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Quantitative Lockerung spielt im Geschehen an den Märkten eine wichtige Rolle
13.05.16 11:14
Financière de l´Echiquier
Paris (www.anleihencheck.de) - Die quantitative Lockerung spielt mittlerweile sowohl im Alltag als auch im Geschehen an den Märkten eine wichtige Rolle, so Didier Le Menestrel, Chairman von La Financière de lEchiquier.
Es vergehe kein Tag, an dem nicht ihre positiven oder negativen Folgen kommentiert würden. Dabei werde dieser Mechanismus von den Zentralbanken erst seit 2008 im großen Stil eingesetzt.
Die Effekte der quantitativen Lockerung seien unterschiedlich. Die geldpolitische Strategie Japans stoße inzwischen zweifellos an ihre Grenzen und die Japanische Zentralbank scheine im Moment der Versuchung zu widerstehen, immer mehr zu probieren. Die europäische Wirtschaft hänge am Tropf der EZB: Der Zustand des Patienten verschlechtere sich zwar kaum, aber die Genesung gehe nur langsam voran. Die Präsidentin der US-amerikanischen Zentralbank Janet Yellen wiederum befinde sich auf einer schwierigen Gratwanderung, indem sie den Märkten zuflüstere, dass die US-Zinsen, sofern die Bedingungen es zulassen würden, sich normalisieren müssten.
Wenn man sich die drei großen Regionen anschaue, die akkommodierende geldpolitische Strategien ausprobiert hätten, falle sofort etwas auf, das wie Wasser auf die Mühlen ihrer Kritiker wirke und dies gleichermaßen in Japan, Europa oder den Vereinigten Staaten. Mit diesen neuartigen Strategien sei es zwar gelungen, die Geldmenge zu erhöhen, aber die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sei völlig unerwartet so stark zurückgegangen, dass sie in Bezug auf die Preise das Gegenteil dessen bewirkt habe, was erwartet worden sei.
Mit Blick auf die Bewertungen der US-Unternehmen könnte man sogar behaupten, dass Dow Jones und Standard and Poor's von der im Überfluss vorhandenen Liquidität gut profitiert hätten. In welchem Ausmaß? Oder, um die Frage anders zu formulieren: Wie sähe es an den Märkten ohne die Unterstützung der FED aus?
Eine mögliche Antwort darauf hätten vor kurzem zwei Volkswirtschaftler der FED gegeben (1). Sie hätten berechnet, wie hoch die Performance der US-Märkte gewesen wäre, wenn man die Performance an den Tagen, an denen die FED ein Meeting durchführe, durch die durchschnittliche Performance in diesem Zeitraum ersetze.
Ihre überraschende Schlussfolgerung: Bis 1985 hätte ein Markt ob mit oder ohne FED-Meeting die gleiche Wertentwicklung verzeichnet. Allerdings wäre die Marktperformance ab 1985 bis heute um 25 Prozent geringer ausgefallen, wenn man die Wertentwicklung an Tagen mit FED-Meeting durch den Durchschnitt ersetzt hätte. Dass die Verlautbarungen der Zentralbanken Auswirkungen auf die Börsendaten gehabt hätten, stehe folglich außer Zweifel: "Am Anfang war das Wort" Genauso wie am Ende!
Bei genauerer Betrachtung des Beobachtungszeitraums stelle man außerdem fest, dass der Effekt im Zeitraum zwischen 2008 und 2012 am größten gewesen sei. Das sei auch logisch, denn auf den Überraschungseffekt von 2008 sei ein Größeneffekt gefolgt, da die ergriffenen Maßnahmen sehr umfangreich gewesen seien. Seit 2012 lasse dieser Effekt jedoch deutlich nach; dies spiegele mit Sicherheit einen Gewöhnungseffekt und eine gewisse Ermüdung der Beteiligten wider, die heute immer öfter Anreize brauchen würden, um zu reagieren.
