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Q4 Outlook: Weiterhin Chancen bei Risikoassets


23.10.20 11:00
Lazard Asset Management

Delaware (www.anleihencheck.de) - Wie sind die Aussichten für die Finanzmärkte im vierten Quartal 2020? Dies beantwortet Werner Krämer, Macro-Economic Analyst bei Lazard Asset Management, im folgenden Ausblick.

Angesichts der aktuellen Zentralbankpolitik bleibe der Experte moderat optimistisch bei Risikoassets und europäischen Unternehmensanleihen, rate Investoren jedoch vor allem zu einem wohldifferenzierten, strategischen Portfolio.

Die wirtschaftliche Erholung vom Tiefpunkt der globalen Rezession Ende Februar/Anfang März dieses Jahres habe sich in den letzten Monaten stetig fortgesetzt. Wir haben bisher allerdings keinerlei selbst tragenden Konjunkturaufschwung, sondern die Konjunktur wird von der Geld- und Fiskalpolitik getragen, so die Experten von Lazard Asset Management. Deshalb hänge die Fortsetzung des Aufschwungs auch von der Fortsetzung der hyperexpansiven Wirtschaftspolitik ab. Gott sei Dank sei insbesondere in der Eurozone wegen der extrem niedrigen Inflationsraten auch der Spielraum für eine weitere Expansion der Geld- und Fiskalpolitik vorhanden. Und nach den US-Wahlen sollte die Expansion insbesondere der Fiskalpolitik in den USA eher noch zunehmen, wer auch immer der neue US-Präsident sein werde.

Am europäischen Rentenmarkt tue sich zur Zeit relativ wenig. Hier sei die Dominanz der EZB so groß, dass sich an den niedrigen oder sogar negativen Zinsen, der flachen Kurve und den engen Credit Spreads wenig ändere, was aber die Kapitalanlage mangels Handlungsalternativen sehr schwierig mache. Kein Wunder, dass die Anleger noch immer nach Mehrertrag außerhalb der Eurozone suchen würden, so in globalen Renten, Wandelanleihen oder Emerging Markets Debt.

Die Märkte für Risikoassets hätten auf die ersten Anzeichen einer Stabilisierung im April über die Rezession hinweggesehen und den erwarteten Aufschwung frühzeitig eskomptiert. Daraus würden sich gewisse Risiken ergeben, nämlich möglicherweise überoptimistische Erwartungen und einen relativ großen Abstand zwischen der realwirtschaftlichen Situation und den vom Markt diskontierten Erwartungen.

Natürlich spiele die alternative Kapitalanlage am Aktienmarkt oder im Rahmen von Total Return-Konzepten mit Multi-Asset-Ideen im Niedrigzinsumfeld eine wichtige Rolle. Man müsse aber bedenken, dass die Bewertungen am Aktienmarkt relativ hoch seien, weil die Gewinnerwartungen (für dieses und das kommende Jahr) stark nach unten genommen worden seien, während die Kurse gestiegen seien. So sei beispielsweise die Bewertung am US-Aktienmarkt gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis heute rund doppelt so hoch wie zu Beginn der Rezession im Zuge der Finanzmarktkrise. Auch europäische und Emerging Markets-Aktien seien höher bewertet als in der letzten Krise, allerdings nicht extrem viel höher, wie es in den USA der Fall sei.

Trotz aller Risiken, insbesondere in der Zeit bis zur US-Präsidentschaftswahl, würden die Experten vor dem Hintergrund der erwarteten Unterstützung durch Geld- und Fiskalpolitik mittelfristig moderat optimistisch für Risikoassets bleiben, also nicht nur für Aktien, sondern analog für Unternehmensanleihen, die Anleihen der europäischen Peripherie, Emerging Markets-Anleihen und Wandelanleihen. Man könne das Mantra "Don't Fight the Fed' nicht oft genug wiederholen.

Im Bereich europäischer Renten würden die Experten Unternehmensanleihen trotz der Hausse der letzten Monate noch immer als attraktiv ansehen. Sie würden die eingeengten Spreads noch für interessant halten, weil das Risiko durch staatliche Garantien und die (fast unbegrenzten) Wertpapierkäufe der Zentralbank begrenzt werde.

Es gelte weiterhin: Als Investor müsse man langfristig im Sinne strategischer Asset Allocation denken und sollte sich nicht an kurzfristigen Entwicklungen und Jahresprognosen ausrichten. Ein wohldiversifiziertes, strategisches Portfolio umfasse Anleihen (und vielleicht auch Gold) wegen des Stabilitätscharakters und Aktien, weil sie langfristig outperformen und von der Zentralbankpolitik unterstützt würden. Der Verzicht auf eine breite Streuung in die verschiedenen Assetklassen und Regionen wäre ein unnötiges Risiko. (Ausgabe vom 22.10.2020) (23.10.2020/alc/a/a)