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Qualität der US-Staatsschulden durch Entscheidung von Fitch nicht gefährdet


07.08.23 09:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Aufsehen erregte vergangene Woche die Bonitätsabstufung der USA durch die Ratingagentur Fitch, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Diese habe die Kreditwürdigkeit der Volkswirtschaft vom bestmöglichen AAA-Rating auf AA+ herabgestuft. Begründet worden sei dieses Vorgehen unter anderem mit einer erwarteten (weiteren) Verschlechterung der fiskalischen Lage der USA, einer dementsprechend zunehmenden Schuldenlast sowie politischen Missständen. Auch wenn das Downgrade, gegeben der Tatsache, dass Fitch eine mögliche Abstufung bereits im Mai in den Raum gestellt habe, nicht allzu überraschend gewesen sei, hätten die Finanzmärkte dennoch reagiert. Nicht nur auf den Aktienmärkten, sondern auch den Zinsmärkten hätten sich Kursreaktionen auf die Ankündigung gezeigt. Am Zinsmarkt seien es vor allem die längeren Laufzeiten der Treasury-Kurve gewesen, die seit der Meldung von Fitch abverkauft worden seien und 15 Basispunkte höher notiert hätten. Auf die kurzfristigen Renditen habe dies jedoch kaum Auswirkungen gehabt, die 2-jährigen Renditen seien unverändert geblieben. Dies deute darauf hin, dass die Erwartungen zur FED nicht verändert worden seien, was auch durch die FED Funds Futures bestätigt werde. Es seien also die Risikoprämien und nicht der FED-Ausblick gewesen, die die Märkte dominiert hätten.

Die Auswirkungen auf deutsche Bunds seien bisher überschaubar. Der Transatlantik-Spread (UST-BUND) sei in einem ähnlichen Ausmaß gestiegen wie die Treasury-Renditen. Kurz gesagt, das US-Durationsrisiko sei im Fokus gewesen, was durch die Nachfrage nach sicheren Häfen für kürzere Laufzeiten ausgeglichen worden sei, und auch der US-Dollar habe zugelegt. Die Analysten würden die Qualität der US-Staatsschulden und den Status des US-Dollars als globale Reservewährung durch die Entscheidung von Fitch nicht gefährdet sehen. Vielmehr seien die Renditen längerer Laufzeiten auf mittlere Sicht attraktiver geworden.

In den vergangenen Tagen seien in der Eurozone die Schnellschätzungen für das BIP im zweiten Quartal veröffentlicht worden. Mit aufgerundet 0,3% p.q. habe der Zuwachs in der Währungsunion im Rahmen der Erwartung der Analysten und geringfügig über der Konsensschätzung gelegen. Auf Länderbasis seien die Abweichungen zur allgemeinen Erwartungshaltung ausgeprägter gewesen. Frankreich (0,5%), Portugal (2,3%) und Irland (3,3%) hätten eine überraschend starke Performance im Vergleich zum Vorquartal ausgewiesen. Auch das Plus in Spanien (0,4%) sei als positiv zu werten. Dagegen sei die Stagnation in Deutschland nach zwei Quartalen mit BIP-Rückgängen (jeweils im Vergleich zum Vorquartal) als Enttäuschung zu werten.

Ob in diesem Frühjahr der Schritt aus der Rezession geschafft worden sei, erscheine angesichts der Vorzeichen für Q3 mehr als fraglich. Eine klare Enttäuschung stelle der Rückgang der Wirtschaftsleistung in Österreich (-0,4% p.q.) und Italien (-0,3% p.q.) dar. In Italien habe - anders als etwa in Spanien - die gute Performance im Dienstleistungsbereich die Schwäche in der Industrie nicht wettmachen können. In Österreich sei das Ergebnis noch mit Vorsicht zu genießen, immerhin seien die BIP-Daten zuletzt sehr revisionsanfällig gewesen. Der zunächst klare Rückgang in Q1 werde in der aktuellen Datenfassung sogar als leichtes Plus ausgewiesen. Für eine Neubewertung der BIP-Schätzung der Analysten sei es daher noch zu früh.

Die Lehren für den Euroraum seien nicht eindeutig. Einerseits seien die Indikationen für das Sommerquartal ernüchternd. Laut Stimmungsumfragen habe sich die Schwäche im Bau- und Industriesektor fortgesetzt, während die Dynamik bei den Dienstleistungen abflaue. Andererseits lassen die Q2-Länderdaten sowie die absehbare Lohn- und Inflationsentwicklung vermuten, dass der Tiefpunkt beim privaten Konsum hinter uns liegt und dieser in Zukunft zulegen wird, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). In Summe sei in Q3 eher mit einem nur geringen BIP-Zuwachs zu rechnen und für die Schätzung der Analysten für das Gesamtjahr bestünden Abwärtsrisken.

Im Datenkalender der nächsten zwei Wochen würden sich einige interessante makroökonomische Datenpunkte finden. So erscheine mit dem Eurozonen-Sentix diese Woche der erste Stimmungsindikator für den Monat August. Die Prognosen der Analysten würden auf eine weitere Eintrübung des Stimmungsbildes hindeuten, die Analysten würden eine Abnahme auf -24 Punkte (Juli: -22,5 Punkte) erwarten. In den USA werde hingegen die Veröffentlichung der Juli-Zahlen zur Verbraucherpreisinflation (VPI) im Mittelpunkt stehen. Im Juni hätten die Inflationszahlen positiv überraschen können, Gesamt- sowie Kerninflation seien mit einer monatlichen Veränderungsrate in Höhe von 0,2% unter den Analystenschätzungen zu liegen gekommen (jährliche Veränderungsraten: Gesamtinflation 3%, Kerninflation 4,8%).

Nachdem die Federal Reserve bei ihrer letzten Zinssitzung die Datenabhängigkeit ihres weiteren Entscheidungspfades klar deutlich gemacht habe, werde der Juli-Veröffentlichung wohl ein besonderes Augenmerk zukommen. Der Konsens gehe aktuell von einer wenig dynamischen Inflationsentwicklung aus, es werde erwartet, dass Gesamt- und Kerninflationsrate abermals 0,2% im Monatsvergleich betragen hätten. In der nächsten Woche werde das Erscheinen des August-ZEW für die Eurozone und Deutschland weitere Einblicke in die aktuelle Stimmungslage liefern.

Hinsichtlich des deutschen ZEW würden die Analysten bezüglich der Subkomponente für die aktuelle Lage von einer leichten Verbesserung ausgehen (-59,5 auf -58 Punkte). Bei der Erwartungskomponente würden die Analysten hingegen eine weitere Verschlechterung von -14,7 auf -16 Punkte für am wahrscheinlichsten halten. Ähnlich dürfte es sich in der Eurozone verhalten - die Analysten würden eine Verschlechterung der Erwartungskomponente von -12,2 auf -14 Punkte erwarten. In den USA erscheinen indessen mit Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion im Juli erste wesentliche Wirtschaftsdaten für das dritte Quartal, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). Daten zur Industrieproduktion würden auch in der Eurozone erscheinen, diese würden sich allerdings noch auf Juni und somit auf das bereits abgelaufene zweite Quartal beziehen. (Ausgabe vom 04.08.2023) (07.08.2023/alc/a/a)