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QE-Widerstand in der EZB sorgt für Diskussionen
27.09.19 09:30
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - An den Rentenmärkten sanken die Renditen insbesondere unter dem Eindruck eines überraschend schlechten PMI-Einkaufsmanagerindex für das deutsche Verarbeitende Gewerbe, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Die zaghafte Stabilisierung des ifo-Index vermochte die Stimmung kaum zu bessern, zumal die Erwartungskomponente des ifo weiter fiel und auch die Exporterwartungen ihren Weg 'gen Süden fortsetzten, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Der deutliche Rückgang beim Verbrauchervertrauen in den USA (Conference Board) sei auch nicht gerade dazu angetan gewesen, Staatsanleihen abzustoßen. Auf der politischen Seite spielte und spielt die Vorbereitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen US-Präsidenten Donald Trump eine Rolle, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Anlass für diesen von dem linken Spektrum der Demokraten schon seit längerem verlangten Schritt sei ein Telefonat, das Trump mit dem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj geführt habe und in dem er Selenskyj auffordere, Untersuchungen gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden bzw. dessen Sohn einzuleiten. Diese Angelegenheit, die bislang noch zu keinen eindeutigen Reaktionen an den Märkten geführt hat, dürfte uns in den nächsten Tagen und möglicherweise Wochen und Monaten begleiten, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
In der Eurozone sorge der Rücktritt von EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger für Diskussionsstoff. Der vorzeitige Rücktritt werde von einigen Kommentatoren im Zusammenhang mit Lautenschlägers Opposition gegen die auf der letzten Sitzung beschlossene Wiederaufnahme der Wertpapierankäufe gesehen.
Interessant sei, dass sich der französische Notenbankpräsident Villeroy de Galhau erneut und explizit gegen die QE-Politik ausgesprochen habe. Auch Direktoriumsmitglied Benoît Curé habe sich entsprechend geäußert. Berücksichtige man dann noch die QE-Kritiker Jens Weidmann, Madis Müller (Notenbankchef von Estland), Klaas Knots (Niederlande) und Ewald Nowotny (Österreich), hinterlasse EZB-Chef Mario Draghi seiner Nachfolgerin Christine Lagarde ein sehr uneiniges Haus. Die Position von Lautenschläger dürfte durch Deutschland besetzt werden. Am Freitag werde Jens Weidmann sprechen und eventuell weiteres Öl ins Feuer gießen.
Relativ wenig Beachtung habe in den letzten Tagen die neue Repopolitik der FED gefunden. Nachdem in der vergangenen Woche massive Spannungen am Geldmarkt für ein Hochschießen der Overnight-Zinssätze gesorgt hätten, habe die FED tägliche Overnight-Repogeschäfte in Höhe von 75 Mrd. US-Dollar angekündigt, die mittlerweile sogar auf 100 Mrd. US-Dollar erhöht worden seien. Gleichzeitig seien auch Repogeschäfte mit 14 Tagen Laufzeit angeboten worden, zunächst im Volumen von maximal 30 Mrd. US-Dollar, mittlerweile von maximal 60 Mrd. US-Dollar. Die Operationen würden mindestens bis zum Jahresende fortgesetzt.
Zum Verständnis: Die Operationen seien insofern bemerkenswert, als amerikanische Banken - anders als das in der Eurozone traditionell der Fall sei - kaum auf Repogeschäfte zurückgreifen würden. Ein Blick auf die FED-Bilanz offenbare, dass Repogeschäfte seit 2009 fast durchgehend auf null zurückgefallen seien. Durch die massiven Anleiheankäufe sei bei den Geschäftsbanken schlichtweg keine Nachfrage nach zusätzlicher Zentralbankliquidität gewesen.
Die FED wisse offensichtlich selber noch nicht so recht, woran es liege, dass plötzlich ein Engpass an den Geldmärkten aufgetreten sei. Als mögliche Begründungen würden das Zusammentreffen unterschiedlicher Faktoren genannt, namentlich der Termin für Steuerzahlungen durch Unternehmen, die Emission von kurzlaufenden Treasuries (die Überweisungen durch Banken an das Schatzamt nach sich gezogen habe) sowie ganz allgemein schärfere regulatorische Richtlinien in Bezug auf Liquiditätskennziffern. Daher wäre ein großer Teil der von den Banken gehaltenen Zentralbankliquidität gebunden und nicht für den Geldmarkt verfügbar.
Werde die Politik der Repogeschäfte längerfristig fortgeführt, würde auch das Bilanzvolumen entsprechend steigen. Beim derzeitigen Repovolumen wäre das eine Erhöhung um 160 Mrd. US-Dollar (revolvierende tägliche Repos in Höhe von 100 Mrd. US-Dollar plus revolvierende 14-Tages Repos in Höhe von 60 Mrd. US-Dollar). Bei einer Bilanzsumme von rund 3600 Mrd. US-Dollar entspreche dies einem einmaligen Zuwachs von 4% und sei nicht mit einer QE-Politik zu vergleichen.
