Q3-Ergebnisse - anhaltende Inflation kann auch positiv sein


15.10.21 10:00
abrdn

London (www.anleihencheck.de) - Karolina Noculak, Investment Director bei abrdn, kommentiert im Vorfeld der Q3-Ergebnisse den Einfluss von Inflation und die Folgen des Lieferkettendrucks auf die Unternehmensentwicklung.

Engpässe in der Lieferkette würden derzeit einen erheblichen Kostendruck für globale Unternehmen verursachen, wobei einige Unternehmen stärker betroffen seien als andere.

Diese Entwicklungen bedeuten, dass wir wahrscheinlich den größten Teil der Margenausweitung in diesem Zyklus hinter uns haben und dass das künftige Gewinnwachstum weitgehend von den Nachfrageaussichten und der Preisgestaltungsmacht abhängt, so die Experten von abrdn. Die NFIB-Umfrage unter US-Unternehmen bestätige diesen Trend. Die Experten würden beobachten, dass die Anzahl der Unternehmen, die Preiserhöhungen (zum Ausgleich des Kostendrucks) planen würden, auf dem höchsten Stand der letzten zehn Jahre seien.

Eine breit angelegte Inflation und ein starkes nominales Wachstum würden normalerweise das Umsatz- und Gewinnwachstum von Unternehmen begünstigen. Die Inflation, die man derzeit erlebe, konzentriere sich jedoch auf bestimmte Bereiche, die mit der Lieferkette, einigen Rohstoffen oder dem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zusammenhängen würden. Das bedeute, dass der Markt möglicherweise nicht gleichermaßen von den inflationären Auswirkungen betroffen sei.

Die Gewinnsaison für das dritte Quartal beginne in ein paar Wochen. Man werde zweifellos Anekdoten über Unternehmen hören, die ihre Umsatzziele nicht erreichen und Lieferkettenbeschränkungen dafür verantwortlich machen würden.

Betroffen seien Unternehmen, die nicht in der Lage seien, Kostensteigerungen an ihre Verbraucher und Endabnehmer weiterzugeben. Einzelhändler in wettbewerbsintensiven Märkten, 'Ein-Euro-Läden' mit Festpreisen, einige Fluggesellschaften sowie Logistik- und Transportunternehmen würden wahrscheinlich mit steigenden Beschaffungskosten zu kämpfen haben. In der Vergangenheit hätten Investoren Unternehmen mit niedrigen Lagerbeständen, zeitnahen Lieferungen und rationalisierten Abläufen belohnt. Das könnte jetzt auf den Prüfstand gestellt werden.

Jedoch könnten auch einige Unternehmen von einem inflationären Umfeld profitieren. Die Aussichten für Unternehmen, die Preiserhöhungen weitergeben könnten und deren Umsatz schneller wachse als ihre Kostenbasis, seien positiv. Unternehmen mit einer hohen Preissetzungsmacht seien typischerweise in Sektoren mit Markentreue zu finden - beispielsweise Luxusmarken oder einige der Spirituosenhersteller. Ebenfalls gut aufgestellt seien Unternehmen mit hohen Gewinnspannen, da sie weniger empfindlich auf steigende Beschaffungskosten reagieren würden, sowie Unternehmen mit kurzen Lieferketten und einer guten Beschaffungsstrategie. Diese Unternehmen seien unter Umständen kleiner, hätten eine lokale Präsenz und seien eher nicht börsennotiert.

Einige Unternehmen hätten ihren Absatzmix angepasst, um bessere Preise zu erzielen. Beispielsweise hätten Automobilhersteller ihre Produktion auf High-End-Modelle umgestellt. In diesem Fall könne es zwar zu Produktionseinbußen kommen (es würden weniger Autos hergestellt), aber die Einbußen bei den Umsätzen könnten durch höhere Preise und einen besseren Mix ausgeglichen werden.

Eine breit angelegte Inflation sei nicht unbedingt schlecht für die Unternehmensgewinne. Die operative Hebelwirkung sei am stärksten, wenn sich der nominale Umsatz beschleunige.

Es sei schwierig, sich zu Bewertungen auf aggregierter Ebene zu äußern. Einige erwünschte Merkmale, wie hohe Margen und eine hohe Preisfestsetzungsmacht könnten von den Anlegern erkannt und goutiert werden. Dennoch dürften diese Unternehmen noch weiterhin erfolgreich sein, wenn sie ihre Gewinne in einem Umfeld steigern würden, in dem andere enttäuschen würden. (15.10.2021/alc/a/a)