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Reduktion des geldpolitischen Stimulus wird ein zentrales Thema in 2022 darstellen


17.01.22 11:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den ersten Tagen des neuen Jahres wurde in der Eurozone bereits eine Vielzahl von interessanten Wirtschaftsdaten veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die neuen Informationen hätten das bereits vorliegende Wirtschaftsbild nicht verändert: Die Inflationsrate sei bis zuletzt nach oben geklettert und im Dezember 2021 mit 5,0% p.a. sehr hoch gewesen. Rund die Hälfte davon ergebe sich aus dem starken Anstieg der Energiepreise, aber auch in andern Gütergruppen sei zuletzt ein stärkerer Preisauftrieb verbucht worden. Gegeben der zurückliegenden Preisdynamik bei Rohstoffen (Erdöl) und aufgrund von Sondereffekten (Steuerveränderungen) sollte die Inflationsrate im Dezember die Spitze erreicht haben. Laut Wirtschaftsdaten belaste das Corona-Umfeld Ende 2021 erneut vor allem den Dienstleistungssektor. Bislang komme in den meisten Erhebungen aber nur die Situation der "Delta-Welle" zum Ausdruck. Omikron verbessere die unmittelbaren Rahmenbedingungen wohl kaum und so sei in Summe mit einem wirtschaftlich schwachen Winterhalbjahr 2021/22 zu rechnen. Die negativen Auswirkungen der Pandemie dürften aber geringer sein als 2020/21 und so würden die Analysten der RBI mit keiner neuerlichen Rezession rechnen.

In den kommenden Tagen würden zwar nur wenige Daten, mit den ZEW-Umfragen und der Schnellschätzung des Konsumentenvertrauens aber interessante Stimmungsindikatoren veröffentlicht. Die Analysten der RBI würden bei der Einschätzung der aktuellen Lage und beim Konsumentenvertrauen mit einer Verbesserung rechnen - die "Omikron-Welle" dürfte weniger einschneidend sein als ursprünglich befürchtet. Die Zukunftserwartungen (ZEW) sähen die Analysten der RBI unverändert.

An den Zinsmärkten sei der Jahreswechsel mit einem deutlichen Renditeanstieg einhergegangen. 10-jährige Benchmark-Renditen hätten sich in den letzten Tagen nahe den Höchstständen seit Beginn der Pandemie stabilisiert (10-jährige Bund-Rendite zwischen -0,1% und 0%; 10-jährige Treasury-Rendite zwischen 1,7% und 1,8%). Im längeren Laufzeitensegment sei der Renditeanstieg auf beiden Seiten des Atlantiks in einem durchaus vergleichbaren Ausmaß ausgefallen, während der Renditeanstieg bei kurzen Laufzeiten in den USA deutlich ausgeprägter gewesen sei als in der Eurozone. Dies stehe im Einklang mit den zuletzt zunehmend hawkisheren Signalen seitens der FED, während die EZB die Hoffnung auf Zinserhöhungen im laufenden Jahr dämpfe.

Obwohl die jüngsten Inflationsveröffentlichungen den Druck auf die Notenbanken keineswegs gesenkt hätten, die Inflation habe im Dezember in den USA bei 7% p.a. und in der Eurozone bei 5% p.a. gelegen, seien die am Markt gepreisten Inflationserwartungen nicht weiter gestiegen. Es seien die Renditen inflationsgeschützter Anleihen gewesen, welche die nominellen Renditen nach oben getrieben hätten. Dieses Muster spiegele nach Meinung der Analysten der RBI die Erwartungshaltung wider, dass ein Zurückfahren des geldpolitischen Stimulus bevorstehe, man damit die Inflation mittelfristig aber in den Griff bekommen werde. Die Reduktion des geldpolitischen Stimulus werde ein zentrales Thema in 2022 darstellen und sicherlich bei der FED signifikant ausgeprägter sein als bei der EZB.

Die jüngsten Akzente der US-Notenbank (Zinssitzung Mitte Dezember, Sitzungsprotokoll Anfang Januar und Senatsanhörung des FED-Präsidenten Powell) würden darauf hindeuten, dass die geldpolitische Normalisierung deutlich rascher passieren werde als zuvor erwartet. Auf der Dezember-Zinssitzung sei eine Beschleunigung des Taperings beschlossen worden (ende nun im März), wodurch sich die FED auch den Spielraum schaffe, früher die Leitzinsen anzuheben. Das Timing des Zinszyklus hänge laut FED eigener Forward Guidance maßgeblich von der Einschätzung zum Arbeitsmarkt ab. Und hier habe sich die Interpretation der US-Notenbanker zuletzt deutlich verändert. Sei zuvor darauf verwiesen worden, dass man die zögerliche Erholung des Arbeitskräfteangebots (Erwerbsquote) nicht mit einer Straffung der Geldpolitik gefährden möchte, stünden nun Inflationssorgen klar im Fokus. In der Senatsanhörung habe Powell etwa betont, dass erhöhte Inflation ein maßgebliches Risiko für eine lang andauernde Arbeitsmarkterholung darstelle. Die aktuellen Aufwärtsrisiken des Inflationsausblicks würden somit eine Bedrohung für das Erreichen des Vollbeschäftigungsziels darstellen.

Nach dieser Argumentation stehe einer ersten Zinserhöhung bereits auf der Zinssitzung im März eigentlich nichts mehr im Weg und so würden die Analysten der RBI ihren prognostizierten Leitzinspfad von bisher zwei Zinsschritten auf vier Zinsschritte, von jeweils 25 Basispunkten, für das Jahr 2022 anpassen. Zusätzlich könnte im weiteren Jahresverlauf auch bereits damit begonnen werden die FED-Bilanz zu reduzieren (Bestände würden nicht mehr im vollen Umfang reinvestiert). Die Diskussion darüber sei auf der letzten Zinssitzung gestartet worden und im ersten Quartal werde man wohl dazu auch eine offizielle Kommunikation präsentieren. Soviel habe Powell aber bereits klarstellen können: "Der Bilanzabbau wird früher und schneller passieren als nach der Wirtschafts- und Finanzkrise." (Ausgabe vom 14.01.2022) (17.01.2022/alc/a/a)