In den kommenden Tagen dürfte darüber spekuliert werden, wie erfolgreich die Handelsgespräche zwischen den USA und China ausfallen würden, die Anfang Oktober wieder aufgenommen werden sollten. Zuvor werde in China das 70-jährige Bestehen der Volksrepublik gefeiert. Darüber hinaus stehe eine Reihe von Konjunkturdaten auf der Agenda. Dazu würden die Schnellschätzung für die Inflation in der Eurozone, detailliierte PMI-Daten für die Währungsunion, die US-Arbeitsmarktdaten sowie die ISM-Einkaufsmanagerindices aus den Vereinigten Staaten gehören. (Ausgabe vom 26.09.2019) (27.09.2019/alc/a/a)
Die zaghafte Stabilisierung des ifo-Index vermochte die Stimmung kaum zu bessern, zumal die Erwartungskomponente des ifo weiter fiel und auch die Exporterwartungen ihren Weg 'gen Süden fortsetzten, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Der deutliche Rückgang beim Verbrauchervertrauen in den USA (Conference Board) sei auch nicht gerade dazu angetan gewesen, Staatsanleihen abzustoßen. Auf der politischen Seite spielte und spielt die Vorbereitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen US-Präsidenten Donald Trump eine Rolle, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Anlass für diesen von dem linken Spektrum der Demokraten schon seit längerem verlangten Schritt sei ein Telefonat, das Trump mit dem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj geführt habe und in dem er Selenskyj auffordere, Untersuchungen gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden bzw. dessen Sohn einzuleiten. Diese Angelegenheit, die bislang noch zu keinen eindeutigen Reaktionen an den Märkten geführt hat, dürfte uns in den nächsten Tagen und möglicherweise Wochen und Monaten begleiten, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
In der Eurozone sorge der Rücktritt von EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger für Diskussionsstoff. Der vorzeitige Rücktritt werde von einigen Kommentatoren im Zusammenhang mit Lautenschlägers Opposition gegen die auf der letzten Sitzung beschlossene Wiederaufnahme der Wertpapierankäufe gesehen.
Interessant sei, dass sich der französische Notenbankpräsident Villeroy de Galhau erneut und explizit gegen die QE-Politik ausgesprochen habe. Auch Direktoriumsmitglied Benoît Curé habe sich entsprechend geäußert. Berücksichtige man dann noch die QE-Kritiker Jens Weidmann, Madis Müller (Notenbankchef von Estland), Klaas Knots (Niederlande) und Ewald Nowotny (Österreich), hinterlasse EZB-Chef Mario Draghi seiner Nachfolgerin Christine Lagarde ein sehr uneiniges Haus. Die Position von Lautenschläger dürfte durch Deutschland besetzt werden. Am Freitag werde Jens Weidmann sprechen und eventuell weiteres Öl ins Feuer gießen.
Zum Verständnis: Die Operationen seien insofern bemerkenswert, als amerikanische Banken - anders als das in der Eurozone traditionell der Fall sei - kaum auf Repogeschäfte zurückgreifen würden. Ein Blick auf die FED-Bilanz offenbare, dass Repogeschäfte seit 2009 fast durchgehend auf null zurückgefallen seien. Durch die massiven Anleiheankäufe sei bei den Geschäftsbanken schlichtweg keine Nachfrage nach zusätzlicher Zentralbankliquidität gewesen.
Die FED wisse offensichtlich selber noch nicht so recht, woran es liege, dass plötzlich ein Engpass an den Geldmärkten aufgetreten sei. Als mögliche Begründungen würden das Zusammentreffen unterschiedlicher Faktoren genannt, namentlich der Termin für Steuerzahlungen durch Unternehmen, die Emission von kurzlaufenden Treasuries (die Überweisungen durch Banken an das Schatzamt nach sich gezogen habe) sowie ganz allgemein schärfere regulatorische Richtlinien in Bezug auf Liquiditätskennziffern. Daher wäre ein großer Teil der von den Banken gehaltenen Zentralbankliquidität gebunden und nicht für den Geldmarkt verfügbar.
Werde die Politik der Repogeschäfte längerfristig fortgeführt, würde auch das Bilanzvolumen entsprechend steigen. Beim derzeitigen Repovolumen wäre das eine Erhöhung um 160 Mrd. US-Dollar (revolvierende tägliche Repos in Höhe von 100 Mrd. US-Dollar plus revolvierende 14-Tages Repos in Höhe von 60 Mrd. US-Dollar). Bei einer Bilanzsumme von rund 3600 Mrd. US-Dollar entspreche dies einem einmaligen Zuwachs von 4% und sei nicht mit einer QE-Politik zu vergleichen.
In den kommenden Tagen dürfte darüber spekuliert werden, wie erfolgreich die Handelsgespräche zwischen den USA und China ausfallen würden, die Anfang Oktober wieder aufgenommen werden sollten. Zuvor werde in China das 70-jährige Bestehen der Volksrepublik gefeiert. Darüber hinaus stehe eine Reihe von Konjunkturdaten auf der Agenda. Dazu würden die Schnellschätzung für die Inflation in der Eurozone, detailliierte PMI-Daten für die Währungsunion, die US-Arbeitsmarktdaten sowie die ISM-Einkaufsmanagerindices aus den Vereinigten Staaten gehören. (Ausgabe vom 26.09.2019) (27.09.2019/alc/a/a)


