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Politik setzt Zentralbanken unter Druck
28.08.19 15:30
LYNX Broker
Berlin (www.anleihencheck.de) - Der Hauptjob der Zentralbanken ist eigentlich klar definiert: Sie sollen die im Umlauf befindliche Geldmenge je nach Wirtschaftslage regulieren, die Währung stabil halten und die Abwicklung des Zahlungsverkehrs regeln, so die Experten von LYNX Broker.
Dafür stehe ihnen eine Reihe von Werkzeugen zur Verfügung, die sie je nach Situation einsetzen könnten. So halte beispielsweise die Europäische Zentralbank die Zinsen seit Jahren niedrig, um die Kreditvergabe zu erleichtern und mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Doch während die Vorgehensweise in der Vergangenheit meist relativ klar gewesen sei, würden heutzutage andere Faktoren bei der Wirtschaftsentwicklung eine Rolle spielen, auf die die Zentralbanken keinen Einfluss hätten und auf die sie nur reagieren könnten. Das habe sich gerade erst bei der Konferenz der Zentralbanken gezeigt, die die amerikanische Federal Reserve alljährlich in Jackson Hole abhalte.
"Während bei der Finanzkrise 2008 noch relativ klar war, welche Maßnahmen der FED oder der EZB welche Wirkung entfalten würden, stehen die Zentralbanken heute vor einem Problem: Viele der wirtschaftlichen Probleme sind von Politikern hausgemacht. Im Mittelpunkt steht natürlich - wie könnte es auch anders sein - Donald Trump und sein Handelskrieg mit China. Aber auch der drohende No-Deal-Brexit, eine abflauende Wirtschaft hierzulande, die politischen Unruhen in Hong Kong und Italien und die Gefahr, dass langfristige internationale Abkommen ihre Gültigkeit verlieren, machen den Zentralbankern das Leben schwer", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte vom Online-Broker LYNX. Seiner Meinung nach seien die Zentralbanken angesichts all dieser Unwägbarkeiten mit ihrem Latein am Ende.
Zwar herrsche immer noch die Meinung, dass es die Aufgabe von FED, EZB und Co. wäre, die Probleme zu lösen, die die Politik verursache, allerdings wäre das gar nicht so einfach. "Die Aussagen führender Banker in Jackson Hole lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Auch sie wissen nicht so genau, was sie dem weltweit sinkenden Wirtschaftswachstum entgegensetzen sollen. Einerseits könnte eine Rückkehr zu Quantitative Easing und niedrigere Leitzinsen natürlich kurzfristig dabei helfen, die Wirtschaft anzukurbeln. Andererseits würden die Ursachen, die ja in der Politik, und nicht in der Wirtschaft selbst liegen, bestehen bleiben und das macht einen langfristigen Erfolg solcher Maßnahmen unwahrscheinlich. Darüber hinaus stellt sich dann auch die Frage, was passiert, wenn es tatsächlich zu einer Rezession oder einer erneuten Finanzkrise käme, denn dann wäre das Arsenal der Zentralbanken bereits leer", warne der Experte.
Noch deutlicher sei der ehemalige Vize-Vorsitzende der FED Stanley Fisher geworden. Für ihn sei Donald Trump selbst das Problem und er habe keine Ahnung, wie man mit diesem umgehen könnte. "Bereits seit Jahren machen Politiker den Job der Zentralbanken immer schwieriger, der Handelskrieg ist nun noch das Tüpfelchen auf dem i. Und genau da liegt das Hauptproblem: Die Zentralbanken können nur die Symptome bis zu einem gewissen Grad lindern, aber an den zugrundeliegenden Problemen nichts ändern. Das kann nur die Politik, die sich allerdings lieber in andere Kämpfe stürzt", erläutere Sadowski.
"Die FED beispielsweise steht nun vor der Wahl, die Zinsen immer weiter zu senken, um das Wirtschaftswachstum zu erhalten, obwohl weder eine Rezession noch eine handfeste, akute Krise auszumachen ist. Die EZB hingegen tut genau das bereits seit Jahren mit dem bekannten Effekt der Negativzinsen. Doch es ist völlig klar: Die aktuelle Lage ist eine völlig neue Herausforderung für die Zentralbanken und der Handlungsspielraum für geldpolitische Maßnahmen wird im Ernstfall einer erneuten Krise immer kleiner." (28.08.2019/alc/a/a)
Dafür stehe ihnen eine Reihe von Werkzeugen zur Verfügung, die sie je nach Situation einsetzen könnten. So halte beispielsweise die Europäische Zentralbank die Zinsen seit Jahren niedrig, um die Kreditvergabe zu erleichtern und mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Doch während die Vorgehensweise in der Vergangenheit meist relativ klar gewesen sei, würden heutzutage andere Faktoren bei der Wirtschaftsentwicklung eine Rolle spielen, auf die die Zentralbanken keinen Einfluss hätten und auf die sie nur reagieren könnten. Das habe sich gerade erst bei der Konferenz der Zentralbanken gezeigt, die die amerikanische Federal Reserve alljährlich in Jackson Hole abhalte.
Zwar herrsche immer noch die Meinung, dass es die Aufgabe von FED, EZB und Co. wäre, die Probleme zu lösen, die die Politik verursache, allerdings wäre das gar nicht so einfach. "Die Aussagen führender Banker in Jackson Hole lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Auch sie wissen nicht so genau, was sie dem weltweit sinkenden Wirtschaftswachstum entgegensetzen sollen. Einerseits könnte eine Rückkehr zu Quantitative Easing und niedrigere Leitzinsen natürlich kurzfristig dabei helfen, die Wirtschaft anzukurbeln. Andererseits würden die Ursachen, die ja in der Politik, und nicht in der Wirtschaft selbst liegen, bestehen bleiben und das macht einen langfristigen Erfolg solcher Maßnahmen unwahrscheinlich. Darüber hinaus stellt sich dann auch die Frage, was passiert, wenn es tatsächlich zu einer Rezession oder einer erneuten Finanzkrise käme, denn dann wäre das Arsenal der Zentralbanken bereits leer", warne der Experte.
Noch deutlicher sei der ehemalige Vize-Vorsitzende der FED Stanley Fisher geworden. Für ihn sei Donald Trump selbst das Problem und er habe keine Ahnung, wie man mit diesem umgehen könnte. "Bereits seit Jahren machen Politiker den Job der Zentralbanken immer schwieriger, der Handelskrieg ist nun noch das Tüpfelchen auf dem i. Und genau da liegt das Hauptproblem: Die Zentralbanken können nur die Symptome bis zu einem gewissen Grad lindern, aber an den zugrundeliegenden Problemen nichts ändern. Das kann nur die Politik, die sich allerdings lieber in andere Kämpfe stürzt", erläutere Sadowski.
"Die FED beispielsweise steht nun vor der Wahl, die Zinsen immer weiter zu senken, um das Wirtschaftswachstum zu erhalten, obwohl weder eine Rezession noch eine handfeste, akute Krise auszumachen ist. Die EZB hingegen tut genau das bereits seit Jahren mit dem bekannten Effekt der Negativzinsen. Doch es ist völlig klar: Die aktuelle Lage ist eine völlig neue Herausforderung für die Zentralbanken und der Handlungsspielraum für geldpolitische Maßnahmen wird im Ernstfall einer erneuten Krise immer kleiner." (28.08.2019/alc/a/a)