Für die Experten als Investoren sei diese Ermüdung ein weiteres Indiz, welches die Paranoia der Experten gegenüber den großen Gewinnern der quantitativen Lockerungspolitik, den berühmten "schönen, gut bewerteten Wachstumsmodellen", verstärke. Gleichzeitig sei er für die Experten auch ein Anreiz, sich wieder für einige Titel zu interessieren, die die Experten vernachlässigt hätten und die von den Strategien der Zentralbanken "vergessen" worden seien. Anders ausgedrückt: Die Experten sollten wie die angelsächsischen Freunde wieder mehr auf den "Call Value" achten. (13.05.2016/alc/a/a)
Es vergehe kein Tag, an dem nicht ihre positiven oder negativen Folgen kommentiert würden. Dabei werde dieser Mechanismus von den Zentralbanken erst seit 2008 im großen Stil eingesetzt.
Die Effekte der quantitativen Lockerung seien unterschiedlich. Die geldpolitische Strategie Japans stoße inzwischen zweifellos an ihre Grenzen und die Japanische Zentralbank scheine im Moment der Versuchung zu widerstehen, immer mehr zu probieren. Die europäische Wirtschaft hänge am Tropf der EZB: Der Zustand des Patienten verschlechtere sich zwar kaum, aber die Genesung gehe nur langsam voran. Die Präsidentin der US-amerikanischen Zentralbank Janet Yellen wiederum befinde sich auf einer schwierigen Gratwanderung, indem sie den Märkten zuflüstere, dass die US-Zinsen, sofern die Bedingungen es zulassen würden, sich normalisieren müssten.
Wenn man sich die drei großen Regionen anschaue, die akkommodierende geldpolitische Strategien ausprobiert hätten, falle sofort etwas auf, das wie Wasser auf die Mühlen ihrer Kritiker wirke und dies gleichermaßen in Japan, Europa oder den Vereinigten Staaten. Mit diesen neuartigen Strategien sei es zwar gelungen, die Geldmenge zu erhöhen, aber die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sei völlig unerwartet so stark zurückgegangen, dass sie in Bezug auf die Preise das Gegenteil dessen bewirkt habe, was erwartet worden sei.
Eine mögliche Antwort darauf hätten vor kurzem zwei Volkswirtschaftler der FED gegeben (1). Sie hätten berechnet, wie hoch die Performance der US-Märkte gewesen wäre, wenn man die Performance an den Tagen, an denen die FED ein Meeting durchführe, durch die durchschnittliche Performance in diesem Zeitraum ersetze.
Ihre überraschende Schlussfolgerung: Bis 1985 hätte ein Markt ob mit oder ohne FED-Meeting die gleiche Wertentwicklung verzeichnet. Allerdings wäre die Marktperformance ab 1985 bis heute um 25 Prozent geringer ausgefallen, wenn man die Wertentwicklung an Tagen mit FED-Meeting durch den Durchschnitt ersetzt hätte. Dass die Verlautbarungen der Zentralbanken Auswirkungen auf die Börsendaten gehabt hätten, stehe folglich außer Zweifel: "Am Anfang war das Wort" Genauso wie am Ende!
Bei genauerer Betrachtung des Beobachtungszeitraums stelle man außerdem fest, dass der Effekt im Zeitraum zwischen 2008 und 2012 am größten gewesen sei. Das sei auch logisch, denn auf den Überraschungseffekt von 2008 sei ein Größeneffekt gefolgt, da die ergriffenen Maßnahmen sehr umfangreich gewesen seien. Seit 2012 lasse dieser Effekt jedoch deutlich nach; dies spiegele mit Sicherheit einen Gewöhnungseffekt und eine gewisse Ermüdung der Beteiligten wider, die heute immer öfter Anreize brauchen würden, um zu reagieren.
Für die Experten als Investoren sei diese Ermüdung ein weiteres Indiz, welches die Paranoia der Experten gegenüber den großen Gewinnern der quantitativen Lockerungspolitik, den berühmten "schönen, gut bewerteten Wachstumsmodellen", verstärke. Gleichzeitig sei er für die Experten auch ein Anreiz, sich wieder für einige Titel zu interessieren, die die Experten vernachlässigt hätten und die von den Strategien der Zentralbanken "vergessen" worden seien. Anders ausgedrückt: Die Experten sollten wie die angelsächsischen Freunde wieder mehr auf den "Call Value" achten. (13.05.2016/alc/a/a)


