen für Wachstumsanlagen wie Aktien und Unternehmensanleihen zuträglich seien.

Nachdem die Diskussion jahrelang vom Thema Deflation beherrscht gewesen sei, würden in den Industrieländern inzwischen neue Alarmsignale auf dem Radar auftauchen. Angesichts des steigenden Ölpreises, des positiven Lohnwachstums und günstiger Basiseffekte dürfte die Inflation zum Jahresende über dem Inflationsziel mehrerer Zentralbanken liegen. In den USA liege die Kerninflation derzeit bei 2,2% und die Experten würden erwarten, dass die Headline-Inflation von 1,5% auf dieses Niveau anziehe. Reflation sei somit das nächste große Thema, doch die Märkte seien auf einen derartigen Wechsel noch nicht wirklich vorbereitet.

Mehrere Jahre expansiver Geldpolitik hatten dazu geführt, dass sich die Wahrnehmung der Zentralbankmaßnahmen durch die Anleger grundlegend geändert habe. Was passiere, wenn die Zentralbanken zu langsam reagieren würden? Die langfristigen Zinsen würden jetzt schon anziehen, ohne dass die Zentralbanken viel dazu tun würden. Die Kehrseite einer expansiven Geldpolitik sei langfristig betrachtet der Anstieg der Inflation und die Zentralbanken würden schon seit nahezu einem Jahrzehnt an ihrem Kurs festhalten. Nach Erachten der Experten würden die Auswirkungen auf die Inflation ein makroökonomisches Risiko darstellen, das Investoren berücksichtigen müssten.

Das letzte Teil im Investmentpuzzle sei der Faktor Marktstress. Nach dem Brexit-Referendum hatten sich Volatilität und Renditespreads wieder auf normale Niveaus eingependelt, da die Investoren ihr Augenmerk auf andere Themen gerichtet hatten. Seither habe sich nicht nur das makroökonomische Bild aufgehellt, sondern die Bank of Japan und die Europäische Zentralbank hatten mit weiteren Tranchen quantitativer Lockerungsmaßnahmen aufgewartet. Das Federal Reserve in den USA habe sich bis anhin jedoch bzgl. Zinserhöhung bedeckt gehalten.

Die Experten würden denken, dass der Marktstress zunehmen werde, da die Märkte wohl sehr nervös auf das Aufkommen populistischer Anti-Establishment-Kräfte reagieren würden. In den USA würden bereits Fakten geschaffen, da der künftige Präsident Donald Trump derzeit dabei sei, sein Kabinett zu bilden. Die Experten würden allerdings glauben, dass zwischen dem Kandidaten Trump und dem Präsidenten Trump Welten lägen. Sicher sei nur eines - seine Unberechenbarkeit. Allerdings würden auch in Europa Risiken drohen: Es stünden mehrere Wahlen an, aus denen das Pro-EU-Lager als Verlierer hervorgehen könnte.

Ein weiteres Risiko sei China, insbesondere seine hohe Verschuldung und Konjunkturpakete, die kaum noch greifen würden. Angesichts der politischen Turbulenzen und der Höhen und Tiefen - zumeist jedoch Tiefen - der chinesischen Wirtschaft dürfte die sehr niedrige Volatilität der letzten Monate nicht von Dauer sein. Am Horizont ziehe langsam aber sicher ein weiteres Risiko auf: Die Reflation und ihre wahrscheinlichen Auswirkungen auf die unterschiedlichen Anlageklassen, insbesondere Anleihen. Da sich die Aussichten für Anleihen weiter verschlechtert hatten, könnten Investoren einen Teil ihrer Anleihenexposure in Anlagen mit besserem Diversifikationsprofil umschichten, vor allem in alternative Investments.

Die Finanzkrise 2007 und 2008 habe in den Volkswirtschaften der Industrie- und Schwellenländer einen beispielslosen geldpolitischen Lockerungszyklus ausgelöst. Da die Zentralbanken die Grenzen dessen, was bisher unter Quantitative Easing als möglich angedacht sei, immer wieder neu ausloten würden, seien die Renditen sämtlicher Assetklassen gesunken. Auf ihrer Suche nach Rendite seien die Investoren dem üblichen Prozedere gefolgt: Zunächst hätten sie von Staats- in Unternehmensanleihen, dann von Industrie- in Schwellenländer, von Renten- in Aktienmärkte und schließlich von liquiden in illiquide Anlagen umgeschichtet.

Diese gewaltigen Umschichtungen hätten einen Anstieg der Bewertungen vieler Assetklassen ausgelöst, weshalb die Anleger nach Alternativen zu traditionellen Anlagen Ausschau halten würden. Liquidere Alternativen seien in der Vergangenheit praktisch nur durch Investments in Hedgefonds verfügbar gewesen, die Hedgefonds-Alpha und alternative Risikoprämien kombinieren würden. Finanzinnovationen würden heute den Zugang zu alternativen Risikoprämien durch liquide Anlagestrategien ermöglichen, sodass nur noch die absolute spezialisierte Alphagenerierung Sache der Hedgefonds sei.

Alternative Risikoprämien seien liquide, kostengünstig, transparent und würden im Durchschnitt eine niedrige Korrelation mit Aktien und Anleihen aufweisen. Bei den Risikoprämien schwanke die Performance alternativer Risikoprämien im zeitlichen Verlauf allerdings und hänge von Wirtschafts- und Marktzyklen ab.

Trend Following-Strategien würden auf der Chartanalyse und der Tatsache beruhen, dass Kurse im zeitlichen Verlauf in Abhängigkeit von besonderen Markttrends steigen oder fallen würden. Carry-Strategien würden in der Regel in einem Wachstumsumfeld das beste Ergebnis und Einkommen für Investoren erzielen. Ferner würden sie eine niedrige, aber positive Korrelation in Zeiten von Marktstress aufweisen. In diesem Zusammenhang sei jedoch angemerkt, dass sich nicht alle alternativen Risikoprämien in diesen Phasen gleich verhalten würden.

Trend Following- und FX-Value-Strategien würden bei Marktausschlägen negative Korrelationen aufweisen. Die Stabilität dieser Renditen könne durch die Kombination beider Strategien somit optimiert werden. Verschiedene Quellen alternativer Risikoprämien würden sich bestens als Ergänzung für ein traditionelles Renten- und Aktienportfolio eignen, denn sie böten Diversifikationsvorteile und eine Absicherung bei ungünstigen Entwicklungen der Aktienund Rentenmärkte.

Die Märkte hätten sich auf eine Wachstumsverlangsamung eingestellt, das Reflationsrisiko aber übersehen. Eine Möglichkeit zur Steuerung dieses Risikos sei eine Allokation auf alternative Risikoprämien - vor allem jetzt, da die Bewertungsniveaus in bestimmten Fällen überzogen erscheinen würden.

Strategien mit alternativen Risikoprämien würden von Investoren inzwischen stärker als liquide und transparente Lösung als Ergänzung oder Alternative zu traditionellen Anleihen- und Aktienanlagen wahrgenommen. Die Kombination von Carry-ähnlichen und Absicherungsstrategien ermögliche einerseits die Erzielung langfristig stabiler Renditen und andererseits die Begrenzung der Verluste in Phasen von Marktstress. (Ausgabe November 2016) (07.12.2016/alc/a/a)