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Potenzial im USD-Anleihensegment, Notenbanken bleiben aktiv


05.07.16 11:42
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Für die Konjunktur und die Finanzmärkte gilt eine Sicht vor und eine Sicht nach dem Brexit, so die Experten von Swisscanto Invest.

Zwar hätten die Experten ihre Wachstumsprognosen für viele Industrieländer leicht reduziert, die Weltwirtschaft werde aber nicht in eine Rezession fallen. Zumal nach Ansicht der Experten der US-Konjunkturmotor nicht ins Stottern gerate. Die Experten würden indes davon ausgehen, dass das Wirtschaftswachstum in Großbritannien Ende 2016 in den negativen Bereich rutsche. Die Eurozone sei von dieser Entwicklung stärker betroffen als andere Weltregionen. Der direkte Einfluss des Brexit auf die Schwellenländer werde gesamthaft gering sein. Am stärksten exponiert seien die osteuropäischen Staaten und Südafrika.

Die US-Notenbank FED werde nach dem Entscheid der britischen Stimmbürger keine Zinserhöhung im 2. Halbjahr wagen. Um Marktverwerfungen zu verhindern, würden die großen Notenbanken auch in den nächsten Tagen ausreichend Liquidität zur Verfügung stellen. Das GBP werde nachhaltig schwach bleiben und die schon vor dem Brexit-Referendum zu beobachtende Kapitalflucht aus britischen Anlagen von Ausländern werde Aufwind erhalten. Hauptprofiteur sei der US-Dollar.

Potenzial würden die Experten weiterhin im USD-Segment sehen. Europäische Dividendenpapiere seien nach dem 23. Juni weniger interessant.

Um Marktverwerfungen zu verhindern, würden die großen Notenbanken auch in den nächsten Tagen ausreichend Liquidität zur Verfügung stellen. Die US-amerikanische Notenbank FED werde mit Zinserhöhungen zuwarten und die EZB werde dafür sorgen, dass sich die Spreads der Peripherieländer nicht stark ausweiten würden. Die Schweizer Nationalbank werde am Devisenmarkt intervenieren, um den Aufwertungsdruck beim CHF abzufedern. Weitere Renditerückgänge bei den Eidgenossen (Schweizer Staatsanleihen) seien die Folge.

Potenzial würden die Experten weiterhin im USD-Segment sehen. Die Gründe dafür seien zum einen die erneute Verschiebung der US-Zinserhöhung, zum anderen die positive Renditedifferenz bei gleichzeitig leicht erstarkendem US-Dollar. Vor dem Hintergrund eines stärkeren US-Dollar und einer Ausweitung der Credit Spreads weltweit würden hingegen Emerging Markets-Bonds derzeit wenig attraktiv erscheinen. Noch weniger interessant seien britische Anleihen: Das GBP dürfte nachhaltig schwach bleiben und die schon vor dem Brexit-Referendum zu beobachtende Kapitalflucht aus britischen Anlagen von Ausländern dürfte Aufwind erhalten - zumal Ratingagenturen die Bonität britischer Staatspapiere herabsetzen würden.

Europäische Dividendenpapiere seien nach dem Brexit weniger interessant. Zwar dürfte die EZB geldpolitisch aktiv werden und einer Spread-Ausweitung innerhalb der Peripherie entgegentreten. Dem stünden aber die politischen Unsicherheiten und die erstarkenden Zentrifugalkräfte innerhalb der EU gegenüber, die mit dem Brexit spürbar zunehmen dürften. Das Gleiche gelte für Großbritannien, das nach dem knappen Referendumsausgang auch innenpolitisch gespalten zurückbleibe. Nachhaltig laste auf der GBP-Aktienposition zudem der spürbar eingetrübte Wirtschaftsausblick für Großbritannien, der durch die GBP-Abwertung nicht wettgemacht werden könne. (Ausgabe vom 04.07.2016) (05.07.2016/alc/a/a)